geboren: 14.03.1879,
Ulm
gestorben: 18.04.1955,
Princeton
Wirkungsort:
München | Zürich & Bern | Berlin | Princeton
Die Familie Einstein war ein alteingesessene jüdische Familie aus Schwaben. Albert Einstein wurde in Ulm (Baden-Württemberg) geboren, doch schon im Juni 1880 zogen seine Eltern nach München. Albert verbrachte dort seine Kindheit und besuchte das Luitpold-Gymnasium, das seit dem Jahr 1965 ihm zu Ehren Albert-Einstein-Gymnasium heißt. Von 1894 bis 1914 lebte und arbeitete Albert Einstein in der Schweiz und Österreich, anschließend in Berlin. Einstein begründete 1905/1915 die physikalische Relativitätstheorie. 1921 wurde er mit dem Nobelpreis geehrt. Nach der NS-Machtübernahme emigrierte er in die USA, wo er einem Ruf der Princeton University folgte. Seine Forschungen zur Struktur von Materie, Raum und Zeit sowie zum Wesen der Gravitation veränderten das moderne Weltbild in einer Weise, deren langfristige Folgen für die Menschheit noch gar nicht absehbar sind.
Albert Einstein wurde als älteres von zwei Kindern des strenggläubigen jüdischen Kaufmanns Hermann Einstein (1847-1902) und dessen Frau Pauline geb. Koch (1858-1920) in Ulm geboren. Im Juni 1880 zog die Familie Einstein aufgrund geschäftlicher Interessen des Vaters nach München. Die Familie wohnte in der Adlzreiter Straße 12, wo heute eine Gedenktafel angebracht ist. Hermann baute in Zusammenarbeit mit seinem Bruder Jakob Einstein (1850-1912) ein äußerst erfolgreiches Familienunternehmen auf, das in den folgenden Jahren zahlreiche Kraftwerke im Raum München mit elektrischen Geräten beliefern sollte. Dass Albert seinem Vater bei der Installation der ersten elektrischen Lichter auf dem Oktoberfest zur Hand ging, bleibt wohl eine Münchner Legende. Albert Einstein besuchte zunächst die Volksschule, wo man ihm eine "Entwicklungsschwäche" attestierte, und anschließend das Luitpold-Gymnasium, das ihm zu Ehren seit 1965 "Albert-Einstein-Gymnasium" heißt.
In dieser Zeit zeigte der Junge gute Leistungen in den naturwissenschaftlichen Fächern, Anzeichen für eine außergewöhnliche Begabung gab es jedoch nicht. Die Eltern zogen mit der jüngeren Schwester im Jahr 1894 nach Mailand. Albert Einstein blieb zunächst in München, um seine Schulausbildung zu beenden. Da er jedoch mit den Lehrern und dem strikten Erziehungssystem in Konflikt geriet, beschloss er im Alter von sechzehn Jahren, seine Schulausbildung vorzeitig abzubrechen und ebenfalls nach Italien zu übersiedeln, um dem Militärdienst in Deutschland zu entgehen.
In den nächsten Monaten hielt er sich in der Lombardei auf und arbeitete im Unternehmen seines Vaters. Dieser hegte den Wunsch, dass Albert Einstein das Studium der Elektrotechnik aufnehmen würde, um eines Tages den Familienbetrieb übernehmen zu können. Albert Einstein bewarb sich gegen den Willen des Vaters an der ETH Zürich mit dem Plan, dort Physik zu studieren, wurde aber abgelehnt, da ihm der Schulabschluss fehlte. Im Zuge seiner Studienberechtigungsprüfung zeigte er exzellente Noten in den naturwissenschaftlichen Fächern, bestand jedoch aufgrund seiner schlechten Französischkenntnisse nicht. Daraufhin holte er in Aarau an der Kantonsschule die schweizerische Matura nach, die er im Oktober 1896 mit Auszeichnung bestand. Noch im selben Semester nahm er an der ETH Zürich das Studium auf, das er vier Jahre später als diplomierter Lehrer in den Fächern Mathematik und Physik abschloss.
