Urkunde

Transkription

In nomine domini nostri Iesu Christi dei omnipotentis. Hludouuicus a divina largiente b gratia rex Baioariorum c. Si liberalitatis nostrae munere de beneficiis a deo nobis conlatis locis sanctorum quiddam conferimus, id nobis procul dubio ad aeternae remunerationis praemia capessenda profuturum liquido credimus. Proinde conperiat omnium fidelium d sanctae dei ecclesiae nostrorumque praesentium scilicet et futurorum industria, quia nos pro mercedis nostrae augmento concessimus d sanctae Reginesburgensis e ecclesiae, quae est constructa in honore sancti Petri principis apostolorum et sancti. Emmerammi, ubi etiam idem beatissimus martyr Christi corpore quiescit humatum f, cui praesenti tempore venerabilis vir d Baturicus episcopus auctore deo praeesse videtur, quasdam res proprietatis nostrae, quae sunt in provintia Auarorum, id est g locum, ubi antiquitus castrum fuit qui dicitur Herilungoburgh, cum reliquis adiacentiis in circuitu, quarum terminia sunt ab eo loco, ubi Erlafa i in Danubium cadit, sursum per ripam eiusdem fluminis usque ad locum qui dicitur Erdgastegi k, et ab eodem flumine in orientali parte usque in medium montem qui apud Uuinades Colomezza vocatur, ubi in duabus larboribus evidentia signa monstrantur, et ab eo loco in parte aquilonis usque in Danubium m et ad meridiem et occidentem per verticem montis, sicut evidentia arborum signa demonstrant, usque ad supradictum locum Erdgastegi m. Has itaque res cum Sclavis ibidem commanentibus cum domibus aedificiis terris cultis et incultis pratis pascuis silvis aquis aquarumve decursibus adiacentiis perviis exitibu[s] et regressibus, quantumcumque infra praedicta terminia continentur, totum et ad d integrum praedictae ecclesiae perpetuo ad habendum concessimus et de nostro iure in ius et dominationem eius liberalitatis nostrae munere contulimus, ita videlicet ut quicquid n ab hodierno die et tempore de praedictis rebus et mancipiis rectores et ministri memoratae sedis ob utilitatem et commoditatem eiusdem o ecclesiae facere vel iudicare voluerint, libero in omnibus per fruantur arbitrio faciendi quicquid elegerint. Et ut haec auctoritas largitionis nostrae pper curricula annorum inviolabilem atque inconvulsam obtineat firmitatem, manu propria subter q firmavimus et anuli nostri inpressione signari iussimus. ( NT.: idem domnus rex scribere iussit.) Signum r ( MF.) Hludouuici gloriosissimi regis.
( C.) r Adalleodus diaconus advicem Gauzbaldi recognovi et ( SR. NT.: Adalleodus diaconus advicem Gausbaldi recognovi et subscripsi; idem domnus rex [scribere iussit].)
( SI. 1.) Data II non. octubr. s anno XVIIII imperii domni Hludouuici serenissimi augusti et anno t VII regni nostrit, indictione XI ; actum Reginesburg u civitate ; in dei nomine feliciter amen.

(aus: Monumenta Germaniae Historia DD Ludwig der Deutsche 8) www.dmgh.de


Übersetzung

Ludwig der Deutsche überträgt der Kirche in Regensburg den Ort „Herilungoburg“ (Pöchlarn) im Awarenland mit umgrenztem Gebiet und den dort wohnenden Slawen.
Regensburg, 6. Oktober 832; Bayerisches Hauptstaatsarchiv, München (Reichsstift St. Emmeram Urkunden 3)
Im Namen unseres allmächtigen Gottes Herrn Jesus Christus. Ludwig, König der Bayern durch göttlich geschenkte Gnade.
Wenn wir durch unsere Schenkung von den uns von Gott übergebenen Orten der Heiligen einige zum Lehen überlassen, glauben wir zweifelsohne, dass uns dies zum ewigen Lohn gereichen wird. Alle unsere Getreuen jetzt in der Gegenwart und in Zukunft mögen im Folgenden ausdrücklich erfahren, dass wir zur Vermehrung unseres Ansehens der heiligen Kirche zu Regensburg, die zu Ehren des heiligen Petrus, dem Oberhaupt der Aposteln, und des heiligen Emmeram erbaut wurde, wo auch die Gebeine des seligen Märtyrers Christi ruhen, deren gegenwärtiges Oberhaupt der ehrwürdige Bischof Baturicus ist, folgende Besitztümer aus unserem Eigentum überlassen, die sich im Awarenland befinden, bei denen es sich um einen Ort handelt, wo in früherer Zeit einmal eine Burg namens Herilungoburg [Pöchlarn] war, mit den übrigen Gebieten in der Umgebung von dieser, deren Grenzen von diesem Ort selbst, wo die Erlauf in die Donau fließt, flussaufwärts dem Ufer entlang bis zu einem Ort namens Erdgastegi reichen und vom selben Fluss im östlichen Teil bis zu einem Hügel, der von den Wenden Colomezza genannt wird, wo man in zwei Bäumen markante Zeichen sehen kann, und von diesem Ort im nördlichen Teil bis zur Donau und zum Süden und Westen hin über den Gipfel des Berges, so wie es die markanten Zeichen der Bäume zeigen, bis hin zum oben erwähnten Ort Erdgastegi. Diese Besitztümer mit den dort wohnenden Slawen, den Häusern, Bauwerken, dem bebauten und unbebauten Land, Wiesen, Weiden, Wäldern, Gewässern oder Wasserfällen, der Umgebung, Durchgängen, Ausgängen und Zufluchten, welche alle innerhalb der oben genannten Grenzen liegen, übergeben wir der oben genannten Kirche fortwährend und gänzlich in den unverletzlichen Besitz und übertragen sie durch Schenkung aus unserem rechtlichen Eigentum in deren rechtliches Eigentum und Besitz, sodass, was auch immer vom heutigen Tage an und in Zukunft die Leiter und Diener des erwähnten Ortes zum Nutzen und Vorteil dieser Kirche machen oder urteilen wollen, Handlungsfreiheit genießen bei dem, was sie wählen. Und damit die Rechtmäßigkeit dieser Schenkung durch den Lauf der Jahre hinweg ihre unverletzbare und unumstößliche Gültigkeit beibehält, haben wir unterhalb unterzeichnet und dies durch den Aufdruck unseres Siegels bestätigt. Zeichen des ruhmreichen Königs Ludwig.
Ich, Diakon Adalleodus, habe anstelle des Gauzbald geprüft und unterzeichnet.
Gegeben am 6. Oktober im 19. Jahr der Regentschaft des erhabenen Herrn Ludwig und im 7. Jahr unserer Herrschaft, in der 11. Indiktion. Geschehen in der Stadt Regensburg. Im Namen des Herrn Amen.
Übersetzung: Paul Kink, Maisach


