Transkription

( C.) In nomine sanctae et individuae trinitatis. Heinricus divina favente clementia rex. Omnium dei nostrique fidelium tam futurorum quam presentium sollers industria noverit, qualiter nos ob amorem ac peticionem Agnetis reginae nostrae contectalis dilectae et Heinrici ducis Sigefrido marchioni iuxta alveum fluminis Danubii in locis conterminis predio Gebehardi Eichstetensis episcopi quindecim areas in longum prope Danubium extensas et retro has triginta regales mansos contra Ungaricam plateam mensuratos, et ab adiacente villa Stillefridę eiusdemque contiguis terminis iuxta Maraham areas viginti in longitudinem porrectas centumque regales mansos retro predictas areas contra Ungaricam plateam respicientes, et, ubi finiantur termini proxime villae quae adiacet Stille fidae a infra Maraham et Zaiam nec non Svlzaha atque iuxta eadem loca et flumina, ubicumque sibi per nostrum nuncium inibi demonstrentur, alios centum regales mansos in marcha et in comitatu prenominati marchionis sitos in proprium tradidimus et in eius
ius atque dominium liberaliter transfudimus cum omnibus suis appendiciis, hoc est areis terris cultis et incultis pratis pascuis agris campis aquis aquarumque decursibus molis molendinis piscationibus silvis venationibus exitibus et reditibus viis et inviis quaesitis et inquirendis, cum omni utilitate, quae ullo modo inde poterit provenire, ea videlicet ratione ut predictus Sigefridus marchio de prefato predio liberam dehinc potestatem habeat obtinendi tradendi commutandi precariandi vel quicquid sibi placuerit inde faciendi. Et ut heac a regiae nostrae tradicionis liberalis auctoritas stabilis et inconvulsa per succedentium momenta temporum maneat, hanc cartam inde conscriptam manu propria, ut infra poterit videri, corroborantes sigilli nostri impressione iussimus signiri.
Signum domni Heinrici tercii ( M.) regis invictissimi. ( SMP.)
Theodericus cancellarius vice Bardonis archicancellarii recognovit. ( SR.) ( SI. 1.)
Data id. iul. b anno dominicae incarnationis MXLV, indictione XIII, anno autem domni Heinrici tercii ordinationis eius XVI, regni vero eius VII ; actum Aqvisgrani b palatio b ; in dei nomine feliciter amen.

(aus: Monumenta Germaniae Historica DD Heinrich III, Nr. 141)
www.dmgh.de


Übersetzung

König Heinrich III. überträgt dem Markgrafen Siegfried 15 Hofstätten an der Donau neben der Besitzung des Bischofs Gebhard von Eichstätt, dahinter 30 Königshufen in der Richtung auf die Ungarnstraße, 20 Hofstätten an der March von dem Stillfried nächstgelegenen Dorfe ab, dahinter 100 Königshufe in der Richtung auf die Ungarnstraße und von den Grenzen jenes Dorfes ab 100 Königshufen zwischen March, Zaya und Sulzbach, die durch einen Königsboten anzuweisen sind.

Aachen, 15. Juli 1045; Landesausstellung 2012: Bayern und Österreich im Mittelaltersterreichisches Staatsarchiv, Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien (AUR 83, 1045 VII 15)

Im Namen der heiligen und unteilbaren Dreifaltigkeit. Heinrich, König durch Gottes wohlwollende Güte.
Alle Getreuen Gottes und unserer Person, sowohl der künftigen als auch der gegenwärtigen, mögen ausdrücklich wissen, dass wir aus Liebe zu Königin Agnes, unserer geliebten Gemahlin, und auf ihre Bitte hin und die des Herzogs Heinrich dem Markgrafen Siegfried angrenzend an das Flussbett der Donau, in der an dem Besitztum des Bischofs Gebhard von Eichstätt angrenzenden Gegend, 15 Hufen entlang der Donau und dahinter 30 königliche Hofstätten an der Straße nach Ungarn und vom angrenzenden Landgut des Stillefried und dessen anliegendem Grenzgebiet an der March 20 sich in die Länge ziehende Hufen und 100 königliche Hufen hinter den oben erwähnten Hofstätten entlang der Straße nach Ungarn und, wo die Grenzen sehr nahe von diesem Landgut des Stillefried verlaufen innerhalb der March und der Zaya und der Sulzbach und an ebendiesem Gebiet und Flüssen, die sich nach unserer Mitteilung dort befinden, weitere 100 königliche Hofstätten an der March und in der Grafschaft des oben genannten Markgrafen in dessen Eigentum übergeben und die Rechtszugehörigkeit und das Eigentumsrecht frei übertragen mit allen seinen Anhängen. Das heißt mit den Hofstätten, bebautem und unbebautem Land, Wiesen, Weiden, Äckern, Feldern, Gewässern und Wasserläufen, den mahlenden Mühlen, Fischereien, Wäldern, Ausgängen und Rückwegen, Wegen und unwegsamem Gelände, dem erschlossenen Land und mit allem Nutzen, der daraus in irgendeiner Weise entstehen wird. Der oben genannte Markgraf soll mit Vernunft über die oben genannten Ländereien verfügen, ob er diese behält, übergibt, verändert oder damit macht, was immer ihm gefällt. Und damit diese Berechtigung der freien Übergabe meines Königreichs dauerhaft und unumstößlich über den Verlauf der Jahre hin besteht, haben wir die deshalb ausgestellte Urkunde durch Aufdrücken unseres Siegels zu beglaubigen befohlen.
Zeichen des Herrn Heinrich III., des unbesiegten Königs.
Ich, Theoderich, Kanzler, habe anstatt des Erzkanzlers Bardo die Richtigkeit geprüft. Gegeben am 15. Juli im Jahre 1045 der Fleischwerdung des Herrn, in der 13. Indiktion, aber im 16. Jahr der Einsetzung des Herrn Heinrichs III., aber im 6. der Regierung. Geschehen im Palast zu Aachen. Im Namen des Herrn Amen.