Unmittelbar nach seiner Studienzeit versuchte er sich zunächst in Schaffhausen und später in Winterthur als Aushilfslehrer, diese Tätigkeit gab er aus mangelndem Interesse jedoch bald wieder auf. Im Jahr 1902 erhielt er eine Anstellung am Eidgenössischen Amt für geistiges Eigentum, dem Patentamt in Bern, wo er als technischer Prüfer arbeiten konnte. Ein Jahr zuvor hatte er nach fünf Jahren Staatenlosigkeit die Schweizer Staatsbürgerschaft beantragt und erhalten. Seine erste feste Anstellung in Bern am Patentamt war mit einem regelmäßigen Einkommen verbunden, das es ihm ermöglichte, im Januar 1903 seine Studienkollegin und Lebensgefährtin Mileva Maric (1875-1948) zu heiraten, obwohl beide Familien strikt gegen die Heirat waren. Mit Mileva Maric hatte er zu diesem Zeitpunkt bereits eine einjährige Tochter namens Lieserl, die jedoch entweder verstarb oder zur Adoption freigegeben wurde. Aus der Ehe gingen Hans Albert (1904-1973) und Eduard (1910-1965) hervor. Im Jahr 1919 ließ sich Albert Einstein von Mileva Maric scheiden und heiratete seine Cousine Elsa Löwenthal (1876-1936), die er in Berlin kennengelernt hatte.
Schon während seiner Tätigkeit als technischer Prüfer am Patentamt setzte sich Albert Einstein mit wissenschaftlichen Fragen auseinander, was im Jahr 1905 zu einer ersten wichtigen Publikation, nämlich einem Beitrag über den Photoeffekt führte. Darin erklärte Einstein anhand der Einwirkung von Licht- oder Röntgenstrahlung auf die Oberfläche eines Körpers die Photoemission, im Zuge derer sich Teilchen aus atomaren Verbindungen lösen. Im September desselben Jahres erschienen zwei weitere Arbeiten, die bereits die Grundzüge seiner Relativitätstheorie sowie die berühmte Formel E=mc² beinhalteten. Einstein hatte sich lange Zeit mit den Naturgesetzen nach Isaac Newton und den Beobachtungen des Physikers Albert Michelson auseinandergesetzt und dabei festgestellt, dass die gemessene Lichtgeschwindigkeit immer konstant blieb, woraus er folgerte, dass Zeit und Raum keine wie bis dahin angenommen absoluten Dimensionen darstellen. Dies führte zur Entwicklung jener heute jedem Physikschüler bekannten Formel, mit der er die Unterscheidung von Energie und Materie aufhob. Die Formel besagt, dass die Energie eines Teilchens in Ruheposition von dessen Masse festgelegt wird.
Im Jahr 1905 promovierte Albert Einstein schließlich zum Doktor und habilitierte an der Universität Bern drei Jahre später. Dies führte dazu, dass er seine Tätigkeit am Patentamt aufgab und sich um eine wissenschaftliche Karriere bemühte. 1908 wurde er Professor an der Universität Bern, 1911 ging er für ein Jahr an die k.u.k. Deutsche Universität in Prag, wofür er durch Kaiser Franz Joseph I. die österreichische Staatsbürgerschaft erhielt. Die nächsten Jahre verbrachte er an der Universität Zürich als außerordentlicher Professor für Theoretische Physik, um schließlich nach Berlin zu gehen. Zunächst wurde er dort zum Mitglied der Akademie der Wissenschaften ernannt, im Jahr 1917 wurde ihm auch die Leitung des Kaiser-Wilhelms-Instituts für Physik übertragen. Während seiner Zeit in Berlin begann er, sich mit politischen Fragestellungen zum Judentum auseinanderzusetzen und entwickelte sich allmählich zum Zionisten.
