Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Dr. Abraham Peck über den von ihm gemeinsam mit Gottfried Wagner ins Leben gerufenen Dialog im DP-Kongress.
Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:
Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Dr. Abraham Peck, geführt am 18.07.1995 im Rahmen des Projekts Displaced Persons (DP).
Biogramm
Geboren 1946 in einem DP-Lager in Landsberg am Lech, Eltern überlebten Holocaust im Ghetto von Lodz und in den Konzentrationslagern Auschwitz, Stutthof, Buchenwald und Theresienstadt, Studium der Geschichtswissenschaften, Direktor des American Jewish Archives in Cincinnati, der American Jewish Historical Society in New York und des Holocaust Museum in Houston, Präsident des United States Memorial Holocaust Museum, Vize-Präsident der International Association of Holocaust Organizations, 1992 Gründung der Post-Holocaust-Dialog-Gruppe gemeinsam mit Gottfried Wagner, 2003 ausgezeichnet mit dem Jefferson Award for Cultural Diversity, bis 2008 Direktor des Academic Council for Christian, Jewish and Islamic Studies und Geschichtsprofessor an der University of Southern Maine, Portland, seitdem Direktor und Professor für Jüdische Geschichte sowie Genozid- und Holocauststudien an der University of Maine at Augusta (USA).
Inhalte
Eltern nach Lodz gezogen, 1939 deutscher Einmarsch in Polen, Getto in Lodz, dort 1943 geheiratet, Deportation in verschiedene Konzentrationslager, Mutter: Auschwitz, Stutthof, Dresden, Bombenangriff überlebt, Mai 1945 von Amerikanern in einem Arbeitslager in Österreich befreit, Vater: war in mehreren Arbeitslagern: Skarzysko-Kamienna, Schlieben, Tschenstochau (Czestochowa), Buchenwald, Theresienstadt, von der Sowjetarmee befreit, Mutter erhält Nachricht vom Überleben ihres Mannes, mit Typhus in Prager Krankenhaus, fährt nach Theresienstadt, Eltern leben 3-4 Monate, bis August 1945 gemeinsam in der Tschechoslowakei, aufgrund der politischen Lage gehen sie nach Landsberg in die amerikanische Besatzungszone Deutschlands, 22.08.1945 DP-Lager in Landsberg am Lech, schöne Stadt, Lager anfangs mit Stacheldraht, bewacht von bewaffneten Amerikanern, Chance für eine Zukunft, Warten auf die Emigration nach Palästina, chaotische Anfangszustände des DP-Lagers, in der Nähe von Landsberg 11 Nebenlager des KZ Dachau, Gründung des Lagers Juni 1944, Bunkerbau durch Häftlinge für Messerschmitt-Fabriken, 27.04.1945 Befreiung des Lagers, viele Todesopfer während der Zeit als KZ-Außenlager, Kasernen, Übergriffe von DPs auf Deutsche, Racheakte gegen Peiniger, Landsberg wird Lager ausschließlich für jüdische DPs, jüdische Hilfsorganisationen, US Botschafter Earl Harrison, Bericht, Anordnung, die Verhältnisse der jüdischen Lager müssen sich ändern, Harry Truman, September 1945 12-15 jüdische DP-Lager in Bayern, Landsberg war das größte, Freimann, Feldafing, Föhrenwald, Verwaltung durch amerikanische Armee, Oberst Irving Heymont, jüdische Zeitung, Entwicklung einer jüdischen Selbstverwaltung, 21.10.1945, UNRRA, Doktor Leo Srole, Schwierigkeiten der Zusammenarbeit zwischen UNRRA und amerikanischer Armee, Personalmangel der UNRRA, zu wenig Geld, 1947/48 IRO (International Refugee Organisation), jüdische Hilfsorganisation JOINT, Repatriierung für die meisten Juden nicht möglich, keine Heimat mehr, Palästina noch unter britischem Mandat, Beginn der JOINT