Till Hofmann berichtet über die Vermarktung kritischer bayerischer Kabarettisten sowie die Bedeutung des Schwabinger Vereinsheims für die Förderung von noch unbekannten Künstlern.
Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:
Journalistisches Zeitzeugeninterview mit Till Hofmann, geführt am 14.04.2025 in München, über seine ersten Erfahrungen im Konzertmanagement, die Kultur- und Kleinkunstszene in Passau, den Betrieb des Lustspielhauses in München, die Förderung von unbekannten und kritischen Künstlern, den Widerstand gegen migrationsbezogene Diskriminierung, seine Zeit als Manager von LaBrassBanda, sein Verständnis von Heimatsound sowie über den Betrieb des Vereinsheims und des FAT CAT in München.
Biogramm
Till Nikolaus Hofmann - geboren 1970 in Passau - absolvierte 1991 am Leopoldinum Gymnasium in Passau sein Abitur. Hier organisierte er bereits als Schülersprecher erste Veranstaltungen unter dem Namen Eulenspiegel Concerts. Parallel zum Zivildienst veranstaltete Hofmann 1993 Kabarettabende u.a. mit Josef Hader, Alfred Dorfer, Bruno Jonas und Sigi Zimmerschied. 1995 organisierte er das erste Eulenspiegel Zeltfestival mit Kabarettisten und Musikern, 1999 kam die Passauer Kunstnacht dazu. Beide Veranstaltungen finden seitdem jährlich in Passau statt.
1996 übernahm er in München das Lustspielhaus und brach dafür sein Romanistikstudium ab. Seitdem wandelte er es zu einer Bühne mit eigener Produktion und einem kontinuierlich wechselnden Kabarett- und Kleinkunst-Programm. Von 2000 bis 2021 leitete Hofmann zudem die Lach & Schießgesellschaft mit wechselndem Ensemble.
2006 gründete Hofmann in der ehemaligen Kneipe der Schwabinger Gisela das Vereinsheim. Als Kneipe und Bühne übernimmt es vor allem für die Nachwuchs-Förderung eine wichtige Rolle.
Mit Jochen Schölch gründete Till Hofmann 2009 das Stadttheater OBLOMOW, 2011 mit Mehmet Scholl und Gerd Baumann das Plattenlabel Millaphon Records. Mit Baumann und Peter Brugger von den Sportfreunden Stiller betreibt Hofmann seit 2012 den Milla Club in München. Zusammen mit dem Volkstheater München und dem Bayerischen Rundfunk gestaltet Hofmann seit 2013 das Programm des jährlichen Heimatsound Festivals im Passionstheater Oberammergau.
Hofmanns großes soziales Engagement äußert sich in der Organisation mehrerer Kundgebungen darunter auch das Konzert "WIR. Stimmen für geflüchtete Menschen" am Münchner Königsplatz im Oktober 2015. Im gleichen Jahr gründete er in München die Sozialgenossenschaft Bellevue Di Monaco, die seit 2017 ein Wohn- und Kulturzentrum u.a. für Geflüchtete betreibt. Hier finden neben einem vielfältigen Kulturprogramm auch Beratungsangebote, Sprachkurse und Schulungen statt. 2018 wurde das Projekt für den Deutschen Engagementpreis nominiert.
Inhalte
Geboren 1970 – Tätigkeiten als Kulturveranstalter – Subventionen im Kulturbereich – Open-Air-Veranstaltungen während der Corona-Pandemie – Folgewirkungen der Corona-Pandemie für den Kleinkunstbereich – Plädoyer für die Förderung von Kleinkunst – Einschätzung aktueller Passauer Kulturveranstaltungen – Erste Kabarett-Erfahrung mit Sigi Zimmerschieds „Klassentreffen“ im „Scharfrichterhaus“ 1985 – Passauer Kabarettisten – Kulturelle Öffnung Passaus – Tätigkeit bei einem Passauer Konzertveranstalter als Jugendlicher – Privater Musikkonsum – Organisation eines Jazz-Konzerts in der Schulaula als Schülersprecher – Tour-Techniker von Bruno Jonas – Abbruch einer Ausbildung als Krankengymnast – Entscheidung zur Pacht des Lustspielhauses in München – Erfolg trotz finanzieller Hürden – Vermarktung kritischer bayerischer Kabarettisten – Unterstützung unbekannter Künstler – Vereinsheim als Startpunkt vieler Künstlerkarrieren – Proteste gegen die WAA in Wackersdorf – Bewunderung für den Widerstand in Wackersdorf – Plädoyer für den Widerstand gegen gesellschaftliche Missstände – Organisation einer Anti-Pegida-Kundgebung in München – Bayerischer Humanismus – Kritik am Beschäftigungsverbot für Geflüchtete – Bedeutung von Wolfgang Nöth für den Münchner Kulturbereich – Bellevue Di Monaco als Treffpunkt für Menschen mit Migrationshintergrund – Kritisches politisches Kabarett – Unvereinbarkeit von Kabarett und Rechtsextremismus – Künstlerauswahl für Auftritte in eigenen Veranstaltungen – Hass und Hetze gegen Kleinkünstler in den Sozialen Medien – Unterhaltungsanspruch – Unterscheidung zwischen Kabarett und Comedy – Stefan Dettl und LaBrassBanda – England-Tour von LaBrassBanda – Russland-Tour – Anekdote zum Auftritt LaBrassBandas in einem italienischen Dorf – Bedeutung von Sprache und Emotionalität in der Musik – LaBrassBanda-Auftritt beim Sziget-Musikfestival in Budapest – Verständnis von Heimatsound und das Heimatsound-Festival in Oberammergau – Vereinsheim als ehemaliges Lokal der Schwabinger Gisela – Verwaltungshürden für Veranstaltungen im Vereinsheim – Wohlwollende Einstellung Münchner Behörden im HInblick auf Kulturveranstaltungen – Zusammenarbeit in Hofmanns Team bei Veranstaltungen – Nutzung des leerstehenden Gasteigs als Münchner Kulturzentrum FAT CAT – Schwabing als Kulturviertel – Hofmanns Lebensmotto.
Daten
Interview: Dr. Michael Bauer
Kamera: Thomas Rothneiger