Zeitzeugen berichten

Arnold Erlanger Kaufmann, KZ-Überlebender

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zz-0415.01
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Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg

Im hier gezeigten Ausschnitt spricht Arnold Erlanger über seine Begegnung mit Dr. Josef Mengele im Vernichtungslager Auschwitz.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Arnold Erlanger im Rahmen des Projekts Geschichte und Kultur der Juden in Bayern - Jüdische Zeitzeugen, aufgenommen in München am 28.02.1990.

Biogramm

Arnold Erlanger stammte aus Ichenhausen. Er war der Sohn des Metzgers Levi Erlanger (1882–1943) und dessen Frau Hedwig Erlanger, geb. Gutmann (1887–1942). Arnold Erlanger floh vor der Verfolgung durch das NS-Terrorregime in die Niederlande. Nach der Besetzung des Landes durch deutsche Truppen im Zweiten Weltkrieg wurde er verhaftet und kam in verschiedene Konzentrationslager: Er war im Durchgangslager Westerbork sowie in den Konzentrationslagern Auschwitz, Buchenwald und Flossenbürg interniert. Nach der Befreiung 1945 kehrte Arnold Erlanger zurück in die Niederlande. 1947 heiratete er eine jüdische Witwe mit zwei Töchtern und wanderte er nach Australien aus. 2007 verstarb Arnold Erlanger in Melbourne/Australien.

