Maihingen


 

GESCHICHTE

Maihingen, Minoritenkloster – Prediger und Seelsorger für die Wallfahrer

 

Im Jahr 1405 erlitt Graf Johann "der Ernsthafte" von Oettingen-Wallerstein in den Sümpfen im Nördlinger Ries einen Unfall und drohte im Morast zu versinken. Nach seiner wundersamen Errettung ließ er am Ort des Geschehens eine Kapelle erbauen und zu Ehren der hl. Anna weihen. Dieses Gotteshaus wurde bald zu einem beliebten Ziel vieler Pilger, sodass man daran dachte, zur Betreuung der Wallfahrer ein Kloster zu errichten. Graf Johann I. von Oettingen, unterstützt von seinen Brüdern Ulrich und Wilhelm, stellte zu diesem Zweck am 3. März 1437 dem Augustinerorden einen Stiftungsbrief zur Gründung des Klosters „Maria Mai“ aus. Die Bauarbeiten auf dem Grund, den Ortspfarrer Konrad Rösser zur Verfügung gestellt hatte, kamen jedoch wegen der schlechten Bodenverhältnisse kaum voran und wurden schließlich aufgegeben. Nach den Augustinern versuchten die Benediktiner und die Servitenbrüder jahrelang vergeblich, den Plan in die Tat umzusetzen. Schließlich kam man auf die Idee, dass der Birgittenorden an diesem Ort vielleicht mehr ausrichten könnte, denn der Überlieferung zufolge soll die hl. Birgitta von Schweden auf ihrer Reise nach Rom 1349 hier eine Rast eingelegt haben. Die Stiftung wurde deshalb 1459 dieser geistlichen Gemeinschaft übergeben; im gleichen Jahr bestätigte eine päpstliche Bulle die Gründung. 1472 wurden dem Orden sämtliche Rechte, Freiheiten und Güter für das Kloster übertragen. Ein Jahr später zogen die ersten acht Schwestern ein. Sie kamen aus Gnadenberg, das zwischen Nürnberg und Neumarkt in der Oberpfalz liegt und etwa 50 Jahre zuvor als erste Gründung des Ordens in Süddeutschland entstanden war. Wenig später komplettierten neun Ordensbrüder den Doppelkonvent, der von einer Äbtissin geleitet wurde. 1481 erfolgte die Einweihung des Klosters, das als Stiftung der Familie von Oettingen-Wallerstein weiterhin gefördert wurde und der Familie als Grablege diente.

Neben der Seelsorge für die Wallfahrer widmeten sich die Birgitten ganz ihrem kontemplativen Leben, in dessen Zentrum die Meditation über das Leiden Christi steht. In den nächsten Jahrzehnten entwickelte sich die Niederlassung zu großer Blüte. 1497 waren die Birgitten aus Maihingen bereits personell und wirtschaftlich in der Lage, das ehemalige Benediktinerinnenkloster Altomünster zu übernehmen. Im frühen 16. Jahrhundert erreichte der Konvent mit 58 Schwestern und 24 Brüdern seinen Höchststand. Der Niedergang erfolgte in der Reformationszeit. Im Bauernkrieg 1525 und im Schmalkaldischen Krieg 1546/47 wurde die Anlage stark beschädigt. Nach zahlreichen Klosteraustritten übersiedelten die letzten Nonnen 1580 nach Altomünster. Diese Niederlassung besteht bis heute und ist mittlerweile das einzige Birgittinenkloster in Deutschland.

