Leider ist kein Ausschnitt verfügbar.
Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:
Thematisches Interview der Journalistin und Historikerin Dr. Heike Bretschneider mit Annemarie Renger, geführt 1992, über den SPD-Vorsitzenden Kurt Schumacher und den politischen Neubeginn der SPD nach 1945 (nur Ton).
Biogramm
1919 in Leipzig geboren, bis 1934 Besuch des Augusta-Lyzeums in Berlin, anschließend Verlagslehre und bis 1945 als Verlagskauffrau in Berlin tätig. Ab 1945 Privatsekretärin des SPD-Vorsitzenden Kurt Schumacher, ab 1946 Leiterin des Büros des SPD-Parteivorstands in Hannover und Bonn. 1962-1973 Mitglied im SPD-Bundesvorstand, 1970-1973 auch im Präsidium der SPD, 1979-1983 Mitglied der Kontrollkommission der SPD. 1979 als Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten knapp con Karl Carstens geschlagen. 1974 Gründungsmitglied des Seeheimer Kreises in der SPD. Gründung und Leitung der Kurt-Schumacher-Gesellschaft. 1953-1990 Mitglied des Bundestags, 1969-1972 Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Bundestagsfraktion. 1972-1976 Bundestagspräsidentin, 1976-1990 Bundestagsvizepräsidentin. 1977-1983 stellv. Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags. Ab 1985 Vorsitzende des Arbeiter-Samariter-Bunds. 2008 in Remagen gestorben.
Inhalte
tobre 135:
Anfang Juni 1945 las Annemarie Renger eine Rede Kurt Schumachers, die sie so beeindruckte, dass sie ihren Vater Franz Wildung fragte, ob er diesen Schumacher kenne. Ihr Vater, der vor 1933 Geschäftsführer des Arbeitersportvereins gewesen war, berichtete ihr von Schumachers politischer Arbeit vor 1933 und der Verfolgung durch die Nationalsozialisten. Daraufhin schrieb Annemarie Renger an Kurt Schumacher, sie würde gerne bei ihm tätig sein. Sie stellte sich vor und begann im Oktober 1945 bei ihm zu arbeiten. Annemarie Renger war damals 26 Jahre alt, ihr Mann war im Krieg gefallen. Mit ihrem Sohn Rolf zog sie dann von Lüneburg nach Hannover. Sie spricht von der faszinierenden Persönlichkeit Schumachers und dass es für ihn keine Frage war, den Aufbau der SPD in die Hand zu nehmen. Schumacher lud für den 05./06.10.1945 zu einer SPD-Reichskonferenz ins Kloster Wennigsen bei Hannover ein. Aus der sowjetischen Besatzungszone reisten vom Berliner Zentralausschuss Otto Grotewohl, Max Fechner und Gustav Dahrendorf an. Damals habe Grotewohl zu Schumacher gesagt, bei einer drohenden Zwangsvereinigung von KPD und SPD würde er vorher die SPD in der sowjetischen Zone auflösen. Bei den Beratungen des Parlamentarischen Rates 1948 in Bonn lag Schumacher wegen einer Beinamputation im Krankenhaus. Trotzdem gelang es ihm, politischen Einfluss zu nehmen. Und entgegen der Zielvorgaben der Alliierten setzte der Parlamentarische Rat am 19.04.1949 die Finanzhoheit des Bundes durch. Annemarie Renger betont, für sie sei Konrad Adenauer das Inbild des konservativen, Kurt Schumacher das des progressiven Politikers gewesen. Beide aber hätten das gemeinsame Ziel gehabt, „das Bestmögliche aus diesem Nachkriegsstaat zu machen.“ Priorität hätte bei Schumacher immer die Wiedervereinigung gehabt.
tobre 136:
Annemarie Renger nennt Schumacher einen deutschen Patrioten. Die Gleichberechtigung der Deutschen in den internationalen Gremien sei eines seiner wichtigsten politischen Ziele gewesen. Sie spricht über die Debatten der Wiederbewaffnung und Schumachers Einstellung dazu. Annemarie Renger schildert Schumacher als einen Politiker, der Freude an griffigen, oft zugespitzten Formulierungen hatte, er habe die Pointe und auch etwas den bissigen Humor geliebt. Drei politische Verdienste Schumachers hebt sie besonders hervor: Erstens habe er die Arbeiter im weitesten Sinne an den Staat herangeführt. Zweitens habe er „Regierung und Opposition gleichwertig gemacht.“ Drittens habe er eine „starke Linke“ geformt, so dass „diese starke Sozialdemokratie keine starke kommunistische Partei mehr zuließ.“ Kurz spricht Annemarie Renger über ihre enge Partnerschaft mit Kurt Schumacher.
tobre 137:
1952 starb Kurt Schumacher. Annemarie Renger schildert den beeindruckenden, riesigen Trauerzug von Bonn nach Hannover. 1953 kandidierte Annemarie Renger das erste Mal für den Bundestag.
Daten
Dr. Heike Bretschneider (Interview und Technik)