Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Friedrich Schafranek von seiner Internierung im KZ Auschwitz (ab September 1944). Dort erfuhr er, dass seine Mutter vergast worden war.
Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:
Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Friedrich Schafranek vom 09.05.1997 in Bobingen, über die Jugendzeit, die "Reichskristallnacht", die Deportation nach Auschwitz und die Befreiung.
Biogramm
Friedrich Schafranek wurde 1924 in Wien geboren, kam aber schon 1928 nach Frankfurt/Main und erlebte den beginnenden Antisemitismus in Deutschland. Nach der „Reichskristallnacht“ versuchte er mit seinem Bruder auszuwandern, was durch den Beginn des Zweiten Weltkriegs unmöglich wurde. Schafranek konnte zwar 1941 in Berlin noch sein Abitur machen, wurde aber bereits kurz darauf mit seiner ganzen Familie im Oktober 1941 ins Ghetto Litzmannstadt deportiert. Dort starben sein Vater und sein Bruder. Im August 1944 erfolgte die Deportation nach Auschwitz, wo die Mutter vergast wurde. Nach einem gescheiterten Fluchtversuch auf dem Transport ins Lager Kaufering wurde Friedrich Schafranek als Melder eingesetzt. Er erkrankte und konnte während der Räumung des Lagers Ende April 1945 fliehen und so wieder die Freiheit erlangen. Nach dem Zweiten Weltkrieg fand er zur evangelisch-lutherischen Kirche, arbeitete als Pfarrer in Australien und kehrte wieder nach Deutschland zurück.
Inhalte
1924 in Wien geboren, jüdische Eltern, Vater: Handelskommissar nach Deutschland versetzt 1928, wegen Verkehrsanbindung nach Frankfurt am Main und nicht nach Berlin gezogen, Geschäfte in Südosteuropa, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Kettenhofweg 83 im Westend, Büro im Haus, sieben Zimmer, Hauspersonal, Trennung von Wohnung und Büro, Prinz von Hessen, Büro am Opernplatz, Machtergreifung 1933, Zunahme des Handels zwischen Österreich und Deutschland, 1930 Einschulung, erstmals des Judentums bewusst geworden, Lehrer der 2. Klasse Nationalsozialist, dennoch schöne Jugend in Frankfurt, Nürnberger Gesetze, Verbot "arischer" Hausangestellter, österreichische Staatsbürger, Schulwechsel von der Wöhlerschule auf die jüdische Philanthropin-Schule, Sportbegeisterung, Schülermannschaft der Eintracht, 1935 rausgeworfen, Torwart, Wechsel zum FSV, Trainingsgelände am Bornheimer Hang, Angliederung Österreichs 1938, ab da schlechter behandelt, Vater wurde des Amtes enthoben, mussten vom Ersparten leben, Unterstützung der Geschwister des Vaters in Wien, 09.11.1938 „Reichskristallnacht“ (Reichspogromnacht), Wohnung in der Kronbergerstraße in der Nähe der Westendsynagoge, liberale Synagoge, keine Einhaltung der religiösen Vorschriften in der Familie, Orgel, "Arbeit" am Sabbat, orthodoxe Verwandtschaft der Mutter in Wien, Brand der Westend-Synagoge, SA-Aufmarsch in der Straße, Hausbewohnerin deren Mann bei der SS war, gab Hinweise auf Wohnungen von Juden, Vater und S. von der SA in die Festhalle gebracht, Vater über 60 und S. noch keine 16, wieder laufen gelassen, "Hermann-Göring-Spende", Ring zum Hochzeitstag, Beschlagnahmung von Wertgegenständen und Möbeln, Lehrer waren verhaftet, die meisten kamen nach Buchenwald, Vater musste sich täglich bei der Gestapo in der Lindenstraße melden, Versuch auszuwandern, Vater kannte britischen Diplomaten, Einwandererquote für Amerika, Wartenummer erhalten, Onkel in Australien, Visum bekommen, Passage