1607 übergab die Stifterfamilie das ehemalige Kloster den Minoriten, die sie zuvor schon an ihren Hof in Oettingen als Prediger berufen hatten. Die Brüder stellten den zerfallenen Bau wieder her, arbeiteten als Volks- und Wallfahrtsseelsorger und betrieben hier auch eine Ordenshochschule. Unter dem gebildeten und tatkräftigen Guardian Hermann Bartenschlag (1663–1733) wagte das Kloster ab 1703 den Neubau von Kloster und Kirche. Die Pläne für die Gebäude im zeitgemäßen Barockstil lieferte der Minoritenbruder Ulrich Beer (1655–1714), ein Mitglied der berühmten Vorarlberger Baumeisterfamilie, die in Süddeutschland zahlreiche Sakral- und Profanbauten errichtete. Der Konventbau, eine schlichte, dreigeschossige Dreiflügelanlage mit quadratischem Innenhof, war 1706 vollendet. Ihren Nordflügel bildet die ab 1712 errichtete große Wandpfeilerkirche. Sie wurde am 29. August 1719 von dem Augsburger Weihbischof Johann Jakob von Mayr zu Ehren Maria Immaculata geweiht. Das theologische Programm der Ausstattung widmet sich der Gottesmutter sowie den Ordensgründern und -heiligen. Den lichten weiträumigen Innenraum bestimmen heute die farbenfrohen Fresken des Regensburger Malers Martin Speer (1702–1765), der 1752 auf diese Weise den Großteil der damals bereits schadhaften Stuckaturen ersetzte. Die Familiengrablege der Grafen von Oettingen-Wallerstein befindet sich seit 1680 in einer Gruft unter dem Antoniusaltar sowie in einem weiteren unterirdischen Raum im Westteil der Kirche, der von 1842 bis 1961 genutzt wurde. Weitere Grabmonumente an den Wänden wurden für bedeutende Persönlichkeiten der Stifterfamilie errichtet; so zum Beispiel ein Tempietto rechts vom Haupteingang 1777 für Maria Theresia von Oettingen-Wallerstein, eine geborene von Thurn und Taxis. An die Anfänge der Wallfahrt und des Klosters erinnert die an der Nordseite des Chors gelegene Annakapelle. Bedeutend für Musikliebhaber ist das von Martin Baumeister aus Eichstätt von 1734 bis 1737 in den prächtigen Orgelprospekt eingebaute Instrument (bis 1991 wieder instandgesetzt), das zu den wenigen schwäbischen Exemplaren aus der Barockzeit mit original erhaltenem Orgel- und Spielwerk gehört. Außen empfangen den Besucher der prägnante, über 60 Meter hohe Turm und die überlebensgroße barocke Statue der Maria vom Siege in einer Nische am Chorschluss.

Von den Birgitten blieb nur das ehemalige Brüderhaus erhalten. Es wurde nach einem Umbau ab 1725 als Brauhaus genutzt.

Bei der Aufhebung 1802 im Zuge der Säularisation fiel das Kloster in den Besitz der Familie von Oettingen-Wallerstein. Die verbliebenen 20 Minoriten durften weiter hier wohnen. Von 1807 bis zum Ende der staatlichen Eigenständigkeit der Grafschaft 1820 dienten die Gebäude als Sitz des fürstlichen Justizamtes. Anschließend waren hier die wertvolle Oettingisch-Wallersteinsche Bibliothek mit rund 140000 Bänden und die Kunstsammlung der Familie untergebracht. Nach dem Verkauf der Anlage 1946 an den Caritasverband der Diözese Augsburg wurden der Buchbestand und die Antiquitäten auf die Schlösser Harburg und Baldern verlagert; die Bibliothek übernahm 1980 der Freistaat Bayern und gliederte sie der Universität Augsburg ein. Das Caritas-Seniorenheim in Kloster Maihingen bestand bis 1984. Dann kaufte die Diözese Augsburg die Gebäude und übertrug sie der „Gemeinschaft Lumen Christi“, die durch ihr Wirken die Erneuerung in der katholischen Kirche unterstützt. Im ehemaligen Brauhaus wurde 1989 das Rieser Bauernmuseum, eine Außenstelle des Schwäbischen Volkskundemuseums, eingerichtet.

 

Christine Riedl-Valder

 

Link:

http://www.kloster-maihingen.de/index.php/kloster/geschichte

 



 

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