Wie sein Vater Max Noether (1844-1921) und seine ältere Schwester Amalie "Emmy" Noether (1882-1935) bewies auch Fritz Alexander Ernst Noether schon früh ein ausnehmendes Talent für abstrakte mathematische Prozesse. Er studierte von 1904 bis zu seiner Promotion 1905 in seiner Heimatstadt Erlangen und in München die Fächer Mathematik und Physik. Nach einer Tätigkeit als Assistent von Prof. Karl Heun (1859-1929) in Göttingen habilitierte er sich 1911 an der TH Karlsruhe mit der Schrift "Über den Gültigkeitsbereich der Stokesschen Widerstandsformel" und wurde 1918 zum außerordentlichen Professor ernannt. 1922 folgte er einem Ruf der TH Breslau, wo er 1934 von den Nationalsozialisten in den Ruhestand versetzt wurde. Prof. Noether emigrierte in die Sowjetunion und erhielt eine Professur an der Staatlichen Universität Tomsk in Sibirien, wurde jedoch das Opfer der stalinistischen Säuberungsaktionen und wegen angeblicher Spionage hingerichtet. Erst 1988 rehabilitierte ihn das Oberste Gericht der Sowjetunion.
Fritz Alexander Ernst Noether wurde in eine mathematisch hochbegabte jüdische Familie geboren: Sein Vater Max Noether (1844-1921) wurde 1876 als Nachfolger von Prof. Felix Klein (1849-1925) nach Erlangen berufen und gründete dort mit Ida Amalia Kaufmann (1852-1915) aus Köln eine Familie. Nicht nur Max Noether, sondern auch Fritz‘ um zwei Jahre ältere Schwester Amalie "Emmy" Noether (1882-1935) wurde eine international bekannte Naturwissenschaftlerin. Nach dem Abitur 1903 in Erlangen und dem Militärdienst studierte Noether seit 1904 in Erlangen und München die Fächer Mathematik und Physik. 1909 promovierte er mit einer Arbeit "Über rollende Bewegung einer Kugel auf Rotationsflächen", die wesentliche Ideen dem theoretischen Physiker Arnold Sommerfeld (1868-1951) verdankte.
Bei der Herausgabe von Kleins und Sommerfelds Monographie "Über die Theorie des Kreisels" (1910) kam es zu einer engen Zusammenarbeit zwischen Noether und Sommerfeld. Das Kapitel "Die technischen Anwendungen der Kreiseltheorie" trägt im wesentlichen die Handschrift des jungen Wissenschaftlers. Nach einer Tätigkeit als Assistent von Prof. Karl Heun (1859-1929) in Göttingen habilitierte er sich 1911 an der TH Karlsruhe mit der Schrift "Über den Gültigkeitsbereich der Stokesschen Widerstandsformel" und wirkte anschließend als Privatdozent, bis er 1918 zum Extraordinarius (außerordentlicher Professor) ernannt wurde. Im Ersten Weltkrieg wurde Noether verwundet und von der OHL bei der ballistischen Forschung eingesetzt. Fritz Noether ließ sich 1921 wegen einer Tätigkeit für den Siemens-Konzern beurlauben und nahm 1922 den Ruf auf den Zweiten Lehrstuhl für Höhere Mathematik (und Mechanik) an der TH Breslau an. Die neuen NS-Machthaber versetzten ihn 1934 aufgrund der neuen antisemitischen Gesetze vorzeitig in den Ruhestand. Seine Schwester Emmy Noether war bereits im Jahr zuvor in die USA emigriert.
Im Gegensatz zu seiner Schwester wandte Fritz Noether an die Sowjetunion, wo er eine Professur am Institut für Mathematik und Mechanik an der sibirischen Universität Tomsk erhielt. Die wissenschaftlich bedeutendsten Leistungen Fritz Noethers liegen auf dem Gebiet der Funktionalanalysis. Er gilt als Erfinder der nach dem schwedischen Mathematiker Ivar Fredholm benannten Fredholm-Operatoren. In der russischen Literatur werden diese zumeist als noethersche Operatoren bezeichnet.
Während der stalinistischen "Säuberungen" wurde er vom Geheimdienst NKWD in seiner Wohnung in Tomsk wegen angeblicher Spionage für Deutschland verhaftet und zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt. In einem Brief vom 28. April 1938 an den Sowjetischen Außenminister Maxim Litwinow setzte sich Albert Einstein (1879-1955) vergeblich für Noether ein, dessen weiteres Schicksal lange im Dunkeln blieb. Erst nach der Öffnung der sowjetischen Archive während der Perestroika- Regierung Michail Gorbatschows wurde bekannt, dass Noether nach dem Kriegsbeginn zwischen Deutschland und der Sowjetunion im Sommer 1941 wegen angeblicher antisowjetischer Propaganda zum Tode verurteilt und im Geheimen hingerichtet wurde. Erst 1988 hob das Oberste Gericht der Sowjetunion das Urteil auf und rehabilitierte den Mathematiker. Sein Grab ist unbekannt.
(Nach Rudolf Fritsch)
Weiterführende Links
- Rudolf Fritsch: "Noether, Fritz". In: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 321-322.
- Gottfried E. Noether: FRITZ NOETHER (1884 - 194?). In: Integral Equations and Operator Theory 8 (1985), S. 574-576.
- J J O'Connor / E F Robertson: Fritz Alexander Ernst Noether (School of Mathematics and Statistics University of St Andre
Quellen
GND: 117717215