Kloster auf dem Kreuzberg ? eifrige Seelsorger für die Wallfahrer und die Gemeinde
Die Anregung zur Gründung eines Männerklosters an der Wallfahrtsstätte Hl. Kreuz in Pleystein stammte von dem Mettener Benediktinerpater Ildephons Lehner, der 1813 in Pleystein geboren wurde. Er hatte bereits vor seinem Eintritt in den Orten 1844 mittels einer Stiftung die Niederlassung der Armen Schulschwestern in seinem Heimatort ermöglicht. Lehner starb 1899, ohne dass sein Plan hätte realisieren werden können. Anfragen an den Kapuziner-, den Franziskanerorden, die Serviten, die Steyler Missionare und die Redemptoristen hatten keinen Erfolg gebracht. 1897 wandte sich die Stadt an die Augustiner und erhielt im August 1898 von Provinzial P. Pius Keller die Zusage, dass der Orden das zukünftige Kloster an der Wallfahrtskirche übernehmen will. Die Niederlassung musste aber Platz für drei Patres, drei Brüder und einige Gastzimmer bieten, über eine Wasserleitung verfügen und einen Garten haben. Als Existenzgrundlage der Einrichtung sollte das Pleysteiner Frühmessbenefizium dienen. Großzügige Stiftungen durch Johann Kam aus Buffalo (USA) und Frau Kunigunde Schrobenhauser aus München legten den Grundstock für die Finanzierung der Baukosten. Die Pläne lieferten 1899 die Architekten Joseph Koch und Heinrich Hauberisser aus Regensburg. Ab 1901 wurde das Konventgebäude erstellt. Ein verheerender Brand, dem die halbe Stadt und auch die Wallfahrtskirche Hl. Kreuz zum Opfer fielen, verursachte eine Unterbrechung der Bauarbeiten. Das zuerst im romanischen Stil geplante Haus wurde dann in Abstimmung mit dem benachbarten neuen Kirchenbau in neobarocker Formensprache ausgeführt. Es entstand eine mehrflügelige zweigeschossige Anlage mit Walmdächern, geschweiftem Giebel über dem Rundbogenportal und einem runden Eckturm mit Glockenhaube nach Süden. Die Stuckarbeiten übernahm der Regensburger Bildhauer Jakob Grau. 1902 war der Rohbau fertiggestellt. Am 29. August 1903 empfingen die Stadtoberen, die örtliche Geistlichkeit und die gesamte Bürgerschaft den erste Prior P. Marianus Eder und die übrigen Ordensmitglieder. Ihr Einzug in das neue Kloster neben der Wallfahrtskirche wurde mit großen Feierlichkeiten begangen.
In der Folgezeit entwickelte sich ein herzliches Verhältnis zwischen dem Augustinerkloster auf dem Kreuzberg und der Bevölkerung. Die Einwohner tätigten viele Jahrtagsstiftungen, Messspenden und Schenkungen, die den Unterhalt der Klostergemeinschaft auch in finanziell schwierigen Zeiten sicherten. Die Augustiner engagierten sich mit großem Eifer in der Seelsorge der Wallfahrer und der Bevölkerung. und trugen tatkräftig zur feierlichen Gestaltung der Kreuzbergfeste und zum Ansehen ihrer Wirkungsstätte bei. So verfasste Fr. Joachim Döppler zum 100jährigen Jubiläum der Kreuzbergkirche 1914 eine historische Abhandlung über den Sakralbau und die einstige Burg. P. Hieronimus Wenzl erforschte mit großem Erfolg das Quarzgestein des Kreuzberges. Ein neu entdecktes Mineral wurde nach ihm „Wenzelit“ benannt. P. Bartholomäus Lunz organisierte die Restaurierung der Kirche und ließ einen Freialtar errichten. Der vorbildliche Lebenswandel der Augustiner regte eine Reihe von Pleysteinern dazu an, geistliche Berufe zu ergreifen. Beispielsweise stammten P. Dr. Ferdinand Lang, ab 1947 Provinzial der deutschen Augustinerprovinz, und P. Berthold Meier, seit 1977 Missionar in Afrika, aus dem Ort.
Letztlich zwang jedoch der stark zurückgehende Ordensnachwuchs die Augustiner dazu, nach über sechzig Jahren ihre Niederlassung in Pleystein aufzugeben. Am 11. Mai 1965 verließen die letzten beiden Ordensmänner das Kloster auf dem Kreuzberg.
Noch im Mai desselben Jahres übernahmen die „Oblaten des Hl. Franz von Sales“ das Kloster. Im Juli war die Belegung mit 12 Patres, Brüdern und Novizen abgeschlossen. Bei dem mittlerweile notwendig gewordenen Ausbau und den Renovierungen des Hauses arbeiteten die Ordensmitglieder aktiv mit, so dass sich die Kosten im Rahmen hielten. Mitte September 1965 fand die erste Einkleidung von fünf Novizen in der Wallfahrtskirche statt. 1966 wurde der Kongregation auch die Seelsorge der Stadtpfarrei Pleystein übertragen. 1989 begründete der Orden im Kloster ein Noviziat, in dem sich junge Männer auf den geistlichen Beruf vorbereiten können. 2015/16 wurde eine Renovierung des Klosters durchgeführt.
Christine Riedl-Valder