Arbeit, wohlmeinende Leute ohne Ahnung von den Leiden der DPs, Ziel der amerikanischen Armee Ruhe und Ordnung zu halten, Umerziehung der deutschen Bevölkerung, keine Möglichkeit zur Auswanderung für jüdische DPs, Ziel der Auswanderung nach Palästina, neue Heimat, Alternativziele in Amerika, Vater: Kunstbäcker, Verwundung im Krieg, Tuberkuloseerkrankung, zieht als Händler von Bauer zu Bauer, sieht bei Übernachtungen Relikte der NS Zeit, Bilder in Uniform, Hakenkreuze, "Mein Kampf", Schwarzmarkt, jeder auf dem Schwarzmarkt tätig, Zigaretten als Ersatzwährung, Vater arbeitet teilweise im Krankenhaus in Landsberg und teilweise als Hausierer auf dem Land, Ideologie der Hoffnung im Lager, "Sche'erit Haplejta" (Reste der Überlebenden), Einrichtung auf längere Zeit im Lager, politische Parteien: Zionismus, "Ichud" (Einigung), Gründung von Schulen, Arbeitsstellen, Theater, Musik, Zeitungen, Zeitschriften, selbstständige Gemeinde, Verbindung mit den Toten, Überlebende, Verpflichtung ein selbstständiges Land aufzubauen, Israel, neuen Humanismus entwickeln, keine Zukunft in Europa, 1000jährige Zivilisation zerstört, jiddische Sprache, Ja zu einer jüdischen Zukunft gesagt, Anknüpfung an jüdische Tradition Osteuropas, Lager war ein kleines Schtetl, nur wenige deutsche Juden, in München große deutsch-jüdische Gemeinde, Vorurteile zwischen Osteuropäern und deutschen Juden, Talmud und Kulturunterricht, ORT-Schule, Berufsausbildungen als Weber und Schlosser, Doktor Jakob Oleiski, Abendschule für Erwachsene, Unterricht in jüdischer Kultur und Geschichte, Hebräischunterricht, Kibbuzim in der Nähe von Landsberg zur Vorbereitung zur landwirtschaftlichen Arbeit in Israel, zum ersten Mal seit 1939 wieder als Menschen gefühlt, Bereitschaft andere Berufe zu lernen, Hilfe durch ORT und andere Berufsschulen, DP-Presse: Lagerzeitung, jüdische Zeitung, Vorbereitung auf das Leben in Palästina als Endziel, in der Realität Einreise nach Palästina und in die USA verwehrt, 1940-47, beginnende Hoffnungslosigkeit, DP-Theater MIT, jedes Lager hatte eigene Theatergruppe, Filmarbeiten, Israel Becker, dreht Film im Lager 1947, handelt vom Holocaust, Kontakt zur deutschen Bevölkerung in Landsberg: Streitigkeiten, schwieriges Gefühl, Gewalt, verschwundene jüdische Wachmänner im Kibbuz in der Nähe von Landsberg, Bevölkerung wollte die Juden los sein, Juden die außerhalb des Lagers wohnten mit guten Kontakten zu deutschen Familien, Entscheidung für Wohnung außerhalb des DP-Lagers, Eigeninitiative der DPs, Lager als Möglichkeit Hilfe zu bekommen, Nahrung zu erhalten, viele wollten nicht ins Lager, Wunsch als freie Menschen zu leben, Beschlagnahmung von deutschen Häusern für jüdische DPs, Oberst Heymont, nur kurzer Versuch, später keine Beschlagnahmungen mehr, Beschlagnahmung dauerte nur einen Tag, in Landsberg gab es traditionell nur wenige Juden, im NS-Staat "Stadt der deutschen Jugend", Antisemitismus, Bedeutung für NS-Bewegung: Hitlers Festungshaft, Schreiben von "Mein Kampf", Gefängnis für Kriegsverbrecher, Häftlinge: Otto Ohlendorf, Paul Blobel, 1951 Demonstration für zum Tode verurteilte Kriegsverbrecher, Unruhen, ganz Deutschland war ein Schwarzmarkt, Beteiligung von DPs, psychische Folgen der KZ-Haft, harte Menschen, Biologie des Überlebens, Bewusstsein für die Geschehnisse, Hoffnung auf eine moralischere Welt, Rolle der Kinder für die