Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Willem Gerrit (Pim) Reijntjes von den Exekutionen und Verbrennungen, die kurz vor Kriegsende 1945 im Arbeitslager Natzweiler-Struthof stattfanden.
Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:
Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Willem Gerrit (Pim) Reijntjes, geführt am 20.01.1997 in München.
Biogramm
Willem Gerrit (Pim) Reijntjes wurde 1919 in Den Haag geboren und verbrachte seine Jugendzeit in Amsterdam. Als Soldat erlebte er den Überfall der deutschen Truppen am 10.05.1940 auf Holland. Da sein Fluchtversuch mit einem Boot nach England scheiterte, wurde er vom Sicherheitsdienst der SS zuerst in Holland interniert, kam dann in das elsässische KZ Natzweiler und gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in das KZ Dachau. Dort war er in Außenkommandos bei der Düsenjägermontage eingesetzt und erlebte als NN- („Nacht-und Nebel“-) Häftling die letzte Zeit des von Epidemien heimgesuchten Konzentrationslagers und schließlich die Befreiung. Nach der Befreiung und der Rückkehr in seine Heimat arbeitete Reijntjes als Nachrichtensprecher im Radio. Später war er als Redakteur und Herausgeber von Nachrichtenzeitschriften tätig. Nach seiner Pensionierung setzte er sich dafür ein, dass 1993 am Rande Amsterdams eine Dachau-Gedenkstätte errichtet wurde. 2014 ist Pim Reijntjes verstorben.
Inhalte
Jugendzeit in Amsterdam, Erziehung mit "Öl und früh ins Bett", viele Juden in Amsterdam, als Kind keine Unterschiede gemacht, deutsches Dienstmädchen, schlecht informiert über Nationalsozialismus, geflohene deutsche Juden, 1939 Militärdienst, deutscher Einmarsch in Holland im Mai 1940, Mobilisierung, Dienst in Rotterdam, Kämpfe, Luftangriff auf Rotterdam, Hilfe für die Leute in der Stadt, Internierung als Soldat, nach Hause entlassen, Deutsche benehmen sich gut, Beginn der Maßnahmen gegen die Juden, Februar 1941 Razzien in Amsterdam, SD, "Februarstreik", Beginn der Pogrome in Amsterdam, jüdische Flüchtlinge bei der Familie untergebracht, auf die Besatzung geschimpft, schlecht organisierter Widerstand, Repressalien, Erschießung von jungen Holländern, darunter Mitschüler: Bob Murray, Kontaktsuche zum Widerstand, Fischer, bei Versuch nach England zu kommen verhaftet worden, Zellenbaracke in Sreveningen, Erschießungen, Einzelhaft, 5 Monate dort, Prozesse, Verhöre, Vernehmungen, ordentliche Verpflegung, mit dem Zug nach Vught gebracht worden, Außenlager des KZ Herzogenbusch, erschütterte holländische Jungs im Zug, Brot von Reisenden erhalten, B-Lager Amersfoort, Arbeit in der Werkstatt als Kalkulator, Schreiber, Durchgangslager Ziel Natzweiler, "Nacht und Nebel", zusammen mit Leuten von außerhalb zu einem Transport zusammengestellt worden, mit dem Zug nach Straßburg und von da nach Natzweiler gebracht worden, SS, holländische SS Männer, in Natzweiler: Arbeit im Steinbruch bis September, danach wieder im Büro, Bruder in Paketstelle der SS, konnte dort etwas für R. klauen, kurz vor der Befreiung durch die Amerikaner wurden französische Widerständler "Maquis" erhängt, schlimme Erinnerung, Transport nach Dachau, Holzschuhe, Transport mit Personenzug, Ankunft in Dachau, nicht passende Kleidung bekommen, Problem der Verteilung auf Arbeitskommandos, Außenkommando Augsburg, riesige Garage mit hohen Betten, kein Abort, stattdessen Kübeltonne, Kälte, deutscher Seeräuber: Grünwinkel, gibt R. Brief für den Blockältesten in Lauingen mit, Nachtschicht, Arbeit am hinteren