Zeitzeugen berichten

Felix Benneckenstein Aussteiger aus der Neonazi-Szene; Begründer der Aussteigerhilfe Bayern e.V.

Signatur
zz-2178.04
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte (Dr. Michael Bauer)
Referenzjahr
2025

In diesem Ausschnitt schildert Felix Benneckenstein seine Einstellung zu einem Verbotsverfahren gegen die AfD und fordert die Entlassung von Rechtsextremen aus dem Staatsdienst. 

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Journalistisches Zeitzeugeninterview mit Felix Benneckenstein, geführt am 11.05.2025 in Berlin, über seinen Zugang zum Rechtsextremismus, seine Karriere als rechtsextremer Musiker „Flex“, rechtsextreme Personenkultur und Erinnerungsorte, die ideologischen Spaltungen zwischen rechtsextremen und rechtspopulistischen Gruppierungen, die politische Bildungsarbeit mit Jugendlichen, seinen Ausstiegsprozess, die Gründung der Aussteigerhilfe Bayern e.V. sowie über die Radikalisierungsgefahr in den Sozialen Medien. 

Biogramm

Geboren wurde Felix Benneckenstein 1986 in Starnberg. Aufgewachsen ist er in Erding in einem linksliberalen Elternhaus. Als Jugendlicher entwickelte er eine Abneigung gegen die Bundesrepublik und kam in Kontakt mit rechter Musik, was maßgeblich für seinen Einstieg in die Erdinger Neonazi-Szene mit 15 Jahren wurde. Mit 16 Jahren zog er nach München, brach den Kontakt zu seiner Familie ab und trat 2003 der neonazistischen „Münchner Kameradschaft“, später auch der NPD bei. Benneckenstein stieg dort schrittweise auf und konnte unter seinem Künstlernamen „Flex“ mit rechtsextremer Musik deutschlandweite Bekanntheit in der rechten Szene erlangen. 2006 gründete er in Erding eine eigene gewaltbereite rechtsextreme Gruppierung. Später zog er kurzzeitig nach Dortmund in die von Rechtsextremisten so benannte „national befreite Zone“. Rivalitäten und gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen rechtsextremen Gruppierungen zwangen ihn, nach München zurückzukehren. In der Folge entschieden Felix Benneckenstein und seine Ehefrau Heidi Benneckenstein 2009 – trotz seiner Erfolge als rechtsradikaler Musiker – sich von der Szene zu distanzieren. Nach einer gewaltsamen Auseinandersetzung mit verfeindeten Neonazis machte Benneckenstein eine Aussage bei der Polizei, was einen Tabubruch unter Neonazis bedeutete. Bei der folgenden Haftstrafe, die auch Benneckenstein antreten musste, verfestigte sich sein Ausstiegswunsch. Nach seiner Entlassung suchte er bei der Organisation EXIT Hilfe, die ihn und seine Frau beim Ausstieg aus der rechten Szene unterstützte. 2012 gründete Benneckenstein gemeinsam mit anderen Aussteigern die Aussteigerhilfe Bayern e.V. Seitdem setzt er sich für Ausstiegshilfe und Aufklärungsarbeit ein und berichtet in Vorträgen von seiner Geschichte.

Inhalte

Geboren 1986 – Radikalisierungspotenzial rechtsextremer Ideologien – Eigene Rechtsradikalisierung in der Jugend – Zustimmung zu Holocaust-Leugnung und Reichsbürger-Ideologie – Erfolg als rechtsextremer Musiker „Flex“ – Vermittlung rechtsextremer Ideologie an ein junges und intellektuelles Publikum über seine Musik – Rudolf Heß als Märtyrer der rechtsextremen Szene – Verehrung ehemaliger SS-Männer – Rechtsextreme Pilgerstätten – Jahrestag des Hitlerputsches am 09.11.1923 – Politische Bildungsarbeit und Zukunft der Erinnerungskultur – Fälschungsvorwürfe gegen Holocaust-Beweise – Heutige Politisierung von Jugendlichen – Herausforderungen bei politischer Bildung in Schulen – Ideologische Spaltungen zwischen Neonazis und Rechtspopulisten – Unterschiedliche Bewertungen des Ukraine-Kriegs ab 2022 durch rechte Gruppierungen – Rechtspopulistische und rechtsextreme Standpunkte zu Donald Trump – Konträre Ansichten zum Gaza-Krieg in rechten Kreisen – Europaweite Zusammenarbeit unter Neonazis – Arbeit als Ausstiegshelfer – Kameradschaft in der rechtsextremen Szene – Rechtsextremer Fremdenhass in Bayern – Einstellung zu einem AfD-Verbotsverfahren – Kritik an Rechtsextremen im Staatsdienst – Warnung vor Verallgemeinerung rechter Gruppen – Rechte Ultra-Gruppierungen im Fußball – Rechtsextreme völkische Ideologie – Gründe für das Zweifeln an rechtsextremen Ideologien – Autoritäres Elternhaus seiner Ehefrau – Hinterfragen nationalsozialistischer Argumentationsstränge – Wendepunkt für den gemeinsamen Ausstieg mit seiner Frau – Gewalterfahrung mit verfeindeten Neonazis – Entscheidung zur Aussage gegen Neonazis bei der Polizei – Nachvollziehen der Gründe für die eigene Haftstrafe – Umgang mit Mitgefangenen während seiner Haftzeit – Situation im Gefängnis und Post von Neonazis – Ausstiegswunsch und komplizierte Kontaktaufnahme zum Aussteigerprogramm EXIT während der Haftzeit – Kontakt zur rechtsextremen Szene kurz nach der Entlassung – Ausstiegshilfe durch EXIT – Emotionen während des Ausstiegsprozesses – Gründung der Aussteigerhilfe Bayern e.V. zeitgleich zur Selbstenttarnung des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) – Regulierung der Öffentlichkeitsauftritte – Wahrnehmung des NSU in der rechtsextremen Szene – Angst vor Überwachung durch den Verfassungsschutz unter Neonazis – Generationenunterschiede in rechtsextremen Kreisen – Social Media als Gefahr für die Radikalisierung von Jugendlichen – Rechtsextreme Verbindungen zu völkisch-esoterischen Kreisen – Plädoyer für den Kampf gegen die Radikalisierung von Jugendlichen – Verhältnis zu den Eltern.

Daten

Art:
Journalistisches Zeitzeugeninterview
Dauer:
1:05 h
Aufnahmedatum:
11.05.2025
Sprache:
deutsch
Aufnahmeteam:

Interview: Dr. Michael Bauer

Kamera: Thomas Rothneiger