bei holländischer Schifffahrtslinie für den 01.09.1939 gebucht, weiter zur Schule gegangen, nur noch 3 Abiturienten, Fritz Waldvogel, Kurt Hecht und S., Schulamt verweigerte Prüfung, Vorschlag nach Berlin zu gehen, dort jüdische Schule: Addas Jisreol, Galinski, nach Berlin gefahren, 1941 dort Abitur gemacht, Luftschutzwart im Philanthropin, erste Bombenangriffe auf Frankfurt, Franzosen, nach dem Abitur Rückkehr nach Frankfurt, Bruder machte Ausbildung in jüdischer Anlernwerkstätte als Schreiner, selbst Schlosserlehre angefangen, Umzug in ein Judenhaus, Lerbachstr. 10, Friedberger Anlage, Untermieterin, 19.10.1941 SA vor der Tür, Gestapo-Mann, Verhaftung, Vater musste Vermögensverzicht unterschreiben, kleiner Koffer durfte mitgenommen werden, Sammelstelle in der Großmarkthalle, viele Leute spuckten, nur einer zog den Hut, Judensterne, Hausmeister Hartmann transportierte Gepäck auf Leiterwagen, über 1.000 Menschen an der Großmarkthalle, Selektion von Mädchen und Frauen, Mutter kam nach 2 Stunden verstört zurück, Frauen mussten sich ausziehen und wurden von BDM-Mädchen und Rot-Kreuz-Helferinnen auf versteckten Schmuck untersucht, SS-Leute schauten zu, Personenzug, 3 Tage unterwegs, aussteigen, Marschkolonne, Lodz (Litzmannstadt), Getto, Massenunterkünfte in Schulräumen, 14 Tage am Boden geschlafen, Onkel aus Wien getroffen, Oma auch dort, Beruhigung für die Mutter, nach einem Monat Zimmer zugewiesen, Kanonenofen, Pritschen, Arbeitslager, Fabriken, Mutter und Bruder arbeiteten in Holzwarenfabrik, Arbeit als Schlosser an einer Punktschweißmaschine, Ösen an Wassereimer geschweißt, Vater geht zur Verwaltungsstelle am Baluter Ring, Gettoältester Chaim Rumkowski, deutscher Verwalter: Bibow, Vater unterbreitete ausgedachtes Handelsangebot, wurde von Gestapo schwer verprügelt, schwere Verletzungen, innere Blutungen, 2 Tage später gestorben, auf dem jüdischen Friedhof in Maraschino beerdigt, dem Bruder Herbert ging es immer schlechter, Krankenhaus, Diagnose Lungentuberkulose, gute Nahrungsversorgung wäre für Genesung notwendig, 1 Kilo Brot pro Woche, bei der Arbeit ein Schöpfer Suppe, Diskriminierungen zwischen polnischen und deutschen Gefangenen, Antisemitismus unter Juden, "Jeckes", Bruder starb, ebenfalls auf dem Maraschino Friedhof beerdigt, kein Rabbiner, kurzes Gebet gesprochen, erste Nachrichten über Verluste in Russland, Plakate, Arbeiter für Deutschland gesucht, Meldung zum Transport, Güterwaggons, Ankunft nicht in Deutschland sondern im Konzentrationslager Auschwitz, Tor mit der Aufschrift "Arbeit macht frei", Mengele, Selektion, Duschen, ausziehen, nur Schuhe und Gürtel behalten - Freundin wurde nach Riga gebracht, dort auf Segelschiff in der Rigaer Bucht verbrannt, Ring mit Initialen geschluckt - eiskaltes Wasser, Haare geschoren, gestreifte Uniformen, 21 Tage Quarantäne in Auschwitz/Birkenau, Jungs aus Frankfurt auf der anderen Seite des Zauns, Spitzname "Scheffel", Kurt Marxon und Kurt Flörsheim berichteten, dass Mutter in Gaskammer ging, die beiden kamen direkt mit Transport aus Frankfurt, bekamen mehr zu Essen, warfen S. ein Stück Brot über den Zaun, in Waggons verladen, über Jägerndorf nach Wien, Fliegeralarm, Flakscheinwerfer, aus dem Waggon geklettert, gestolpert, SS schoss, am Fuß getroffen, zurück in Waggon geworfen, Schmerzen, Salzburg, Ankunft in Dachau, ungarischer Arzt ist Häftling, Block 9, operierte die Kugel heraus ohne