Biografien
Menschen aus Bayern

Max Noether Mathematiker, formulierte den "Noetherschen Fundamentalsatz"

geboren: 24.09.1844, Mannheim
gestorben: 13.12.1921, Erlangen

Wirkungsort: Erlangen

Max Noether entstammte einem großbürgerlichen jüdischen Elternhaus, erkrankte jedoch an Kinderlähmung und blieb von seinem 14. Lebensjahr an gehbehindert. Bevor er 1865 ein Mathematikstudium aufnahm (Schwerpunkt theoretische Physik, algebraische Geometrie), verbrachte Noether ein Jahr an der Sternwarte Mannheim. Nach Studien an den Universitäten Heidelberg, Gießen und Göttingen erhielt der 1868 promovierte Mathematiker einen Ruf an die Universität Erlangen, wo er 1888 ordentlicher Professor wurde. Internationale Anerkennung gewann er für seine Forschungen auf dem Gebiet der algebraischen Funktionentheorie. Aus seiner 1880 mit Ida Amalia geb. Kaufmann (1852-1915) geschlossenen Ehe stammte die Mathematikerin Amalie "Emmy" Noether (1882-1935), die 1933 in die USA emigrierte, und der Mathematiker Fritz Noether (1884-1941), der im sowjetischen Exil ermordet wurde. 

Die Familie Noether stammte aus Bruchsal und nahm um 1800 den Namen "Nöther" an, dessen Schreibweise sich später änderte. In Mannheim gründeten Joseph und Hermann (Elias) Noether (1807-1894) die Eisenwarengroßhandlung "Joseph Nöther & Cie.". Hermann heiratete Amalie (Malchen) Würzburger (1812-1872), und aus dieser Verbindung wurde Max Noether geboren. Er verbachte seine Jugend in Mannheim, wo er auch an Kinderlähmung erkrankte. Durch die bleibende Gehbehinderung konnte er nicht mehr die öffentliche Schule besuchen und erhielt Privatunterricht.

Er studierte nach dem Abitur von 1865 bis 1866 an der Sternwarte von Mannheim Astronomie. Zwischen 1866 und 1869 setzte er diese Studien in Gießen, Göttingen und Heidelberg fort; 1868 promovierte er an der Heidelberger Universität in Naturwissenschaften. Max Noether lebte und arbeitete in einer Zeit, in der die Mathematik in Deutschland auf einem Höhepunkt stand. Er wurde zu einem führenden Mathematiker auf dem Gebiet der algebraischen Geometrie. Das Jahrzehnt zwischen 1869 und 1879 war wohl das wichtigste in seiner Forschungstätigkeit. 1870 habilitierte er sich in Heidelberg mit einer Arbeit "Über Flächen, welche Scharen rationaler Kurven besitzen". 1873 fand er den beweis für den Satz, der heute in der algebraischen geometrie als "Noetherscher Fundamentalsatz" bezeichnet wird.

Im Jahr 1874 wurde Dr. Max Noether Extraordinarius in Göttingen. In dieser Zeit entwickelte sich die Universität Erlangen zu einem wichtigen Zentrum der mathematischen Forschung. Sie verdankte das vor allem zwei führenden Mathematikern, die dort arbeiteten: Karl von Staudt (1798-1867), der ab 1835 in Heidelberg wirkte, und Felix Klein (1849-1925), der zwischen 1872 und 1875 in Erlangen lebte. Er legte das "Erlanger Programm" vor, indem er darauf hinwies, dass die verschiedenen Geometrien als Invariantentheorie der zugehörigen Transformationsgruppen aufzufassen seien. Bevor Klein Erlangen verließ und einem Ruf nach München folgte, stellte er sicher, dass Paul Albert Gordan und Max Noether – beide Juden – als Nachfolger nach Erlangen berufen wurden.

Gordan kam 1874 nach Erlangen, ein Jahr später folgte Noether als Extraordinarius (Außerordentlicher Professor). Max Noether blieb bis zu seinem Tod in Erlangen. Er gründete hier eine Familie und erreichte den Gipfel seiner Laufbahn. 1880 heiratete er Ida Amalia Kaufmann (1852-1915) aus Köln, aus der Ehe gingen vier Kinder hervor: Die spätere Mathematikerin Amalie "Emmy" Noether (1882-1935), die 1933 in die USA emigrierte, Alfred Noether (1883-1918), der im Weltkrieg fiel, der Mathematiker Fritz Noether (1884-1941), der im sowjetischen Exil ermordet wurde, sowie Robert Gustav Noether (1889-1928).

Im Jahr 1888 wurde Prof. Noether zum Ordinarius (ordentlichen Professor) berufen. Ab 1887 war er korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und außerdem Mitglied der Akademien in Berlin (1896), Budapest, Kopenhagen und Turin, der Académie des sciences (Paris) und der Accademia Nazionale dei Lincei (Rom), der Gesellschaft der Wissenschaften in Göttingen (1892) und der London Mathematical Society (ab 1913 Ehrenmitglied). Er war ehrenhalber Herausgeber der "Rendiconti del Circolo Matematico di Palermo" und Mitherausgeber der Mathematischen Annalen. Er führte den Titel Geheimer Hofrat. In seinen letzten Lebensjahren beschäftigte er sich auch mit der Wissenschaftsgeschichte und erarbeitete einen Index zu Leonardo da Vincis "Codice Atlantico". 1919 wurde er emeritiert und starb zwei Jahre später in Erlangen.


Aus: Haus der Bayerischen Geschichte (Hg.) / Manfred Treml / Wolf Weigand: Geschichte und Kultur der Juden in Bayern, Bd. 2: Lebensläufe. München 1988 (= Veröffentlichungen zur Bayerischen Geschichte und Kultur 18), S. 179-182.


(Michael Segre)

Literatur

  • Michael Segre: Max und Emmy Noether (1844-1921 und 1882-1935), Mathematiker. In: Haus der Bayerischen Geschichte (Hg.) / Manfred Treml / Wolf Weigand: Geschichte und Kultur der Juden in Bayern, Bd. 2: Lebensläufe. München 1988 (= Veröffentlichungen zur Bayerischen Geschichte und Kultur 18), S. 179-182.

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