Zeitzeugen berichten

Klara Pradelski KZ-Überlebende, Geschäftsinhaberin

Signatur
zz-0337.01
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte (Georg Schmidbauer M.A.)
Referenzjahr
1996

Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Klara Pradelski über den zunehmenden Verlust der jüdischen Kultur in der Gegenwart.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Klara Pradelski vom 23.10.1996 in München.

Biogramm

Klara Pradelski wurde 1916 in Bielitz in Oberschlesien geboren. Sie erlebte den Beginn des Zweiten Weltkriegs in Kattowitz. Als Jüdin floh sie mit ihrem Mann nach Tarnow, wurde aber dort zuerst im Getto interniert und kam dann in das Zwangsarbeitslager Plaszow. Vom August bis Oktober 1944 war sie im KZ Auschwitz interniert und wurde anschließend in das Arbeitslager Liebau in Niederschlesien überstellt, wo sie die Befreiung erlebte. Nachdem sie erfahren hatte, dass ihre Angehörigen alle umgekommen waren, siedelte sie nach Bayern über, heiratete wieder und baute sich in München nach gescheiterten Auswanderungsversuchen (u.a. 1950/51 in die USA) eine neue Existenz als Geschäftsinhaberin auf.

Inhalte

In Bielitz/Oberschlesien (Bielsko-Biała) in einem bürgerlichen, jüdisch-religiösen Elternhaus geboren, Großvater: Rabbiner, Vater: Textilfabrikant, acht Geschwister, Großfamilie, Heirat am 08.12.1938, Konservengroßhandel in Kattowitz (Katowice), jüdische Flüchtlinge aus Deutschland aufgenommen, älteres Ehepaar in der Wohnung, 1938, rieten zur Auswanderung, Gefahr durch Hitler angekündigt, Auswanderungspläne, 01.09.1939 deutscher Überfall auf Polen, zusammen mit dem Mann und zwei Koffern geflüchtet, vom Vormarsch eingeholt, Familie gesucht, Krakau (Kraków), Wohnung in Podgusze, Wingerska 16, im Nebenhaus, Wingerska 18, Gestapostation, Getto in Podgusze, nur Juden, die vor 1939 in Krakau gelebt hatten, durften bleiben, Frage wohin, bei ehemaligem Bekannten des Mannes in Tarnów einquartiert, Eltern gingen nach Nowy Sącz, Tarnów, Schwester des Mannes mit ihrem Sohn kam mit, Judenbezirk, kein geschlossenes Getto, immer weiter verkleinert, Deportationen, Marktplatz, SS mit Hunden, Schüsse, Blut auf dem Platz, Meldung der bis 20-jährigen zum Arbeitseinsatz, "arbeitsfähige Jugend", Stempel im Ausweis, um Arbeit gekümmert, Arne (der Sohn des Cousins) wurde nach Auschwitz gebracht, nur Aschepaket kam zurück, Schwangerschaft, 1944 einen Sohn geboren, Freude des Mannes und der Eltern, ständige Deportationen, Arbeit in einer Bürstenzentrale, jüdische Firma Balzer, Treuhänder, Mann arbeitete in einer Schneiderfirma, Männer, die nicht bei der Arbeit waren, wurden tagsüber abgeholt, auch der Schwager, Schwester mit zwei Kindern blieb zurück, Angst, Schließung des Gettos, Selektion, A) Frauen mit kleinen Kindern, die nicht zur Arbeit konnten, B) Arbeitsfähige, Arbeit bei Madritsch, Arbeit in der koscheren Küche, bei Polizeibesuch Kaffee gekocht und serviert, Deutsch gesprochen, Deportation des Gettos A, Gerüchte über Verbleib: Göth, Auschwitz, Erschießung auf dem Weg; Gestapo suchte Moritz Weinstock, dessen Schwester rief nach ihm, wurde deswegen erschossen, Deportation nach Plaszow, Madritsch bewahrte Wertgegenstände auf, schenkte Weinstock seinen Mantel, am