Im hier gezeigten Ausschnitt spricht Hannah Herzig über das Leid ihrer Eltern während des Zweiten Weltkriegs und den Begriff der 'Normalität'.
Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:
Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Hannah Herzig, geführt am 23.07.1995 in München im Rahmen des Projekts Displaced Persons (DP), über die Herkunft ihrer Eltern aus Ost-Galizien, die Verfolgung nach dem deutschen Einmarsch, die Vertreibung 1945, ihre Geburt und Kindheitserlebnisse an das DP-Lager Föhrenwald sowie ihre Emigration nach Israel 1951.
Biogramm
Nachdem ihre Eltern bei Ende des Zweiten Weltkriegs aus Ost-Galizien vertrieben worden waren, wurde Hannah Herzig 1946 im DP-Lager Föhrenwald geboren, wo ihr Vater als Rechtsberater des Lagers tätig war. Bis 1951 wuchs sie in Föhrenwald und Wolfratshausen auf. 1951 emigrierte die Familie nach Tel Aviv/Israel.
Inhalte
Eltern in Ost-Galizien geboren, Drogobic, Heirat der Eltern 1939, Vater: Rechtsanwalt, Studium in Lemberg (Lwiw), russische Besetzung Ostpolens, deutsche Besetzung, Getto, 1942 von Ukrainer im versteckt, 39 Juden dort bis Kriegsende versteckt, Ost-Galizien wurde ukrainisch, Teil der Sowjetunion, Vertreibung der Polen, Eltern mussten Land verlassen, Krakau (Kraków) 1945, Breslau (Wroclaw) März 1946, Mutter schwanger, Eltern gingen nach Deutschland, 1946 in Föhrenwald geboren, bis 1951 in Föhrenwald, Vater als Anwalt, Rechtsberater des Lagers, Vorsitzender des Disziplinarausschusses, Zentralkomitee der befreiten Juden, 1951 Emigration nach Israel, Vater starb fünf Jahre später, Buch über Displaced Persons Camps, DP-Lager Föhrenwald, Wissensverlust mit dem Tod des Vaters, Rekonstruktion durch Bilder - Aktivität des Vaters im Lager: politische Aktivität, Revisionistischer Zionist, Wladimir Jabotinsky, später: Rechtsaußen in Israel, Vater viel unterwegs: Lindau, München, Vater erreichte das Lager im Juni 1946, einer der ersten Organisatoren, später Umzug nach Wolfratshausen, IRO-Haus (International Refugee Organisation), nicht im Kindergarten, deutsche Erzieherinnen, Frau Ludwig, Beziehungen zu den Deutschen außerhalb des Lagers, Hohe Geburtenrate im DP-Lager, Mutter hatte Abtreibung in Israel wegen Herzkrankheit des Vaters, Mutter im Lager, einziger weiterer Überlebender der Familie Bruder des Vaters und dessen Tochter, Selbstmord des Onkels 1947, Familienbilder, Bilder: Geburtstage, Urlaub in Mittenwald, in Berchtesgaden, Feiern, Wald in Föhrenwald, Isar, Vater in Badehose, gute Kindheit, Normalität keine Großeltern zu haben, Geschichten der Schicksale für die Kinder Normalität, Kinder im Lager, in Israel: Kindergarten in Tel Aviv, deutsche Erzieherinnen, Kontakte der Eltern außerhalb des Lagers: Freunde in München, Vater: Zionist, revisionistische Gruppe: Beitar, Wunsch zur Auswanderung, Aufklärung über die Shoa (Holocaust), Museum, Adolf Eichmann, Albträume, kein Kontakt zu Deutschen, Deutschland nicht im Bewusstsein, Föhrenwald wie ein kleines Dorf, Vorurteile über DPs, individuelle Eindrücke, Föhrenwald als Chance zurück ins normale Leben zu kommen, Emigration, Vater musste hebräisches Recht studieren, starb, bevor er wieder als Anwalt arbeiten konnte, in Europa Doktortitel, in Israel nicht verwendet, 1950er Jahre schwere Zeit in Israel, Nahrungsrationierung, anderes Klima, in Föhrenwald Teil einer Gesellschaft, in Israel nur einige Freunde, gute Zeit für den Vater in Föhrenwald, Traditionspflege: Polnisch, als Kind schnell in Israel integriert, Vergangenheit verloren, Nachforschungen, offizieller Name in Polen: Anna Malkushata, auf Hebräisch Hannah, Grab des Vaters, Inschrift für die im Krieg Umgekommenen, Schwestern: Anna und Marvelit, verlorene Orte, Föhrenwald aufgelöst, Geburtsort der Eltern in der Sowjetunion nicht erreichbar, keine Dokumente, Suche nach den Wurzeln, Experte schrieb Dissertation über DP-Camp Föhrenwald, Freude über die Existenz der Vergangenheit, Reise nach Deutschland, Angst vor Deutschlandvorstellung, München, zuvorkommende Menschen, Vorurteile, Besuch in Föhrenwald, zuvor in Prag Kafkas Grab besucht, Sohn interessiert an Vergangenheit der Mutter und des Großvaters: Sigmund, in Israel: Tel Aviv, Zwei-Zimmer-Wohnung, niemand da, mit dem man die Erinnerung hätte teilen können, erst später ein Thema, auch in der Öffentlichkeit, viele wollten nicht sprechen, Kategorie: "Überlebende", Gespräche mit Deutschen, weitere Nachforschungen in Ost-Galizien geplant über: Heimatstadt der Eltern, deren Zeit im Getto, Normalität, dass die Mutter keine Mutter hat, heute Verständnis für die Situation der Mutter.
Daten
Interview: Georg Schmidbauer M.A.
Kamera: Georg Schmidbauer M.A.