Instrumente, Bandage aus dem Hemd, am nächsten Tag wieder in Waggons gebracht, Ankunft am Bahnhof Kaufering, Lager I, Außenlager, wegen Überfüllung des Lagers Weitermarsch nach Erpfting, Lager VII, neues Lager, Erdbunker, nicht alle SS-Männer waren schlecht, Küchenchef suchte jemanden, der Deutsch spricht, Arbeit als Küchengehilfe, Wurst und Brot erhalten, in Zimmer bei der Küche geschlafen, nicht im Block, nach 3 Tagen Marsch zurück, Lager IV, Krankenlager, katholischer Priester auf Block 10, Arbeitskommandos zusammengestellt, Rapportführer Tempel, ernannte S. zum Melder, Edith Raim "Ein Ort wie jeder andere", Projekt Ringeltaube, Organisation Todt, Firma Steindl, rabiate SS-Leute, Gewehrkolben im Genick, Splitter zwischen 2. und 6. Wirbel, erst in den 1960ern festgestellt, Rückkehr mit 49 statt mit 50 Mann, 25 Schläge mit Kabel auf den Hintern bekommen, Tritte, beide Becken gebrochen, Afterriss, weiter zur Arbeit geschleppt, Beckenknochen bis heute nicht richtig zusammengewachsen, evangelischer Pfarrer aus Thüringen Hans John predigte den SS-Leuten das Evangelium, Typhus Epidemie, Läuse, an Typhus erkrankt, hohes Fieber, Hans John starb neben S., im März kaum noch Häftlinge im Lager, Verlegung auf Block 52, amerikanische Flugblätter, Information über Kriegsverlauf, Besserung der Krankheit bis Mitte April, zusätzliche Essensration verdient, Abrichten von Schäferhunden, 24.04.1945 Befehl zur Lagerräumung, Arbeit auf Bauernhof in der Nähe, Bauer Beh, Jauche aufs Feld gefahren, von den Bauern in der Umgebung schlecht behandelt, Selektion vor dem Abtransport, Lauffähige gingen auf Todesmarsch Richtung Landsberg, zu viert im Lager zurück gelassen, zusammen mit 2 Tschechen und 1 Rumänen, keine SS mehr da, Lager durchsucht, in der Küche Kartoffel und Käse gefunden, Brot, Loch im Zaun, SS befahl am Bahnsteig zu warten, Schmuddelwetter, Tscheche: Honso Glas, kleiner Zug, in Waggons gestiegen, Viehwaggons mit offenen Türen, Zug blieb auf Waldlichtung stehen, Tieffliegerangriff, Mustangs, Leuchtspurmunition, aus dem Waggon gesprungen, in den Wald gerettet, Flakgeschütz am Ende des Zuges, Bobbi Musil, Lokomotive explodiert wegen Bombentreffer, in den Wald geflüchtet, Nassewang, in Schonung versteckt, von Flieger beschossen, 26.04.1945, deutsche Militäreinheit gesehen, Kirchturmglocken gehört, Bobbi ging auf Erkundungstour, kam mit Taschen voller Bonbons zurück, Wald voller deutscher Deserteure, weiter marschiert, Soldaten mit Maschinengewehr, Jeep, Amerikaner, Englischkenntnisse, amerikanischer Offizier schickt sie nach Großkitzighofen, Hof der Familie Schuster, amerikanischer Sherman-Panzer, bei Familie Schuster einquartiert, Bad im Kuhstall, Seife, Eier mit Speck gegessen, beinahe gestorben, Bürgermeister Rapp, bei Familie Hack einquartiert, Kleidung erhalten, 2 Tage durchgeschlafen, Bobbi Musil hatte Typhus, zu dritt mit Pferdewagen ins Krankenhaus nach Waal gefahren, Dr. Lechner, täglich Musil besucht, amerikanische MP suchte Englisch sprechenden ehemaligen Häftling, weiße Armbinde "Hilfssheriff", Patrouille, Schloss Igling, Meldung von Übergriffen von ehemaligen Zwangsarbeitern, zusammen mit dem Sohn vom Lehrer im Ort Streife gelaufen, Pistole und Munition besorgt, Plünderer vertrieben, verstecktes Auto gefunden, Adler-Trumpf, Autofahren gelernt, keine Batterie und kein Benzin, im Kriegsgefangenenlager in Kaufering Batterie besorgt, Spannung zu hoch, Sicherungen