Der Aufbau einer mittelalterlichen Urkunde

Urkunden dienten und dienen der Rechtssicherheit; feste Formeln sichern ihre Rechtswirksamkeit. Sie sind die wichtigsten Quellen für die Erforschung des Mittelalters. Geschrieben wurde sie in der königlichen Kanzlei. Die mittelalterlichen Urkunden haben einen dreiteiligen Aufbau: das eröffnende Protokoll, die Beschreibung des eigentlichen Rechtsakts im Kontext und das abschließende Eschatokoll.

Das Protokoll umfasst Chrismon und Invocatio.



Das Chrismon ist ein verschlungenes c-förmiges zeichen. Mit der Invocatio "In nomine sanctae et individuae trinitatis" wird gemäß dem mittelalterlichen herrschaftsverständnis Gott angerufen und zum Ausdruck gebracht, dass der König "im Namen der heiligen und unteilbaren Dreifaltigkeit" handelt.



In der anschließenden Intulatio nennt sich der König oder Kaiser, hier Heinrich II. als "Heinricus divina favente clementia rex", "Heinrich, König durch Gottes wohlwollende Güte". Das ist die jahrhundertelang geltende Titulatur.

Im Kontext, dem eigentliche Kern der Urkunde, wird mit der Publicatio darauf hingewiesen, dass der Rechtsakt "allen unseren Getreuen jetzt und in Zukiunft bekanntgegben wird: "Notum sit omnibus fidelibus nostris praesentibus scilicet et futuris".
In der Arenga oder Narratio wird die Rechtsgrundlage dargelegt. Der eigentliche Inhalt der Urkunde, zum Beispiel ein Grundstücksgeschäft, ist in der Dispositio niedergelegt. nimmt ausgeführt, gefolgt von der Pertinenzformel, in der die einzelnen in Frage stehenden Rechte formelhaft aufgezählt werden.
Mit der Corroboratio endet der urkundentext. Diese lautet formelhaft so: "Et ut haec nostrae auctoritatis pagina stabilis permaneat, eam manu propria roborantes sigilli nostri impressione iussimus insigniri" – "Um der Autorität … feste und unerschütterliche Dauer zu verleihen, haben Wir befohlen, diese durch Unsere eigenen Hand durch das Eindrücken Unseres Siegels zu unterzeichnen".


Im Eschatoll steht nun die Signumzeile. In dem aus den Buchstaben seines Namens zusammengezogenen Namenszeichen setzte der Herrscher von eigener Hand den sogenannten Vollziehungsstrich ein – eine kunstvolle Unterschrift, die beeindruckt.
Damit aber noch nicht genug. Die Rekognitionszeile stellt den Kanzleivermerk dar. Sie gibt Auskunft, welcher Kanzler und Erzkapellan als Notar an der Urkunde beteiligt war.
Nun wurde das Siegel angebracht – ein Abdruck der königlichen Petschaft auf Wachs oder Metall, das an einer Schnur angehängt oder durch einen Schlitz im Pergament gedrückt wurde. Im Siegelbild bleibt der Herrscher seinen Getreuen sozusagen als Person präsent. Ab dem 11. Jahrhundert zeigt es den Herrscher meist auf dem Thron sitzend.


Abgeschlossen wird das Eschatokoll mit Datum und Actum, also Ausstellungsdatum und Ausstellungsort, wobei die Datierung höchst kompliziert war. Angegeben werden die christliche Zeitrechnung, die antik-kaiserliche Steuereinteilung, genannt "Indiktion" sowie die eigenen Herrscherjahre. Das hier gezeigte Beisiel ist datiert auf: "Data kal. iul. anno dominicae incarnationis MII, indictione XV, anno vero domni Heinrici regis I; actum Suntheime", also "Gegeben an den Kalenden des Juli im Jahr 1002 der Fleischwerdung des Herrn (=1.7.1002), in der 15. Indiktion, im ersten Jahr des Herrn Königs Heinrich, geschehen zu Sontheim".


(Haus der Bayerischen Geschichte, www.hdbg.de.)




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