GND: 124995535

Inhalte

1916 in Ichenhausen geboren, Vater Soldat im Ersten Weltkrieg, jüdische Religion, jüdische Kinder bis 6 Jahre bei katholischen Schwestern im Kindergarten, Besonderheit Ichenhausens im Zusammenleben von Juden und Nichtjuden, lange jüdische Tradition, Vorfahren, Familie Erlanger, Großeltern, Mutter aus Ollenhausen bei Meckmühl/Berlichingen, Großeltern hatten Metzgerei, Vater übernahm Metzgerei und betrieb Viehhandel, Bahnhofstraße in Ichenhausen, Gebietsaufteilung unter den Viehhändlern, Günzburg, den Vater begleitet, Viehmärkte in Günzburg, religiöse Verrichtungen, gegenseitiger Respekt, Ichenhausener Juden sehr orthodox, Familie im Zentrum des Lebens, Feste zu Hause gefeiert, Pessachfest, Sederabend, Fest der Gesetzestreue (Beschneidung, Brit Mila), Laubhüttenfest (Sukkot), Versöhnungstag (Jom Kippur) christliche Bevölkerung zu Gast in der Synagoge, Kantor Schwarz, Rabbiner Schwab, Dr. Neuwirth, Lehrer Blum, Lehrer Hammelburger, Jugendorganisation Noah Agudati, Vorbereitung auf Palästina, Zionisten, Ablehnung der Assimilation und Rückkehr zur Orthodoxie, Rabbiner Schwab, Geistlicher Rat Sinns, Gegenseitiger Respekt, keine interreligiösen Ehen zwischen Juden und Christen in Ichenhausen, Schwester heiratete Christen in Augsburg, verstoßen, Buch von Rabbiner Schwab von 1934, Respektierung der Gesetze, in Ichenhausen öffentliches jüdisches Leben möglich, Laubhütte, Haltung zu den Gesetzen, Absichten der Nationalsozialisten aus der Sicht der Juden, pöbelnde Jungen, Lehre in der Kleiderfabrik Sulzer, Juli 1929 Barmitzwa, kaufmännische Lehre, jüdische Schule, Fortbildungsschule am Sonntag, Schwester und Freund Hans Schindl wanderten auf Hochzeitsreise nach Palästina aus, zwei Brüder wanderten nach Amerika aus, Nürnberger Gesetze 1935, Olympische Spiele 1936, 18 Monate Umschulungslager, politisch nicht interessiert, 1934 Musterung, Arbeitstage bei Sulzer, 01.04.1933 Boykottaufruf gegen jüdische Geschäfte, SS von außerhalb, Aufmarsch der Nationalsozialisten am 01.05.1933, "Mein Kampf", nicht ernst genommen, Bürgermeister Thaler, Demhardter, Tanzstunden im Rabbinatshaus, Café Weill, Vater im Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, Kriegerdenkmal, Dienstmädel Maria Käsmeier - April 1929 Lehrling bei der Firma Sulzer, Lager, Stoffe, Mustervertreter, Vertreter Thalmann und Reichenberger, Kleidung für die mittlere Preisklasse, Zuschnitt, Hausarbeit, Kleidungsgeschäfte, Naphtali Reichenberger, Thalmann angesehene Kaufleute, gegenseitige Abhängigkeit von Juden und Nichtjuden in Ichenhausen, Verhältnis der Heimarbeiter zur Firma, Auslandaufträge, Wirtschaftskrise 1929, Entlassungen, 1937 Entscheidung nach Palästina auszuwandern, Umschulung zum Landwirt (Haschera/Umschulungslager) bei Halberstadt, Idee in ein Kibbuz zu gehen, englisches Zertifikat für Palästina notwendig, "Reichskristallnacht" (Reichspogromnacht) in Halberstadt erlebt, zur Gestapo gerufen, ins Konzentrationslager Buchenwald gebracht, prügelnde SS, Durchfall vom Essen, wieder frei gelassen, Verpflichtung Deutschland innerhalb von drei Monaten zu verlassen, Vater und Bruder ins KZ Dachau gebracht, 12.02.1939 holländisches Durchgangslager für die Emigration, "Kristallnacht" in Ichenhausen, in Holland bei einem Bauern gearbeitet, deutscher Einmarsch in Holland 10.05.1940, Arbeit bei Pferdeschmied, autogenes Schweißen, September 1941 Razzia gegen bekannte Persönlichkeiten, Judenstern, Lager der holländischen Regierung, Durchgangslager Westerbork, holländisches Arbeitslager, Pakete, Lager Ommen, Appell, Schikanen, Westerbork, Umschulungsgruppe, Landarbeit, in kleiner Synagoge versteckt, um Straftransport herum gekommen, 14.09.1943 Transport nach Auschwitz, von Gasöfen gehört, Vernichtungstransporte, Alte und Kranke, Arbeitslager, Selektion, Dr. Josef Mengele, Außenlager Monowitz, Kanäle graben, Außenarbeiten, Finger zwischen zwei Loren zerquetscht, SS tötete Mann aus Langeweile, gestellter Fluchtversuch, Hospital Dezember 1943, Selektion, Dr. Mengele, zu Erdarbeiten eingeteilt - Kapo, Arbeit als Schweißer, Buna IG Farben, synthetische Gummifabrik errichtet, Eröffnung im April/Mai 1944, Nazi-Prominenz, Sabotage, Hinrichtungen, Vorarbeiter Müller, Luftangriff, Mengele, Informationen über den Frontverlauf, Rot-Kreuz-Pakete für andere Häftlinge, 18.01.1945 Evakuierung von Monowitz-Buna, zu Fuß nach Gleiwitz, von dort im offenen Kohlenwagen ins KZ Buchenwald transportiert, in Weimar mit Schutträumen beschäftigt, Evakuierung ins KZ Flossenbürg, SS verschwunden, nach zwei Tagen zurück, Todesmarsch Richtung KZ Mauthausen, Kriegsende und Befreiung, amerikanische Panzer, Roding, drei Wochen von Familie Hoffmann versorgt, gute und schlechte Deutsche, 18jähriger SS-Wachmann schenkte E. Brot, Fahrrad, in Rot-Kreuz-Wagen mit deutschen Soldaten und SS befördert, Amberg, Würzburg, Mai 1945, Omnibus nach Holland, Grab der Mutter in Ichenhausen, Geld für verkauftes Schlafzimmer der Eltern nachträglich erhalten, Lehren aus der Vergangenheit, Moritz Schmidt, Dr. Simbacher, jüdische Religion, Rabbiner Schwab, Judentum als Heimat, Australien, Member of the Order of Australia.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Interview
Dauer:
3:00 h
Aufnahmedatum:
28.02.1990
Sprache:
deutsch