Biografien
Menschen aus Bayern

Heinrich Uhlfelder Unternehmer ("Kaufhaus Uhlfelder")

geboren: 13.03.1853, Roth
gestorben: 14.02.1928, München

Wirkungsort: München

Heinrich Uhlfelder wuchs in der kleinen jüdischen Landgemeinde von Roth in Mittelfranken auf und zog als junger Erwachsener nach München. Im Jahr 1878 machte er sich selbstständig und eröffnete im Rosental 9 (Angerviertel) ein Geschäft für Haushaltsgegenstände und "Galanteriewaren". Am 20. Mai 1883 heiratete er in München Mathilde Liebermann (1861-1935) aus Ichenhausen. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: Max Uhlfelder (1884-1958), Josef Uhlfelder (1885-?) und Margarethe verh. Mayer (1894-1941). Um 1900 war das Kaufhaus Uhlfelder eine fest etablierte Münchner Institution und bot ein breit gefächertes Warenangebot an. Für sein soziales Engagement erhielt er 1924 den Titel eines Kommerzienrats verliehen. Nach Uhlfelders Tod übernahm Sohn Max die Firmenleitung, wurde jedoch von den Nationalsozialisten enteignet. Nach der Restitution 1953 scheiterten alle Versuche, das Kaufhaus wieder ins Leben zu rufen. Auf dem Gelände entstand ein Erweiterungsbau des Münchner Stadtmuseums.

Heinrich Uhlfelder kam in der jüdischen Landgemeinde von Roth zur Welt, einem kleinen mittelfränkischen Ort südlich von Nürnberg. Aus seinem späteren Werdegang lässt sich schließen, dass seine Familie im Stoff- und Kleidungshandel tätig war. In den 1870ern ging Uhlfelder nach München und eröffnete 1878 im Anwesen Rosental 9 ein Geschäft für Haushaltsgegenstände und "Galanteriewaren" (Unterwäsche usw.). Der Laden florierte, was den Inhaber in die Lage versetzte, weitere Immobilien zu kaufen und den Komplex in ein veritables Kaufhaus zu verwandeln (Haupteingang Rosental 16). Am 20. Mai 1883 heiratete er in München Mathilde Liebermann (1861-1935) aus Ichenhausen. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: Max Uhlfelder (1884-1958), Josef Uhlfelder (1885-?) und Margarethe verh. Mayer (1894-1941). Um 1900 war das Kaufhaus eine fest etablierte Münchner Institution, die über ein breites Sortiment verfügte. Der Einkauf "beim Uhlfelder" war erschwinglich, weil sich die Preisgestaltung ganz bewusst an den zumeist niedrigen Einkommen der Arbeiterschaft und des Kleinbürgertums orientierte. Heinrich Uhlfelder ließ jedoch eigens für sein Kaufhaus produzieren und konnte durch hohe Stückzahlen die niedrigere Gewinnspanne ausgleichen. So konnten sich auch Menschen mit wenig Geld ansprechende Produkte leisten, die in ihrer Qualität der teureren Konkurrenz kaum nachstanden.

Heinrich Uhlfelder wurde 1924 für sein anhaltendes soziales Engagement den Titel eines Kommerzienrats verliehen. Mit zunehmenden Alter führte er seinen Sohn Max nach und nach in das Unternehmen ein. Auch Tochter Margarethe wurde an der Führung des Kaufhauses beteiligt. "Die Verkaufsflächen wurden stetig vergrößert, so dass das Kaufhaus Ende der 1920er Jahre den gesamten Häuserblock zwischen Oberanger, Rosental und Nieserstraße einnahm. Zu Hochzeiten arbeiteten auf circa 7000 qm Verkaufsfläche etwa 1000 Angestellte. Damit war das Geschäft nach dem Kaufhaus Hermann Tietz das zweitgrößte Warenhaus in München. Eine besondere Attraktion stellte die erste Rolltreppe Münchens dar, die sich ab 1931 über drei Stockwerke erstreckte" (Münchner Stadtmuseum). Heinrich Uhlfelder war zusätzlich Aufsichtsratsvorsitzender der Schneidereigenossenschaft ORAG-AG, die bis heute schräg gegenüber am Oberanger 9 ihren Sitz hat ("ORAG-Haus").

