Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Mesdag über seine Haft im KZ Dachau, das Strafestehen im Regen und die immer geringer werdenden Essensrationen.
Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:
Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Jaap van Mesdag vom 20.01.1997 in München, über seine Jugend, erste politische Diskussionen über die Nationalsozialisten, den deutschen Einmarsch in Holland 1940, seinen gescheiterten Fluchtversuch nach England, seine Haftzeit in verschiedenen niederländischen Konzentrationslagern, im KZ Natzweiler und im KZ Dachau, die Befreiung durch US-Truppen im April 1945, die Auswirkungen der KZ-Haft auf seine Lebenseinstellung.
Biogramm
Jaap von Mesdag wurde 1922 in der Schweiz geboren, verlebte aber seine Jugendzeit in Hilversum, Holland. Nach dem deutschen Überfall 1940 ging er in den Widerstand und versuchte am 31. August 1942 mit einem Faltboot nach England zu flüchten. Nachdem die Flucht gescheitert war, kam er als NN- (= „Nacht und Nebel“) Häftling in verschiedene Konzentrationslager in Holland, dann in das KZ Natzweiler im Elsass. Am 19. September 1944 wurde Mesdag nach Dachau verlegt, wo er die Befreiung erlebte. Jaap von Mesdag starb 2015.
Inhalte
Vater war Trainee bei Schweizer Firma, deshalb in der Schweiz geboren, zu Hause in Hilversum in Holland, politische Diskussionen über die Entwicklung in Deutschland nach 1933, Lubbe-Prozess, jüdische Kinder auf der Schule, Flüchtlinge aus Deutschland, gebildete Eltern, viele Reisen, "Braunbuch des Hitlerterrors", Mann ist 1933 aus dem KZ entkommen und veröffentlichte das Buch, 10.05.1940 deutscher Einmarsch in den Niederlanden, Aufregung, Anfang 1940 MG aus Flugzeug gestohlen, 1941 letzte Klasse der Oberrealschule, Kartuschen aus deutschem Lager gestohlen mit dem Ziel Sprengkörper herzustellen, Anschlag kommt nicht zustande, Versuch nach England zu kommen, Insel in Seeland, Küste in Holland von Deutschen besetzt und kontrolliert, Freund auf der Landwirtschaftsschule hatte Genehmigung auf der Insel zu sein, Faltboot dorthin transportiert, in den Dünen zusammengebaut, Aussendbordmotor im Koffer, selbst Genehmigung besorgt um auf die Insel zu kommen, August 1942, Versuch nach England zu kommen, Leute von der Kriegsmarine, Rotterdam, Polizei benachrichtigt, Sicherheitsdienst SD, Gefängnis in Rotterdam, Dunkelzelle, Verhör, Heemraadsingel, drei Wochen im Polizeigefängnis in Rotterdam, dann KZ Amersfoort, Arbeit in der Bekleidungskammer, 2 Hemden an, von Mithäftlingen denunziert, ins Strohsack-Kommando versetzt, Strohsäcke gefüllt und in Baracken gebracht, Dach über dem Kopf, Hunger, beim Abendappell in Strafkompanie eingeteilt, keine Ahnung warum, bis heute, "Nacht-und-Nebel-Häftlinge" NN, 2 Wochen in der Strafkompanie, SS Mann, draußen und immer in Bewegung, Holz zerkleinern, nach dem Abendappell stundenlang in der Kälte stehen, "Rosengarten", Blockführer, sich gegenseitig gewärmt, Frage ob jemand Englisch spricht, mit Blockführer unterhalten, früher in die Baracke gelassen, 17.01.1943 Lager umgesiedelt nach Vught, anderes Kommando, den Englisch sprechenden Mann wiedergesehen, Hundeführer Werdemann, Vorarbeiter der Gruppe, Koksblöcke zerstückelt, erneut mit SS Mann unterhalten, dieser war 12 Jahre in Amerika, 1938 zurück gekommen, eingezogen worden, verschafft ihm Essen, 15./16. oder 17.06.1943 verlegt ins KZ Natzweiler, Kapos, 2 Wochen in Zivilkleidung, Transport im Personenzug, am 07.07.1943 eingetroffen, Arbeit im Steinbruch, Keitel-Erlass, Saboteure durften keine Post