Zeitzeugen berichten

Prof. Timm Ulrichs „Totalkünstler“

Signatur
zz-2090.03
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte (Dr. Michael Bauer)
Referenzjahr
1972

Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Timm Ulrichs über seine künstlerische Performance bei den Olympischen Spielen 1972: das tägliche Laufen eines Marathons in einem überlebensgroßen Hamsterrad, die negative Kritik auf diese Art von Kunst sowie über seine körperliche Verfassung nach einigen Tagen.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Journalistisches Zeitzeugeninterview mit Timm Ulrichs, geführt am 13.08.2021 in München, über seine Kindheit während des Zweiten Weltkriegs und in der Nachkriegszeit, die Lebensgeschichte seiner Eltern, die Aufnahme eines Architekturstudiums in Hannover 1959 und den Studienabbruch 1966, seine Karriere als „Totalkünstler“ und „Universaldilettant“, sein künstlerisches Wirken bei den Olympischen Spielen 1972 in München, die Geschichte hinter seinen Tattoos, die Konzeption seines eigenen Grabsteins 1969 sowie über seine von ihm selbst entworfene letzte Ruhestätte in der Künstlernekropole in Kassel.

Biogramm

Timm Ulrichs, geboren 1940 in Berlin, erklärte sich 1961 zum „Totalkünstler“ und arbeitete danach als Performancekünstler, Fotograf, Bildhauer, Grafiker, Selbstdarsteller und Verfasser Konkreter Poesie. Nach einem abgebrochenen Architekturstudium und diversen Jobs als Eisverkäufer etc. finanzierte der Avantgardekünstler seinen Lebensunterhalt drei Jahrzehnte lang auch als Kunstprofessor in Münster. Sein Grab gestaltete er zu Lebzeiten auf einem Künstlerfriedhof in der Documenta-Stadt Kassel, wovon er ausführlich in unserem Interview berichtet.

Inhalte

Geboren 1940 in Berlin – Kurzer Rückblick auf die Olympischen Spiele 1972 – Selbstverständnis als „Totalkünstler“ – Verständnis bzw. Definition von Kunst – Zeitweise Ängste aufgrund des abgebrochenen Architekturstudiums und des fehlenden Abschlusses – Belege für die Behauptung, „Totalkünstler“ zu sein – Funktionsweise des Kunstmarktes – Persönliche Vorbilder – Drang nach persönlicher Weiterentwicklung – Spannungsgeladenes Verhältnis zu Ausstellungsmachern – Vielseitiges Oeuvre – Intentionen hinter der eigenen Kunst – Einbeziehen des Körpers in die Kunst – Beschäftigung mit der Sprache – Persönliche Einstellung zum Gendern – Kindheit im Zweiten Weltkrieg – Evakuierung und Umzüge während des Krieges – Erlebnisse gegen Kriegsende – Verhältnis zu den britischen Soldaten – Umzug nach Bremen im Alter von 14 Jahren – Leiden an Rachitis – Mangelernährung während der Kindheit – Lebensgeschichte des Vaters: deutsch-englische Wurzeln, Kindheit in Südafrika, Ausweisung im bzw. nach dem Ersten Weltkrieg, Gefreiter im Zweiten Weltkrieg, Anstellung als Übersetzer beim „Labour Service“ der britischen Besatzungsmacht nach dem Zweiten Weltkrieg – Berufliche Karriere der Mutter: von der Stenotypistin zur Chefsekretärin – Eigene Berufswahl nach dem Abitur 1959 – Beginn eines Architekturstudiums in Hannover – Gründe für den Studienabbruch 1966 – Ausüben verschiedener Jobs nach Studienabbruch – Finanzielle Schwierigkeiten – Literarische und künstlerische Tätigkeit nach dem Studienabbruch – Kontakte zu Schriftstellern und Künstlern – Wichtige Rolle der „Galerie Patio“ – Einstellung zu Kirche und Religion – Schenkung von wertvollen Katalogen an die Akademie in Berlin – Sorgen um die eigene Sammlung und den eigenen Nachlass – Expressionismus der 1950er-Jahre – Persönliche Begeisterung für Dadaismus und Surrealismus ab Ende der 1950er-Jahre – Persönliche Vorbilder – Neue Kunstströmungen und -zentren in den 1960er-Jahren – Anfrage von Architekt Werner Ruhnau bezüglich des Mitwirkens am Projekt „Spielstraße“ bei den Olympischen Spielen 1972 in München – Zwei Projektideen für die „Spielstraße“: der „egozentrische Steinkreis“ und das Laufrad – Idee hinter dem Laufrad – Entscheidung des Ehepaars Ruhnau für das Laufrad – Erhalt von ca. 5.000 D-Mark für die Realisierung des Kunstwerks – Suche nach einer Schlosserei für die Anfertigung des Laufrads – Entwurf eines Manifests zum Laufrad – Gedanken zu Konkurrenz und Wettbewerb – Existenz verschiedenster kurioser Sportarten – Anfangszeilen des Manifests – Persönliche Erfolge – Stolz auf den eigenen Ideenreichtum – Keine Möglichkeit zur Patentierung von Kunst – Plagiate in Kunst und Literatur – Zurückgelegte Strecke im Laufrad – Überbeanspruchung des Körpers nach einer Woche – Eigene sportliche Leistungen – Negative Reaktionen der Besucher auf das Laufrad – Einstellung zu Olympioniken und Medaillenspiegel – Großer Andrang und vielfältiges Angebot in der „Spielstraße“ – Unterbringung der Künstler in Feldbetten in Schulen – Gespräche mit den anderen Künstlern – Abbruch der „Spielstraße“ nach dem palästinensischen Attentat auf das israelische Team (gegen den Willen der Künstler) – Weiterer Weg des Laufrads – Mangelhafte Kommunikation zwischen den Organisatoren der „Spielstraße“ und den Künstlern nach dem Attentat vom 5. September 1972 – Chaotisches Ende der „Spielstraße“ – Paraideologie – Blick auf die eigene Biografie – Geschichte hinter der tätowierten Zielscheibe – Kontakt zu Francisco Francos Leibarzt – Unkonventionelle und schmerzhafte Vorgehensweise beim Tätowieren – Beschreibung der eigenen Tattoos – Besuch bei Tätowierer Horst Streckenbach in Frankfurt am Main zwecks Retusche der schlecht tätowierten Zielscheibe – „Verblassen“ der Tattoos im Laufe der Zeit – Vorgehensweise bei der Tätowierung am Augenlid – Signieren der vom Interviewer mitgebrachten Gegenstände mit Bleistift – Verlorengegangene Serie „Bleistift Härtegrade“ – Versuch der Rekonstruktion der Serie – Konzeption des eigenen Grabsteins 1969 – Idee zur Inschrift „Denken Sie immer dran, mich zu vergessen“ – Finanzierung des Grabsteins – Abgabe des Grabsteins an den Sammler Hans Hüber – Anfertigen eines Hohlkörperdenkmals für die von Harry Kramer initiierte Künstlernekropole in Kassel – Zukünftige (planmäßige) Verwendung des Hohlkörperdenkmals als Urne für die eigene Asche – Übernahme der Beerdigungskosten durch das die Künstlernekropole verwaltende Museum für Sepulkralkultur – Gedanken zum eigenen Grab – Einmalige Teilnahme an der „Documenta“ – Wandel der „Documenta“.   

Daten

Art:
Journalistisches Zeitzeugeninterview
Dauer:
2 h
Aufnahmedatum:
13.08.2021
Sprache:
deutsch
Aufnahmeteam:

Interview: Dr. Michael Bauer

Kamera: Thomas Rothneiger