Übersetzung: Paul Kink, Maisach



Der Aufbau einer mittelalterlichen Urkunde

Urkunden dienten und dienen der Rechtssicherheit; feste Formeln sichern ihre Rechtswirksamkeit. Sie sind die wichtigsten Quellen für die Erforschung des Mittelalters. Geschrieben wurde sie in der königlichen Kanzlei. Die mittelalterlichen Urkunden haben einen dreiteiligen Aufbau: das eröffnende Protokoll, die Beschreibung des eigentlichen Rechtsakts im Kontext und das abschließende Eschatokoll.

Das Protokoll umfasst Chrismon und Invocatio.



Das Chrismon ist ein verschlungenes c-förmiges zeichen. Mit der Invocatio "In nomine sanctae et individuae trinitatis" wird gemäß dem mittelalterlichen herrschaftsverständnis Gott angerufen und zum Ausdruck gebracht, dass der König "im Namen der heiligen und unteilbaren Dreifaltigkeit" handelt.



In der anschließenden Intulatio nennt sich der König oder Kaiser, hier Heinrich II. als "Heinricus divina favente clementia rex", "Heinrich, König durch Gottes wohlwollende Güte". Das ist die jahrhundertelang geltende Titulatur.

Im Kontext, dem eigentliche Kern der Urkunde, wird mit der Publicatio darauf hingewiesen, dass der Rechtsakt "allen unseren Getreuen jetzt und in Zukiunft bekanntgegben wird: "Notum sit omnibus fidelibus nostris praesentibus scilicet et futuris".
In der Arenga oder Narratio wird die Rechtsgrundlage dargelegt. Der eigentliche Inhalt der Urkunde, zum Beispiel ein Grundstücksgeschäft, ist in der Dispositio niedergelegt. nimmt ausgeführt, gefolgt von der Pertinenzformel, in der die einzelnen in Frage stehenden Rechte formelhaft aufgezählt werden.
Mit der Corroboratio endet der urkundentext. Diese lautet formelhaft so: "Et ut haec nostrae auctoritatis pagina stabilis permaneat, eam manu propria roborantes sigilli nostri impressione iussimus insigniri" – "Um der Autorität … feste und unerschütterliche Dauer zu verleihen, haben Wir befohlen, diese durch Unsere eigenen Hand durch das Eindrücken Unseres Siegels zu unterzeichnen".


Im Eschatoll steht nun die Signumzeile. In dem aus den Buchstaben seines Namens zusammengezogenen Namenszeichen setzte der Herrscher von eigener Hand den sogenannten Vollziehungsstrich ein – eine kunstvolle Unterschrift, die beeindruckt.
Damit aber noch nicht genug. Die Rekognitionszeile stellt den Kanzleivermerk dar. Sie gibt Auskunft, welcher Kanzler und Erzkapellan als Notar an der Urkunde beteiligt war.
Nun wurde das Siegel angebracht – ein Abdruck der königlichen Petschaft auf Wachs oder Metall, das an einer Schnur angehängt oder durch einen Schlitz im Pergament gedrückt wurde. Im Siegelbild bleibt der Herrscher seinen Getreuen sozusagen als Person präsent. Ab dem 11. Jahrhundert zeigt es den Herrscher meist auf dem Thron sitzend.


Abgeschlossen wird das Eschatokoll mit Datum und Actum, also Ausstellungsdatum und Ausstellungsort, wobei die Datierung höchst kompliziert war. Angegeben werden die christliche Zeitrechnung, die antik-kaiserliche Steuereinteilung, genannt "Indiktion" sowie die eigenen Herrscherjahre. Das hier gezeigte Beisiel ist datiert auf: "Data kal. iul. anno dominicae incarnationis MII, indictione XV, anno vero domni Heinrici regis I; actum Suntheime", also "Gegeben an den Kalenden des Juli im Jahr 1002 der Fleischwerdung des Herrn (=1.7.1002), in der 15. Indiktion, im ersten Jahr des Herrn Königs Heinrich, geschehen zu Sontheim".


(Haus der Bayerischen Geschichte, www.hdbg.de.)




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