und Pakete empfangen, Steine und Felsen zerkleinert, Kippwagen, Sand, Kapo Schmidt, Elsässer oder Saarländer, später in Buchenwald von den Russen ermordet, Demontage von Flugzeugteilen, Zurückgewinnung von Rohstoffen, Sabotage war lebensgefährlich, Junkersmotoren zerlegt, Kugellager, Ringe, Gleitlager ausgebaut, manchmal wenn keiner hinsah einige im Schraubstock zerquetscht um sie unbrauchbar zu machen, Zahnräder, mit Hammerschlägen zerstört, man musste vorsichtig sein, im September 1944 nach Dachau verlegt, bereits Geschützfeuer gehört, Straßburg am 24.11.1944 befreit, Vorarbeiter Helmut Botan, Ankunft im KZ Dachau. Lager überfüllt, Möglichkeit Briefe zu schreiben, Holländer im Lager, feste Gruppe, die man täglich sah, 5-6 Leute, zu wenig Arbeit, deswegen musste man lange draußen stehen, Langeweile, Riesen-Hunger, immer geringere Brotration, Tagesration sank von 1/4 auf 1/10 Kommissbrot, Ende April 1945, wässrige Suppe, Läuse, 2 Sätze Unterwäsche, einen jeden Tag gewaschen, Fleckfieber, viele Erkrankte überhaupt nicht ins Revier gekommen, Stuben- und Blockälteste häufig Kriminelle, Kommunisten und Sozialdemokraten, Gute und Schlechte, Glück, Behandlung bei den Kommunisten viel besser als bei den Verbrechern, Nationalitäten: Russen, Ukrainer, geflohene "Ostarbeiter", junge Leute, Norweger, Holländer, Franzosen, Italiener, viel gestohlen, Jugoslawen, Polen, SS Leute, suchten Leute heraus, schwer geprügelt, wichtig sich unauffällig zu verhalten, in Natzweiler: Holländer der sich gegen Kapo wehrte, kam mit dem Leben davon, wichtig Freunde zu haben, keine Möglichkeit für Widerstand in Dachau, Information über Kriegslage, Invasion, Interpretation von Zeitungen, Neuigkeiten von Zivilisten, in Dachau Verhältnisse schlechter, Infos über Ostfront, keine Möglichkeit von Baracke 29 in den Rest des Lagers zu kommen, abgeschlossener Bereich, keine ungestörten Treffen möglich, Trompeter in der Lagerkapelle, Musikübungen, Märsche beim Einzug der Arbeitskommandos gespielt, ab Dezember nicht mehr, Transportlisten, Beginn der Todesmärsche im April 1945, auf dem Dachboden versteckt, Strafen: Stockschläge, keine großen Appelle weil immer in mit Stacheldraht abgeriegelten Blocks untergebracht, keine Hinrichtungen gesehen, Leichen nicht gemeldet um deren Essensration zu bekommen, 5 Leute in 2 Betten, unübersichtliche Baracken, an den letzten Tagen vor der Befreiung Geschützfeuer gehört, am 29.04.1945 Gewehrfeuer, Befürchtungen das Lager könnte liquidiert werden, in Dachau allerdings keine Möglichkeit 30.000 Menschen auf einmal zu vernichten, Himmler-Befehl, Todesmärsche, am Morgen der Befreiung SS Mann mit Motorrad gesehen, Befreiung durch die Amerikaner, tausende von Leuten auf dem Appellplatz, Angst der Amerikaner, Essen erhalten, viele Leute sterben an zu schneller Nahrungsaufnahme, SS-Vorräte, Kekse, Leberwurstbüchsen, noch viele Tote nach der Befreiung, wegen Seuchen, einige Wachen in der Nähe des Lagereingangs von den Amerikanern erschossen, Jourhaus, im Kohlenbunker ebenfalls Erschießung von Wachleuten, bei Ankunft der Amerikaner Zug voll mit Leichen, vor dem Krematorium Leichenberge, Racheakte von Häftlingen, die meisten Deutschen waren schon geflohen, internationales Häftlingskomitee, Folgen nach 50 Jahren: Dankbarkeit noch am Leben zu sein, geduldig geworden, Wichtigkeit der Nahrung, Dankbarkeit über ein Stück Brot, Dankbarkeit für die Freunde und Landsleute die da waren, neue Freiheit, Nationalgefühl der Holländer, Hunger.
Daten
Interview: Georg Schmidbauer M.A.
Kamera: Georg Schmidbauer M.A.