Zukunft der Überlebenden, Rolle der Kinder, psychologische Schwierigkeiten der Eltern, Kinder mussten ihren Eltern helfen, Schwierigkeiten in den Familien, über Erfolg in der Schule und Beruf Glück ins Leben der Eltern bringen, Hoffnungsträger für die Zukunft, Kinder oft einziger Teil der Familie, Belastung, als Träger der Geschichte des Familienlebens, Schwierigkeiten und Stolz, viele Kinder setzen sich auch von ihren Eltern ab, Versuch der 2. Generation den Dialog zwischen Deutschen und Juden über den Holocaust anzuregen, Dialog der 2. Generation: Doktor Gottfried Wagner, Belastungen der Nachkriegsgenerationen von Deutschen und Juden, Hoffnung dass die nachfolgenden Generationen diese Belastung nicht tragen, Überwindung von Haß, Misstrauen, Missverständnis und Vorurteilen, Bedeutung der Versöhnung, Belastung durch Familiengeschichte, Belastung für eigene Identität, Alter in dem man selbst Verantwortung trägt für sich und die Gesellschaft - Suchdienste, Veröffentlichung von Abraham Klausner "Sche'erit Haplejta", informelle Suchdienste, Brett mit Nachrichten in jedem Lager, Überlebenden-Treffen, Fluktuation, Suche nach Überlebenden in Osteuropa, 04./05.07.1945 polnische Stadt Kielce, 42 Juden werden vom Mob getötet, Pogrom von Kielce, Juden in der amerikanischen Besatzungszone, Antisemitismus in Polen, Wachstum der jüdischen Familien in den DP-Lagern bis 1948, Ja zur jüdischen Zukunft, selbst ein Resultat dieses Ja-sagens, Kindergärten eingerichtet, selbst als eines der ersten Kinder im DP-Lager Landsberg geboren, Schulen, religiöser Unterricht "Schiwas", Unterricht mit Bezug auf Israel, kulturelles Amt, Schulamt, Religionsamt innerhalb der DP-Lager, Komitee der befreiten Juden der amerikanischen Zone, eigene Ämter, selbständige jüdische Gemeinde, Kontrolle durch amerikanische Militärregierung, Befreier, amerikanische Soldaten mit Fronterfahrung kehren in die Staaten zurück, Nachrückende kennen Schicksal der DPs nicht, Flucht von osteuropäischen Juden in die amerikanische Besatzungszone (Brichah), Justizsystem in den Lagern, Verfahren gegen jüdische Kapos, Diebe in den KZ, Amerikaner unterbinden das, jüdisches Gericht (Beth Din), Anwendung des jüdischen Rechts, Rabbiner, Scheidungen, Gratwanderung, Lagerpolizei in Landsberg, gute Beziehungen zur deutschen Polizei, Lagerkomitee (Camp Commitee), Samuel Gringauz Verantwortlicher innerhalb der Selbstverwaltung, Irving Heymont, litauische Juden Intellektuelle deswegen in der Lagerleitung überproportional vertreten, polnische Juden, anfangs Ziel eines einheitlichen Zionismus, Vertreter der Parteien aus Israel, "Schlichim", Parteien: Ichud, Links-Rechts-Revisionisten, Wahlkämpfe, am Ende des Holocaust nur religiöse oder zionistische Juden, keine Rolle der Sozialisten - illegale Versuche DPs nach Palästina zu bringen, Flüchtlingsschiff "Exodus" von den Briten zurück nach Europa geschickt, amerikanische Zone beliebter wegen der Konflikte mit den Briten um Palästina, erste Anerkennung eines jüdischen DP-Lagers in der britischen Zone im Mai 1946, Großbritannien, Mandatsmacht in Palästina, Earl-Harrison-Bericht empfiehlt die sofortige Einwanderung von 100.000 Juden in Palästina, Ablehnung durch Regierung Bevin, Gründe für die amerikanische Einreisequote für Juden: Antisemitismus, Angst vor Kommunismus, mehrere Generationen im Lager: 1. Überlebende der KZ, 2. Partisanen, 