Zeitzeugen berichten

Nikolaus Lehner KZ-Überlebender

Signatur
zz-0237.01
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte (Georg Schmidbauer M.A.)
Referenzjahr
1947

Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Nikolaus Lehner, wie es ihm - anders als seinem einzigen überlebenden Bruder - nicht gelang, nach seiner Befreiung aus dem KZ Dachau 1945 in die USA auszuwandern. Aus seinem nur als Provisorium gedachten Aufenthalt in Deutschland entwickelte sich ein Bleiben für immer.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Nikolaus Lehner, geführt am 10.04.1995, über sein Leben im NS-besetzten Ungarn, seine Haft im Konzentrationslager Dachau, sein Leben als Jude im Nachkriegsdeutschland und in der Bundesrepublik.

Biogramm

Nikolaus Lehner wurde 1923 in Siebenbürgen, Rumänien, geboren, ging 1940 nach Budapest und arbeitete dort als Lehrling in einem feinmechanischen Betrieb. Er erlebte das nationalistische Horthy-Regime, bis 1944 die Wehrmacht einmarschierte. Lehner, der zum ungarischen Arbeitsdienst eingezogen worden war, wurde im Dezember 1944 ins KZ Dachau deportiert und erlebte 1945 die Befreiung des Lagers. Seine Familie wurde bis auf einen Bruder in Auschwitz ermordet. Nach vergeblichen Auswanderungsversuchen siedelte sich Lehner in Dachau an, wo er als Geschäftsmann tätig war. Er war damit der einzige jüdische KZ-Häftling, der nach der Befreiung dauerhaft in Dachau blieb. Vor Ort setzte er sich u.a. für den Bau einer Jugendbegegnungsstätte ein. Nikolaus Lehner starb 2005 in Dachau.

