Franziskanerkloster Straubing - Ein Jahrhundert im Gäuboden
Im Gegensatz zu den kleinen Ansiedlungen der Franziskaner in Dingolfing, Landau an der Isar oder Pfarrkirchen ging bei der Niederlassung in Straubing die Initiative vom Orden selbst aus. Straubing besaß bereits zahlreiche Klöster, auch Karmeliten und Kapuziner. So waren die Minderbrüder als Konkurrenz lange Zeit in der Stadt nicht erwünscht.
Erst im Frühjahr 1702 durften sich die Franziskaner in Straubing ansässig machen, zunächst in einem von der Stadt angemieteten Bürgerhaus. Als erster Neubau der Mönche entstand als Spende der adeligen Familie von Frenau noch 1702 eine Lorettokapelle. Bereits 1706 konnte der Konvent sein neu erbautes großzügig bemessenes Klostergebäude beziehen. 1707 folgte die Weihe der neuen Klosterkirche.
Die Straubinger Franziskaner betreuten als Seelsorger die Garnison und die Krankenhäuser der Stadt, sowie in ständiger Aushilfe ("Stationare") mehrere Pfarreien im Gäuboden. Ab 1722 unterhielt der Orden in Straubing auch eine philosophische Hochschule für seinen Klerikernachwuchs. Eine eigene Brauerei sorgte für die wirtschaftliche Grundlage.
Nach dem Aufhebungsmandat für die Bettelorden vom Februar 1802 wurden zwei Patres (gebürtig aus Regensburg bzw. Tirol) als "Ausländer" aus Bayern abgeschoben. Ein Mönch trat aus dem Orden aus. Vier Laienbrüder fanden vorerst in benachbarten Prälatenklöstern Aufnahme. Die übrigen dreizehn Straubinger Franziskaner verließen den Konvent am 6. Mai 1802. Nach kurzem Aufenthalt in Kelheim kamen sie in das neue franziskanische Zentralkloster Ingolstadt.
Bereits am 6. Mai 1802, dem Abreisetag der letzten Franziskaner, wurden Unbeschuhte Karmeliten aus München in Straubing einquartiert. Das Straubinger Zentralkloster dieses Ordens bestand bis zum 23. April 1817.
In der Folgezeit wurde das Konventgebäude an Privatleute vermietet, 1828 verkauft. Die barocke Schutzengelkirche wurde nach 1817 durch die Übernahme als Filialkirche der Altstadtpfarrei St. Peter vor dem Abbruch bewahrt.
1844 erwarb der Orden der Barmherzigen Brüder das Konventhaus und errichtete darin eine Niederlassung mit Krankenhaus.
( Christian Lankes )