Mit der Entwicklung seiner allgemeinen Relativitätstheorie setzte er seine Arbeit aus dem Jahr 1905 fort, im Zuge derer er bereits festgestellt hatte, dass in Zeit und Raum immer die gleichen physikalischen Gesetze zum Tragen kommen. Die Relativitätstheorie besagt, dass die Wahrnehmung der gleichen physikalischen Prozesse relativ ist, das heißt abhängig vom jeweiligen Standpunkt unterschiedlich ausfallen kann. Damit revolutionierte Einstein die moderne Physik und das allgemein gültige Weltbild seiner Zeit. Für die Entwicklung der Relativitätstheorie war Albert Einstein schon viele Jahre lang als möglicher Nobelpreisträger im Gespräch, die Verleihung wurde jedoch von einem Mitglied des Komitees wegen Zweifeln an seiner Arbeit wiederholt verhindert. Im Jahr 1922 erhielt Albert Einstein die renommierte Auszeichnung schließlich rückwirkend für das Jahr zuvor, allerdings nicht für seine allgemeine Relativitätstheorie, sondern für seine Arbeit an lichtelektrischen Effekten durch Ablenkung im Gravitationsfeld der Sonne die ihn im Jahr 1919 über Nacht weltberühmt gemacht hatte.
Albert Einstein und seine Familie verließen Deutschland aufgrund der politischen Entwicklungen bereits im Jahr 1932. Er hat danach deutschen Boden nie wieder betreten. Zunächst umwarb das renommierte "California Institute of Technology" (Caltech) in Pasadena bei Los Angeles den international berühmten Physiker, doch dieser entschied sich für einen Ruf an der privaten Eliteuniversität Princeton (New Jersey). Trotzdem bearbeitet eine Arbeitsgruppe im Caltech mit den Collected Papers of Albert Einstein eine Gesamtedition der Korrespondenz aus Einsteins Nachlass vor.
In Princeton forschte er am "Institute für Advanced Studies", welches die bayerisch-stämmige Mäzenin Caroline Bamberger gestiftet hatte, weitgehend erfolglos an der Entwicklung einer Feldtheorie. Aus Angst vor einer atomaren Aufrüstung der Nationalsozialisten schrieb er im ersten Kriegsjahr an Präsident Roosevelt und wies ihn auf die Möglichkeit hin, mit Nuklearenergie eine Atombombe mit großer Zerstörungskraft herstellen zu können. Indirekt ist Einstein dadurch der Vater der Atombombe: Dieser Verantwortung war er sich bis zuletzt nicht völlig im Klaren, oder zog es zumindest vor sie auf eine theoretische Ebene zu reduzieren.
Im Jahr 1952 wurde ihm die Präsidentschaft Israels vorgeschlagen [!], die Albert Einstein jedoch ablehnte. In der sog. McCarthy-Ära 1950-1955, als die USA in der Frühphase des Kalten Krieges in anti-kommunistische Hysterie verfielen, geriet Einstein wegen seiner öffentlich geäußerten Sympathien für den Sozialismus ins Visier der Geheimdienste. In Princeton erlag er am 18. April 1955 inneren Blutungen, die durch ein Aneurysma ausgelöst worden waren. Albert Einsteins Forschung veränderte ein Weltbild, das zuvor zweihundert Jahre lang gültig gewesen war. Viele Wissenschaftler vergleichen die Wirkung der Relativitätstheorie auf die Gesellschaft und Wissenschaft heute mit jener der Kopernikanischen Wende, die im frühen 16. Jahrhundert das allgemeingültige Weltbild ebenfalls für immer veränderte. Die langfristigen Folgen auf die Zukunft der Menschheit lassen sich noch gar nicht absehen.
Bilder
Literatur
- Andrea Kästle: München leuchtete nicht für jeden. Was Gedenktafeln der Stadt verschweigen. München 2024, S. 186-188.
- Hubert Goenner: Albert Einstein. München 2015 (= Beck'sche Reihe 2839).
- Ernst-Freiberger-Stiftung (Hg.): Albert Einstein. Berlin 2012.
- Johannes Wickert: Albert Einstein. 2. erw. Aufl. Reinbeck 2005 (= Rowohlts Monographien 50666).
Weiterführende Links
Quellen
GND: 118529579