3. Überlebende mit "arischen Papieren" und in die Sowjetunion geflohene Juden, letzte Generation hatte weitaus bessere Situation während des Krieges, viele kehrten zuerst nach Polen zurück, sind dann aber von dort 1946 wegen antisemitischen Vorfällen geflohen, bis 1949 sind die meisten nach Israel ausgewandert, das letzte Lager war Föhrenwald bei Wolfratshausen, bis Februar 1957, unter deutscher Verwaltung seit 1952, Schwierigkeiten zwischen den DPs und der deutschen Verwaltung, die Letzten blieben in Deutschland, München, Frankfurt, Hamburg, viele Familien fanden ein normales Leben, Kinder aktiv in der deutschen Gesellschaft, führende Rolle in der jüdischen Gemeinde, teilweise Erfolgsgeschichte, Netzwerk der ehemaligen Kinder aus Föhrenwald, deutsch-jüdische Identität, schwierige Integration, Schwierigkeiten bei der Integration in den USA, wirtschaftliche und psychologische Gründe, Probleme über den Holocaust zu berichten, wenig Interesse, führt zum Schweigen vieler, in den 1980ern und 1990ern wurde die Erzählung der Geschichte der Überlebenden möglich, Holocaust als singuläres Ereignis, Versuch die "Message" der Überlebenden weiter zu geben, Rolle der 2. Generation - Dezember 1949 Auswanderung der Eltern in die USA, Vater: Fabrikarbeiter, später in Uhrenfabrik, jüngere Überlebende relativ erfolgreich, äußerlicher Erfolg, innere Alpträume, keine Großeltern, Onkel, Tanten, Namen der Peiniger besser gekannt als die der Verwandten, Trauer über die verlorenen Brüder und Schwestern der Eltern, Probleme Freunde nach Hause einzuladen wegen der Geschichten über den Holocaust, Vater erzählte auch von den "guten Deutschen", ältere Wachmänner versorgten ihn mit extra Essen, ambivalentes Bild der Deutschen, einerseits Gestapo und SS, andererseits die Guten, Hoffnung auf Verbesserung der "unnormalen" Geschichte zwischen Deutschen und Juden, Deutschlandbesuche 1971 und 1989, 1971: kein Interesse, kein Zutritt zum ehemaligen DP-Lager erhalten, Bundeswehrkaserne, 1989 Denkmalseröffnung in der Kaserne, Finanzierung von Iriving Heymont, Ansprache gehalten, meiste Zuhörer waren ehemalige DPs, Ende April 1995 ganz anderes Gefühl bei Besuch in Landsberg, Verwaltung, Studenten, Schulkinder, hatten Kenntnis von dieser "kleinen schmutzigen Geschichte", heute offene Geheimnisse, große Möglichkeit für eine Zusammenarbeit zwischen Juden und Deutschen, Probleme Landsbergs mit seiner "großen" Geschichte, man wollte kein zweites Dachau sein, heute bereit sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen, Verdienst von Heymont - Bewusstsein der mittel- und osteuropäischen Juden dass es in Europa keine Zukunft für sie gibt, Einheitsgefühl im DP-Lager, Ideologie der Überlebenden, "melting pot", Mauer des Schweigens durchbrechen und der Welt die Augen öffnen, alte Vorurteile zwischen den Juden aus den verschiedenen Ländern sind verschwunden, eigene Erinnerungen an Landsberg, mit 3 1/2 Jahren ausgewandert, als Kind Landsberg als Teil einer Legende, über Deutsche Geschichte promoviert um die eigenen Wurzeln besser zu verstehen, Beziehungen zwischen Deutschen und Juden, Suche nach Fragen und Antworten, Interesse jüngerer deutscher Forscher an Jüdischer Geschichte, Tagung über die Geschichte der DP-Lager, DP-Lager Teil der Deutschen Geschichte 1945-1957.
Daten
Interview: Georg Schmidbauer M.A.
Kamera: Georg Schmidbauer M.A.