Flügelübergang, Messerschmitt Düsenjäger, Verarbeitung von Aluminium, Kälte, Luftalarm, 2 oder 3 Monate in Lauingen, im Januar zusammen mit dem Bruder zurück nach Dachau beordert, Block 29, keine Arbeit, Norweger wärmen sich in der Gruppe, wegen Flecktyphus im Revier, Vater starb im Lager, innerer Widerstand gegen die Krankheit, später in Block 7, Infektionsabteilung, Arbeit als Krankenpfleger, Reste der Pakete der Kranken, damit auch dem Bruder geholfen, schreckliche Krankheiten gesehen, Diphtherie, Sektion in der Experimentenbaracke, Gewöhnung, Befreiung durch die Amerikaner, weiße Fahnen an den Wachtürmen, Schüsse, toter polnischer Junge, erschossene SS Leute, Journalistin Lee Miller, Zug mit Leichen, Krematorien - keine Sonderhäftlinge, Kapos Stubenälteste, besondere Häftlinge: Pfarrer Niemöller, Schuschnigg, Georg Elser, viel mit Holländern zusammen, Solidarität unter den Gefangenen, denken an sich selbst, Krieg stärkt das holländische Nationalgefühl, Vorteil durch deutsche Sprachkenntnisse, Rolle der Kommunisten im Lager, Chance auf Regenmantel, wenig mit SS Leuten zu tun gehabt, Mordhandwerk, Strafen im Lager, Prügel, Nierenschläge, Essensentzug, Erhängen, Hinrichtungen auf dem Appellplatz, Baumhängen, Glück gehabt, Freund verlor das Bein, 27 Operationen nach dem Krieg, nichts von der Gaskammer gewusst, Leichen aus dem Revier geschafft, diese wurden dann von Russen abtransportiert, ins Krematorium, Pfarrer und Geistliche, Bibelforscher "Jehovas Zeugen", Hunger, Bruder isst Kohl- und Kartoffelschalen, Versuch die menschliche Würde zu wahren, Versuch die Leute lächerlich aussehen zu lassen, unpassende Kleidung, geschorene Haare, systematischer Versuch der SS das Selbstbewusstsein der Leute zu zerstören, Überbelegung von Dachau, Orchester, Bedingungen in den Außenlager Augsburg und Lauingen, Leute die von Transporten kommen im Revier, überzeugt vom Überleben, Kranke im Revier, Willenskraft, SS Mann in Struthof berichtet von der Alliierten Landung in der Normandie 1944, Flecktyphusepidemie in Dachau Januar 1945, Block 7 Infektionsabteilung, Tote auf die Straße gebracht, 10 Tote am Tag, Erweiterung des Reviers, Funktionshäftlinge: Kapos, Blockälteste, Stubenälteste, Lagerführer, Kapos zum Teil grausam, in Natzweiler, schlechter Zustand der Betten in den Baracken, Lagerbordell, Befreiung durch die Amerikaner, Verteilung von Zigaretten und Nahrung, Sympathie und Mitleid, Läuseplage, DDT, Verbrennung der Kleider, Folgen der Haft: emotionale Abstumpfung, "Mützen auf! Mützen ab!", Dolmetscher für die Amerikaner, "Häftlings-MP", Quarantäne, Freund findet im SS Lager eine Harley Davidson, tauscht diese gegen einen Autobus der Amerikaner, nimmt 10 bis 12 Leute mit nach Holland, holländischer Militärpfarrer will Bischof abholen, Prinz Bernhard, Wagenkolonne bringt Holländer nach Hause, auch Kriegsverbrecher mitgenommen, in Holland kein Verständnis für das Geschehene, Wiederaufbau, Arbeit beim Rundfunk, 2 Jahre lang dann für den Rundfunk nach Indonesien gegangen, 1 1/2 Jahre, in Holland wieder für den Rundfunkt gearbeitet, 1963 Fernsehen, 5 Jahre Nachrichten gemacht, Sendung über Dachau, Protest gegen den Bürgermeister von Berlin, damals noch keine Gedenkstätte, Vergangenheitsbewältigung in Holland, die Deutschen werde immer noch mit der Besatzung in Verbindung gebracht, Dialog mit der jüngeren Generation, Gespräche mit Schulkindern, Mahnmal in Amsterdam.
Daten
Interview: Georg Schmidbauer M.A.
Kamera: Georg Schmidbauer M.A.