Bahnhof in Viehwaggons verladen, Ankunft in Plaszow, Gelände eines jüdischen Friedhofs, Leichen, Duschen, jüdischer Ordnungsdienst, Ehepaar Chilowitsch aus Krakau, Stiefel und Reitpeitsche, versuchte Ringe zu verstecken, Ringe einem bekannten Ordnungsmann gegeben, Baracken, zu dritt auf einer Pritsche, Madritsch lieferte Brot ins Lager, wieder Arbeit bei Madritsch, Beschimpfungen durch die Chilowitschs, Angst sich krank zu melden, zwei Tage mit hohem Fieber auf der Krankenstube, Feiertage, Pessach, Hinvegetieren, Leute aus anderen Lagern, Polen, 1944 Appell, Kopf zwischen die Knie, Musik aus einem Lautsprecher, Kinder wurden abtransportiert, Räumung des Lagers, Aufteilung in Männer und Frauen, Frauen nach Auschwitz, Männer nach Mauthausen gebracht, Mann steckte P. noch Geld zu, Ende August 1944, Abschied, Transport im Viehwaggon, Ankunft in Auschwitz, Schreie, Aufstellen, Selektion, Krematorien gesehen, ungarische Frauen beteten das Totengebet, Ausziehen, Dusche, Geld an die Schuhe geklebt, Entfernung aller Haare, Holzschuhe, Schuhe immer noch behalten, in Baracken marschiert, Blockälteste, aufmunternde Worte, zu fünft auf einer Pritsche, Morgenappell, Lagerälteste: Deutsche mit Reitpeitsche, Kaffee und Brot, Erlaubnis zum Sitzen außerhalb der Baracke, Kälte, Verzweiflung, Tante getroffen, diese war eingeteilt beim Aussortieren der Kleidung, wollte P. eine Unterhose besorgen, Suppe am Mittag, erst abends wieder in die Baracke, Versuch von Bekanntem, in anderer Baracke für die geretteten 100 Dollar zusätzlich Brot zu erhalten, scheiterte, Geld weg, Beginn der Liquidierung von Auschwitz, russischer Vormarsch, Cousin warnte vor Transport, Freundin wurde nach Stutthof gebracht, starb dort, Transport nach Liebau/Niederschlesien (Lubawka), Kartoffeln bei der Ankunft, Lager bei einer Rüstungsfabrik, Männerlager mit Holländern, Ärztin Frau Dr. Radziwill, Tag- und Nachtschicht, an der Maschine eingeschlafen, Schlag auf den Kopf, Ankunft Anfang Oktober 1944, Lagerälteste lesbische Ungarin, zweigte Teil der Ration für ihre Bekannten ab, nachts verprügelt, Schwangere wurde abgeholt, Dr. Mengele, zwei Tote während der Zeit, Grab geschaufelt neben dem Friedhof, Lagerälteste fragte sich, was mit ihr bei Kriegsende passiert, 8. Mai 1945 Befreiung durch die Rote Armee, Versorgung mit Nahrung, Identifizierung von gefangenen Aufsehern, Lebensmittelgeschäft, Wohnung im Ort gesucht, Badezimmer, eingerichtet, Kleidung, menschlicher gefühlt, Männer aus anderem Lager kannten Mann der Freundin, auf den Weg in die Heimat gemacht, Handwagen, Zug nach Kattowitz, Wohnung von ehemaligem Hausmeister organisiert, Zimmer und Küche, zusammen mit Freundinnen, Geld von der jüdischen Gemeinde, mittags gab es Suppe, Zettelwand mit Suchanzeigen, Bekannte getroffen, Liste der Toten von Mauthausen lag in Krakau aus, mit dem Lastwagen nach Krakau, Mann starb kurz vor Kriegsende, alle Geschwister ebenfalls im Holocaust umgekommen, Freundin hatte Stoffgroßhandel, Stoffe unter dem Boden versteckt, Stoffe an Firma Wasserstein verkauft, reiche Witwe, Freundinnen heirateten, Vorkriegsbekannter mit Delikatessen zu Besuch, Heiratsantrag, Schwiegermutter kam aus Russland zurück, wollte nach Amerika oder Palästina