GND: 1046579037

Inhalte

Ungarischer Jude in Rumänien geboren, Szeged, mit 17 Jahren nach Budapest, Lehre als Feinmechaniker, März 1944 Einmarsch der Deutschen in Ungarn, Einberufung nach Gesellenprüfung, Einweisung der Juden in Arbeitslager, Bauxit-Fabrik, Montagearbeiten, Unterbringung auf landwirtschaftlichem Gut, Pfeilkreuzler, Anhängsel der Nazis, Drangsalierung von Juden, Ghettos, Judenhäuser, Kolonnen von Juden auf der Landstraße Budapest Wien getrieben, opportunes Verhalten Ungarns, alliierte Luftangriffe auf Budapest, 1944 Szálasi-Putsch, Hinrichtungen an der Donau, Zwangsrekrutierungen durch das ungarische Militär, Minensuche, Feldarbeiten, Aufräumarbeiten nach Luftangriffen, Opposition gegen das Horthy-Regime, Graf Raoul Wallenberg, Versuch schwedischen Pass zu erhalten, Deportationen in Ungarn durch Pfeilkreuzler, nach Ermessen der lokalen Parteiführer, Russen vor Budapest, Versuch mit der Straßenbahn hinter die Frontlinie zu gelangen, Eltern 1944 nach Auschwitz deportiert, bis 05.10.1944 in Budapest dann Deportation nach Dachau, ungarischer Arbeitsdienst, Arbeit in der Bauxit-Fabrik, ordentliche Verpflegung und Unterkunft, Flüchtlinge auf den Landstraßen Richtung Westen, Georg Vaida, Ankunft in Dachau, Quarantäneblock, Haare geschoren, Desinfektionsmittel, Menschenmassen, Angst vor Typhus, Erkrankung, Delirium, Lethargie, Hoffnungslosigkeit, Schmutz und Hunger, Kapo, Russe Nikolai verprügelt Zigeuner mit Wasserschlauch wegen Essensdiebstahl, Verpflegung, Verlegung aufs Revier, zum Fiebermessen, Kommando "Kräutergarten", Jourhaus, warten auf Bestrafung, Fliegeralarm, 29.04.1945 Befreiung durch die Amerikaner, Bewachung, Luftangriffe auf München, Wegschaffen der Toten, Aufbruch anderer Häftlinge zu Todesmärschen, Information über Kriegsentwicklung, "Völkischer Beobachter", Wissen über Invasion in der Normandie, Vormarsch der Alliierten, Tag der Befreiung: für viele Schock, Tote wegen Überfütterung, Hoffnung Familie wieder zu finden, willkürliche Hinrichtungen von SS-Leuten nach der Befreiung, DDT, 127. Evacuation-Hospital-Unit, Georg Vaidar, Reparatur der Installation, genügend Lebensmittel, Orangen, Bananen, die Schwachen wurden in Reviere und Krankenhäuser gebracht, Displaced Persons (DP)-Lager in Feldafing, UNRRA (United Nations Relief and Rehabilitation Administration), dort spätere Frau kennen gelernt, uniformierte Frauen, Kinderblock, zionistische Bewegung, DP-Lager Wolfratshausen, Konflikt mit Arabern, Suche nach Verwandten, Bruder über Feldafing zurück nach Szeged gebracht worden, Treffen im Herbst 1945, Familienfoto, Armbanduhr der Mutter, Anzug des Vaters, kein Interesse an Rückkehr nach Ungarn, Besuch in den 60er Jahren, 1991 mit Hilfstransport des BRK, Hilfsprojekt für Schulen, Behindertenheime, Kindergärten, Krankenhäuser, -1945 Brief an Tante in Wilkes-Bare in Pennsylvania, Affidavits, Einwanderungsquote, Wartezeit, jüngerer Bruder 1947 ausgewandert, damals Leben in Deutschland als Provisorium betrachtet, daraus wurde Dauerdomizil, Arbeit für Amerikaner als Zivilangestellter bis 1947, Besuche bei Frau im DP-Lager, Wohnung in Dachau, ehemalige SS-Villa, zusammen mit mehreren ehemaligen Häftlingen, 03.03.1946 Heirat, Dr. Schwalber, kirchliche Trauung nach jüdischem Ritual, Rabbiner, Wohnung außerhalb des Lagers, warten auf Auswanderung, opportunistische Haltung der Deutschen, Selbstdarstellung als Opfer, Flüchtlinge, latenter Antisemitismus, Integrationsprozess, verschiedene Richtungen und Meinungen der Gesellschaft, Kriegsverbrechen, Verfolgung der Kriegsverbrecherprozesse, historische Parallelen der Befreiung, Zweifel am Glauben, Umgang mit Vergangenheit, junge Menschen, Schüleraustausch zwischen Dachau und Jerusalem seit 1980, Joseph-Effner-Gymnasium, Waltenberger, Ignaz-Taschner-Gymnasium, Beer-Sheva, Dr. Hans Lamm, Schülerwettbewerb "warum will ich Jerusalem sehen?", Rolle als Bürger und "Opfer" in Dachau, Integration, Sohn auf internationalem Internat in Israel, Sohn wollte zurück nach Deutschland, "isoliertes Lebensgefühl?", Eigenverantwortung, Verständnis der Kinder, Tochter studiert Judaistik, mit Aufbau der Demokratie, nach der Währungsreform in der Holzbranche tätig, Vergangenheitsbewältigung, Schulprojekte, Vorurteile, Plakat der Republikaner vor der Gedenkstätte, Schattenseiten der Demokratie, "Normalität", "Wiedergutmachung", Aufklärung als Angebot, Identität, Dankbarkeit gegenüber Frau und Kindern, Gewerbegebiet in der Nähe des ehemaligen Konzentrationslagers in Dachau, Zuteilung durch Stadt, Ben Gurion, Konrad Adenauer, Optimismus, Notwendigkeit sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen, vielfältige Interessensgebiete.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Interview
Dauer:
1:30 h
Aufnahmedatum:
10.04.1995
Sprache:
deutsch
Aufnahmeteam:

Interview: Georg Schmidbauer M.A.

Kamera: Georg Schmidbauer M.A.