Zeitzeugen berichten

Franz-Xaver Klingseisen Widerstandsaktivist, KZ-Überlebender

Signatur
zz-0077.01
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg

Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Franz-Xaver Klingseisen über die Rückkehr aus britischer Kriegsgefangenschaft und den Neubeginn in München nach 1945.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Franz-Xaver Klingseisen, aufgenommen am 27.02.1989 in Dachau, über seine Kindheit im Münchner Westend, die Erlebnisse von Revolution und Räterepublik, seine Ausbildung zum Hutmacher, sein politisches Engagement in der KPD, die Illegalität nach 1933, seine Verhaftung und Internierung im KZ Dachau, die Einberufung zur Wehrmacht und das Leben als selbstständiger Hutmacher nach Ende des Zweiten Weltkriegs.

Biogramm

Franz Xaver Klingseisen wurde 1907 am Fuße des Osterbergs im Bayerischen Wald geboren und siedelte kurz darauf mit seiner Familie nach München um. Dort erlebte er im Westend die Räterepublik und die 1920er Jahre im elterlichen Obst- und Gemüseladen. Politisch engagierte sich Klingseisen schon früh im kommunistischen Jugendverband. Wegen einer Flugblattaktion wurde er verhaftet, in Landsberg inhaftiert und bis 1937 im Konzentrationslager Dachau interniert. Nach seiner Freilassung betätigte er sich nicht mehr politisch, wurde 1940 zur Wehrmacht eingezogen und geriet in britische Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Rückkehr nach München führte er 20 Jahre ein Geschäft als selbstständiger Hutmacher.

Inhalte

Vater: Fuhrknecht, Mutter: Obst- und Gemüsehändlerin – Kindheit im Münchner Westend: Dantebad – Auswirkungen des Ersten Weltkriegs: Freizeit, Schule – Geigenunterricht: Hausmusik – Ausbildung zum Hutmacher – 07.11.1918 Kundgebung auf der Theresienwiese – Münchner Räterepublik: Spartakusbund, Weiße Armee – Kultur- und Wanderverein – Zellenleiter in der Kommunistischen Jugend: Druck eigener Zeitungen – Internationaler Sozialistischer Kampfbund (ISK) – Freidenkerverband – Roter Frontkämpferbund (RFB): Saalschlachten mit Nationalsozialisten – 1927-1930 Arbeit bei Hut Seidel in Ulm – NS-„Machtergreifung“ (Machtübernahme durch die Nationalsozialisten) am 30.01.1933 – Reichstagsbrand am 27.02.1933 – Widerstand: Flugblätter, Schriften, Land-Propaganda-Gruppe (KPD) – Braunes Haus – Impreko, Rote Fahne – Süddeutsche Zeitung, Münchner Neueste Nachrichten – Gestapo: Verhaftung, Internierung im Wittelsbacher Palais, Prozess – Einzelhaft in Landsberg (elf Monate) – Haft im Gefängnis München-Stadelheim – Einlieferung ins KZ Dachau (altes Lager): SS-„Empfang“, Kleiderkammer – Arbeitskommando Kiesgrube, Schneiderwerkstatt – Lageralltag, Verpflegung, Bettenbau – Völkischer Beobachter – Strafen, Strafkompanie – Begegnung mit Rudolf Höß – Lagerältester: 5. Kompanie – Häftlingsgruppen – Entlassung im 02.11.1937 (insgesamt zwei Jahre Haft) – wöchentliche Meldung bei Polizei – Hitler-Stalin-Pakt vom 23.08.1939, Beginn des Zweiten Weltkriegs am 01.09.1939 – Rationierung, Tauschgeschäft – Zweiter Weltkrieg: Einberufung im Mai 1940: Waffenwart – Kriegseinsatz als Gebirgsjäger in Frankreich, Norwegen, Jugoslawien – Partisanen – britische Kriegsgefangenschaft – Rückkehr nach München – Leben nach dem Krieg – Hutgeschäft in Sendling/München – Mitglied der Naturfreunde – Hausbau in Forstenried – Politisches System der Bundesrepublik Deutschland – Erinnerungsarbeit, Wichtige beschriebene Personen (Auswahl): Erhard Auer – Rosa Luxemburg – Karl Liebknecht – Adolf Hitler – Georg Scherer – Mendel, Lagerältester – SS-Rapportführer Rudolf Höß – Hans Taschner – Heinrich Deubel, Lagerkommandant – Hans Loritz, Lagerkommandant – Ludwig Zamenhof – Helmut Kohl – Franz Schönhuber.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Interview
Dauer:
1:00 h
Aufnahmedatum:
27.02.1989
Sprache:
deutsch