Als Heinrich Uhlfelder mit 74 Jahren verstarb, wurde er auf dem Neuen jüdischen Friedhof in München beigesetzt. Auch seine Frau Mathilde ruht im repräsentativen Doppelgrab.

Nach dem Tod von Heinrich Uhlfelder im Jahr 1928 übernahm sein Sohn Max die Leitung der Firma. Die großen Münchner Warenhäuser blieben den völkischen Kreisen ein Dorn im Auge: Sie wetterten gegen die "jüdische Kaufhauskultur", da sie den deutschen Einzelhandel zerstöre - wobei sie geflissentlich ignorierten, dass die jüdische Unternehmer natürlich alles selbst Deutsche waren, und Kaufhäuser erwiesenermaßen durch ihre Magnetwirkung auch dem umgebenden Einzelhandel zugute kamen. Das prominente Kaufhaus Uhlfelder wurde ein bevorzugtes Ziel der Nationalsozialisten. Schon im März 1933 entführte eine Gruppe nationalsozialistischer Studenten Max Uhlfelder, er wurde unter ständigen Beschimpfungen durch die Stadt gefahren und anschließend von der Polizei mit 280 anderen Münchner Juden in "Schutzhaft" genommen.

Als Uhlfelders Rechtsanwalt Michael Siegel (1882-1979) für seinen Mandanten auf der Polizeiwache erschien und sich über eingeworfene Fensterscheiben beschwerte, wurde er von der SS mit abgeschnittenen Hosenbeinen barfuß durch die Stadt getrieben. Am 1. April 1933 boykottierten SA-Leute das Kaufhaus und hinderten Passanten daran, das Gebäude zu betreten. Dennoch war die Firma Uhlfelder weiterhin liquide: Am 2. Mai 1933 übernahm sie das benachbarte Kaufhaus des sozialdemokratischen "Konsumvereins Sendling-München".

In der Pogromnacht vom 9./10. November 1938 ging das Kaufhaus in Flammen auf, Max Uhlfelder und sein Sohn wurden in das Konzentrationslager Dachau verschleppt. Im Januar 1939 kamen sie frei, und die Familie floh mit einem Visum nach Indien. Der NS-Staat konfiszierte das gesamte Vermögen, das Kaufhaus wurde mitsamt allen Vermögenswerten "arisiert" und der Deutschen Arbeitsfront integriert.

Alliierte Luftangriffe legten das Kaufhaus 1944 in Trümmer. Nach dem Sturz der NS-Diktatur bemühte sich Max Uhlfelder um die Restitution des Familienbesitzes, den er sich in über 100 Verfahren erkämpfen musste. Er verkaufte das Grundstück des zerstörten Kaufhauses im Jahr 1954 an die Stadt, die vier Jahre später auf diesem Gelände den Erweiterungsbau des Münchner Stadtmuseums beschloss. Heute erinnert eine Gedenktafel an der Ecke Oberanger/Rosental an den historischen Ort und die Geschichte des jüdischen Geschäfts. Auf der Längsseite des Museumsbaus erinnern die Leuchtbuchstaben "Kaufhaus Uhlfelder" an seine Geschichte. 


(Patrick Charell)

Literatur

  • Werner Ebnet: Sie haben in München gelebt. Biografien aus acht Jahrhunderten. München 2016, S. 610.
  • Richard Bauer / Michael Brenner (Hg.): Jüdisches München. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart. München 2006, S. 158.
  • Münchner Stadtmuseum / Florian Dering u. Sandra Uhrig (Hg.): Das Münchner Kindl. Eine Wappenfigur geht eigene Wege. München 1999, S. 215-241, hier 226f.
  • Landeshauptstadt München (Hg.) / Benedikt Weyrer: München 1933-1949. Stadtrundgänge zur politischen Geschichte. München 1996, S. 51-53.

GND: nicht verfügbar