brannten durch, den Bürgermeister nach Kaufbeuren gefahren, schwieriges Parken in Kaufbeuren, im Gasthof Lamm etwas zu Essen bekommen, zur Militärregierung gegangen, nach Arbeit erkundigt, Stadtkommandant suchte Fahrer, der Englisch spricht, Captain Lee, Postgarage, 12-Zylinder-Horch, umlackierter deutscher Generalswagen, Richtung Biesenhofen gefahren, Job bekommen, im Ärztehaus der Heil- und Pflegeanstalt einquartiert, zunächst Major, der zum Oberleutnant befördert wurde, gefahren, Burgh stellt S. Major Axt vor, Arbeit als Dolmetscher, Gerichtseinheit, gut verdient, Essen im Offizierskasino, Jagdgeschwader 55 der US Air Force, Hauptquartier in Bad Tölz, Verhöre von Kriegsgefangenen, deutsche Mädchen, die von Amerikanern vergewaltigt wurden, Verfahren in Augsburg, General Court Marshall, Todesurteil gegen den Soldaten, Begnadigung durch den US-Präsidenten, lebenslange Haft, Axt stellte Kontakt mit Onkel Friedrich in Australien her, Mädchen in Kaufbeuren kennengelernt, 1947 nach Australien ausgewandert, Arbeit in der Sperrholzfabrik des Onkels, Reisekosten abgearbeitet, Kontakt zur evangelischen Kirche - Suche nach dem Grab der Mutter, durch Major Axt Opel Olympia bekommen, auf einem Friedhof Grab einer Frau mit demselben Geburtstag wie die Mutter gefunden, zum ersten Mal wieder gebetet, Gottesdienst in der Synagoge in der Halderstraße in Augsburg besucht, abstoßend, Gottesdienst in Landsberg besucht, in Kaufbeuren in Kirche gegangen, zunächst in die katholische St.-Martins-Kirche, in Ruhe gebetet, Gespräch mit katholischem Priester, abweisende Reaktion, Besuch der evangelischen Kirche, Pfarrer Seifert, Einladung zum Kaffee nach dem Gottesdienst, Wunsch zu konvertieren, Vorbereitung auf Taufe, bei Erwachsenen gleichzeitig Konfirmation, Katechismus von Luther durchgenommen, nach 6 Monaten getauft, heute selbst Pfarrer, Beichte, Einreisevisum nach Australien, Ausreisevisum aus Deutschland, Berlin, alliierte Kommission, internationaler Pass, 01.12.1947 Fahrkarte nach Marseille, Auswanderung nach Australien, evangelisch-lutherische-Kirche in Australien sehr klein, keine Kirchensteuer, Gemeinde musste den Pfarrer selbst erhalten, Heimweh, antisemitische Äußerungen in Lokal, deutsche Gottesdienste gehalten, Hilfe für deutsche Einwanderer, Universität in Sydney, vormittags Vorlesung, nachmittags Geld verdient, 3 Kinder, Magister-Diplom, Arbeit bei Kellogs-Cornflakes, von 3 bis 11 Uhr nachts, Einwandererort Dandenong, viele Firmen, Umweltverschmutzung, Jugendpfarrer in Australien, long-service-leave, 18 Monate frei, Besuch von Dr. Dietzfelbinger, bayerischer Landesbischof, Jugendarbeit in Bayern, Personalrat, Oberkirchenrat Maser, Pfarrstelle in der Nähe von Uffenheim, Kirchenrat Tratz, Einladung des Landesbischofs zum Kaffee in München, überredete S. in Bayern zu bleiben, ab 1974 in verschiedenen Gemeinden, Gnötzheim, Martinsheim, Wässerndorf, Barfüßer-Kirche in Augsburg, erster Herzinfarkt, drei Gemeinden zu betreuen, Heiligkreuz und St.-Jakob, Kinder blieben in Australien, engeres Verhältnis zu den Kindern als früher - einziger Überlebender der Deportation von Frankfurt nach Lodz, bei Einladung zum 50jährigen Jubiläum vergessen worden, Frankfurter Oberbürgermeister von Schöler, Besuche in Frankfurt, Grab von Kurt Hecht, die beiden anderen Überlebenden zwischenzeitlich gestorben.
Daten
Interview: Georg Schmidbauer M.A.
Kamera: Georg Schmidbauer M.A.