Zeitzeugen berichten

Prof. Dr. Joseph Rovan Widerstandsaktivist, KZ-Überlebender

Signatur
zz-0983.01
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte (Georg Schmidbauer M.A.)
Referenzjahr
1945

Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Joseph Rovan, wie er am 19.04.1945 im KZ Dachau die Hinrichtung von General Charles Delestraint miterleben musste.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Prof. Joseph Rovan, geführt am 12.10.2000.

Biogramm

Joseph Rovan wurde 1918 in München geboren und emigrierte 1933 mit seinem Vater nach Paris. Er war bis 1944 in der Résistance aktiv und wurde nach seiner Verhaftung ins KZ Dachau eingeliefert. Als Intellektueller konnte er eine gehobene Position in der Lagerkartei erlangen und machte die für seinen späteren Lebenslauf entscheidende Bekanntschaft mit Edmond Michelet, der ihn später als politischer Berater in die französische Regierung holte. Er war von 1968 bis 1986 Professor für deutsche Geschichte und Politik an der Sorbonne und ist Präsident der Gesellschaft für deutsch-französische Zusammenarbeit.

GND: 118860364

Inhalte

Ankunft am Bahnhof in Dachau, halbe Stunde Fußmarsch zum Lager, unfreundliche Bevölkerung, SS-Lager, Häftlingslager, Jourhaus, Personalien aufgenommen, viele Tote auf dem Transport von Compiègne nach Dachau, bereits einiges über KZs erfahren, Badehaus: Entkleidung, Duschen, Kleider aus der Kleiderkammer, Mangel an Sträflingskleidung, daher alte Uniformen der jugoslawischen Armee, rotes Dreieck auf auf der Weste, Häftlingskennzeichnung, keine Juden mehr in Dachau, Desinfektion, Haare abrasiert, "Lausallee" rasierter Streifen auf dem Kopf für Russen und Italiener, Entwicklung des KZs Dachau, 1933-1939, Schließung, Neubau und Wiedereröffnung 1940, im Winter 1944/45 permanent 30.000 Häftlinge, Häftlings-Selbstverwaltung, SS-Leute selten gesehen, Lagerältester: österreichischer Monarchist, Chef der Schreibstube, Verteiler des Arbeitseinsatzes: österreichische Sozialdemokraten, antikommunistische Säuberung 1943, Blockältester weigert sich anderen auszupeitschen, verschwindet, drei Wochen im Quarantäneblock, Vertrauensmann der Franzosen, katholische Résistance, blaue Socken, vermittelt R. in Kommando als Karteiobmann, Verwaltung der Gesamtkartei des Lagers, Zentral-Lagerkartei außerhalb im SS-Bereich des Lagers, monatlich Gespräch mit Niemöller möglich, Sonderbunker: Schuschnigg, Häftlingskartei: phonetisches Alphabet, SS-Unteroffiziere nicht in der Lage Kartei zu benutzen, Häftlingsschreiber, Hinrichtung von 94 sowjetischen Offizieren, informelles Netz unter den Häftlingen, Verantwortliche der Nationen, Kontakte untereinander, Revier, Michelet: Vertreter der französischen Häftlinge, demokratischer Katholizismus, Widerstand, Verhaftung durch Gestapo, wenige politische Häftlinge aus Frankreich, Aufbau einer geheimen politischen Organisation im Frühjahr 1945, Michelet zum Sprecher der 4.000 Franzosen gewählt, später Minister, Gruppe von 10 seit der Schule bekannten Intellektuellen, Posten in der Selbstverwaltung, Helfer von Michelet, Francois Verné starb an Typhus, Versuch der Kommunisten während der Krankheit Michelets anderen Sprecher der Franzosen einzusetzen, Michelet aus dem Krankenrevier zur Versammlung gebracht, Zusammenarbeit zwischen Gaullisten und Kommunisten notwendig - junge Ukrainer und Russen, kein innerer Halt, Diebstahl, gefährliche Gruppe, keine Jugoslawen sondern Slowenen, Kroaten, Serben, Kosovaren, Unterschiede, Artikel nach dem Krieg für ein Schweizer Wochenblatt "La société des nations de fer barbelé" - "Völkerbund hinter dem Stacheldraht", auch oft ein Gegeneinander, Häftlingskomitee gegen Kriegsende, Vorsitzender: deutscher Kommunist, spanische Republikaner, Rückkehrprobleme 1945, Amerikaner, Michelet veranlasst, dass die Spanier mit den Franzosen aus Dachau weg kommen, Sanatorien am Bodensee, General de Latre - Zeit im Krankenrevier, zwei Blocks, Häftlingsärzte, Typhusepidemie, 9 von 20 Blocks wurden zum Krankenrevier, fehlende Medikamente, Schwarzmarkt, Handel mit SS-Leuten, Rot-Kreuz-Pakete mit Kaffee und Zigaretten, wegen Darmsache im Revier, gut behandelt, Lagerstraße: "rue de la liberté", in der Gruppe war das Überleben leichter, nützliche Deutschkenntnisse, Lagerbibliothek, Freund schrieb Gedicht ab, Probleme mit SS-Mann, Transport aus Natzweiler mit vielen Toten im Herbst 1944, Dusche, Strafe bei gescheiterten Fluchtversuchen, Pranger, Prügel, Schild "Ich bin wieder da!", farbiger Häftling Bethmann, Kinder ungarischer Juden nur eine Nacht im Lager, Transporte nach Kaufering und Landsberg, Ehrenbunker: General Delestraint, Schuschnigg, Leon Blum, Niemöller, Delestraint wird erschossen, Karteikarte, Lagerorganisation, informelle Nationenvertretung 1945, Evakuierungsversuche, "Alpenfestung", nach der Befreiung: meiste Franzosen auf eigene Faust verschwunden, Transfer zum Bodensee für den Rest organisiert - Ziel der Häftlingsorganisation, Verhinderung der Ermordung durch SS, Nationalkomitees, Michelet, Wachsamkeit - Befreiung durch Amerikaner, tausende auf dem Appellplatz, Jourhaus, Geschützfeuer, fliehende SS, Jeep mit Korrespondentin und schwarzem Pastor, Journalistin Margret Higgins, Kampftruppen, verbündete Häftlinge bekamen im SS-Lager Kasernen zugewiesen mit Küche und Bad, zusammen mit Michelet in kleiner SS-Offiziersvilla eingerichtet, Besuche durch Offiziere der französischen Armee, Hakenkreuzflagge als Tischtuch, Rückkehr der West- und Nordeuropäer in ihre Heimatländer ging schnell von statten, Besuch des Erb-Großherzogs von Luxemburg, zurückgebliebene Wachmannschaften, französische SS-Leute, als Kellner in der Offiziersmesse eingesetzt - SS Unteroffizier Wilhelm Rappl, R. wurde "Professor" genannt, Auftrag für Rappl Weltgeschichte zu schreiben, Heft und Bleistift, für ein Kapitel Weltgeschichte ein Kommissbrot, erstes Werk als Historiker - Eltern in der Widerstandszeit in die Schweiz gebracht, bis Weihnachten Möglichkeit Briefe aus Dachau zu schreiben, über Freunde in der Schweiz an die Eltern geschickt, keine visuelle Erinnerung an Dachau, nur eine historische, nie Zweifel am Überleben gehabt.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Interview
Dauer:
1:30 h
Aufnahmedatum:
12.10.2000
Sprache:
deutsch
Aufnahmeteam:

Interview: Dr. Ludwig Eiber

Kamera: Georg Schmidbauer M.A.