Biografien
Menschen aus Bayern

Maria Luiko (eig. Marie Luise Kohn) Malerin, Grafikerin und Bühnenplastikerin

geboren: 25.01.1904, München
gestorben: 25.11.1941, Kaunas (Litauen)

Wirkungsort: München

Marie Luise Kohn, später unter dem Künstlernamen Maria Luiko bekannt, studierte ab 1923 an der Akademie der Bildenden Künste sowie der Münchner Kunstgewerbeschule. Sie etablierte sich als vielseitige Künstlerin, stellte regelmäßig im Glaspalast aus, fertigte Buchillustrationen, Bühnenbilder, Grafiken und Gemälde. Unter dem zunehmenden Druck der NS-Diktatur engagierte sich Luiko im Jüdischen Kulturbund Bayern und war an der Gründung des "Marionettentheaters Münchner Jüdischer Künstler" beteiligt. Am 20. November 1941 wurde sie mit ihrer Mutter und Schwester nach Litauen deportiert, wo sie ums Leben kamen. An die heute fast vergessene Künstlerin erinnern ein Stolperstein, eine Tafel an ihrer früheren Schule sowie ein digitales Gedenkalbum in der Online-Sammlung des Münchner Stadtmuseums.

Marie Luise Kohn war eine Tochter des Getreidegroßhändlers Heinrich Kohn (1866-1933) und Olga geb. Schulhöfer (1878-1941). Ihre um zwei Jahre ältere Schwester Elisabeth Kohn (1902-1941) wurde später promovierte Rechtsanwältin. Marie Luise wuchs im Münchner Stadtteil Neuhausen auf, die Familie zog jedoch 1914 in die Maxvorstadt (Loristraße 7). Sie besuchte dort das Luisengymnasium und studierte ab 1923 gleichzeitig an der Akademie der Bildenden Künste, sowie der Münchner Kunstgewerbeschule. Unter dem Künstlernamen Maria Luiko etablierte sie sich 1924 mit der Beteiligung an einer Ausstellung im Glaspalast (Alter Botanischer Garten). Maria Luiko gehörte zum Kreis um den Theaterwissenschaftler Arthur Kutscher (1878-1960) und war Mitglied mehrerer Künstlervereinigungen. Ihr Werk war sehr vielfältig: Sie fertige Ölgemälde, Lithografien, aber auch plastische Werke und Buchillustrationen, u.a. für Shalom Ben-Chorins Gedichtband "Die Lieder des ewigen Brunnens" (1934). Noch im Jahr 1935/36 entwarf sie das Bühnenbild für "Sonkin und der Haupttreffer" von Semen Juschkewitsch (1868-1927).

Unter der NS-Diktatur wurden jüdische Kunstschaffende zunehmend aus dem öffentlichen Leben verdrängt. Maria Luiko engagierte sich daher nach Kräften im Jüdischen Kulturbund Bayern, war an der Gründung des "Marionettentheaters Münchner Jüdischer Künstler" beteiligt und fertigte für dieses auch eine Reihe von ausdrucksstarken Figuren an. Mit den "Arisierungen" im Jahr 1938 musste auch ihre inzwischen verwitwete Mutter Olga Kohn das Familiengeschäft aufgeben. Luiko wollte ins Ausland fliehen, erhielt jedoch keinen Reisepass. Zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Schwester wurde sie am 20. November 1941 nach Litauen deportiert. Der für Riga bestimmte Zug wurde von der SS nach Kaunas umgeleitet, wo alle Insassen im sogenannten Fort IX ermordet wurden.

Seit 2021 erinnern vier Stolpersteine des Künstlers Gunther Demnig (*1947) vor dem ehemaligen Wohnhaus an die Familie Kohn (Loristraße 7). Am Jahrestag ihrer Deportation wurde 2022 am Luisengymnasium (Luisenstraße 7) eine Gedenktafel angebracht. Einige von Maria Luikos erhaltenen Werken, darunter viele ihrer Marionetten, sind in der Online-Sammlung des Münchner Stadtmuseums als Gedenkalbum digital zugänglich.


(Patrick Charell)

Literatur

  • Diana Oesterle: Maria Luiko. In: Städtische Galerie Lenbachhaus / Karin Althaus u. a. (Hg.): AK Kunst und Leben 1918 bis 1955. Berlin 2022, S. 188-191.
  • Henning Rader: Das Schicksal der Künstlerin Maria Luiko. Die erste Deportation von Münchner Juden 1941. In: Henning Rader / Vanessa-Maria Voigt: Ehemaliger jüdischer Besitz. Erwerbungen des Münchner Stadtmuseums im Nationalsozialismus. München 2018, S. 216-229.
  • Diana Oesterle: "So süßlichen Kitsch, das kann ich nicht". Die Münchener Künstlerin Maria Luiko (1904–1941). München 2009.

GND: 138671346