auswandern Ende 1945, Brief der Schwiegermutter, mit jungem Mann über Nürnberg nach Landsberg gefahren, Freude der Schwiegermutter, schönes Zimmer, Gäste aus München, alle wollten damals heiraten, Herr Pradelski, amerikanische Kulturkommission, Schriftsteller und Sängerin in Garmisch, Seminar, Treffen organisiert von den Gemeindevorstehern, mit Schwager mitgefahren, Interesse von Herrn Pradelski, Heirat, Kinderwunsch, 1947 Sohn geboren, deutsches Kindermädchen, Brief von deren Freund gelesen, sofort gefeuert, kein Vertrauen zu deutschen Ärzten, Dr. Spanier in München, alter Herr war in Theresienstadt, Wunsch auszuwandern, 1949 zweites Kind, 1951 nach Israel gefahren, Bekannte getroffen, schlechte Bedingungen gesehen, zurück nach Deutschland gefahren, Handtaschen vertrieben, Textilwarengeschäft im Foto-Pini-Haus eröffnet in München, viel Konkurrenz, Ausverkauf, Entscheidung, Fischlokal zu eröffnen (1954-1969), Prielmayerstraße, gegenüber dem Justizpalast, 15 Jahre, Haus wurde verkauft an Hertie, Ruhestand, Studium der Söhne, Enkelkinder, 1983 starb der Mann - Erinnerungen an Amon Göth, Plaszow, schöner, junger Mann, böser Mensch, Verwandte wurde mit ihren Kindern erschossen - Auschwitz: Barackenbelegung international, Läuse, Wanzen, Informationen über Kriegsverlauf, Madritsch, Vormarsch der Russen, Kinder als Lagerboten, Vorteil, wenn man Deutsch konnte, keine Freiräume, Latrine, Freundinnen, Aufseherinnen, furchtbar Erlebnisse, Jom Kippur in Auschwitz, Fasten, Brot wurde gestohlen, Selbsterhaltungstrieb, Brotteilen zwischen Mutter und Kind, jüdischer Ordnungsmann lieferte die eigene Mutter aus, die sich versteckt hatte, Frauen verkrafteten es besser, Zusammenhalt, keine Hilfe von außen, Bekannte mit Internierungspapieren für Frankreich kamen auch um, Untergang des jüdischen Volkes, Israel andere Welt als die der Jugend, damals streng religiös aber zugleich weltlich, heute Ultraorthodoxe, Frage nach den Gründen des Antisemitismus und des Holocaust, ältester Sohn ging nach 20 Jahren in Frankfurt a.M. nach Frankreich, Enkel wollten nicht mehr in Deutschland leben, Assimilierte, die Deutsche heiraten, nicht mit Kindern über Auschwitz gesprochen, Versuch, Kinder am Samstag vom Unterricht zu befreien, Schikane des Sohnes, daraufhin auf ein College in England geschickt, beim Studium doch in Deutschland hängen geblieben, Antisemitismus blüht wieder auf, Frage nach dem warum, Gräuel sind nicht zu verarbeiten, Familie wird sich nicht mehr reproduzieren, Moral gesunken, Scheidung, Selbstmord gab es früher nicht, bei anderen Völkern dasselbe, die Moral ist gesunken und die Religion und Trauer existieren nicht mehr, verlorene Werte, Bedeutung des Geldes, verdorbene Welt, pessimistische Einstellung, Veränderungen nach 40 Jahren Konsumrausch, Steine vom Krematorium in Auschwitz mitgenommen, Erinnerung, niemals vergessen - Mann in Tallit wurde in Tarnów erschossen, Bewusstsein, dem Tod entgegen zu gehen - erstes Kind verloren, Erschießungen auf dem Friedhof, Frauen und Kinder erschossen.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Interview
Dauer:
1:30 h
Aufnahmedatum:
23.10.1996
Sprache:
deutsch
Aufnahmeteam:

Interview: Georg Schmidbauer M.A.

Kamera: Georg Schmidbauer M.A.