Schwandorf, Dominikanerinnenkloster St. Joseph


 

GESCHICHTE

Schwandorf, Dominikanerinnenkloster St. Joseph ? Pionierinnen der Mädchenbildung

 

Seit 1913 war das Mutterhaus der Dominikanerinnen in Niederviehbach (siehe Niederviehbach, Kloster St. Maria) auf der Suche nach einem Standort für eine Mädchenmittelschule ihres Ordens in der Oberpfalz. Damit wollte der Orden sein Engagement für die Bildung der weiblichen Jugend auf der Grundlage des christlichen Welt- und Menschenbildes weiter ausbauen. Neben Schwandorf zeigten noch Parsberg und die fränkischen Städte Höchstadt an der Aisch und Ellingen Interesse an einer Niederlassung. Die Ordensleitung entschied sich 1914 für Schwandorf. Darüber waren die Stadtoberen hoch erfreut und sicherten dem Orden ihre Unterstützung zu. Sie übereigneten den Dominikanerinnen in der Flur „am Sand“ ein zwei Tagwerk großes Grundstück, auf dem das neue Kloster errichtet wurde. Daneben konnte der Orden noch weitere Flächen günstig erwerben. Architekt Josef Koch aus Regensburg lieferte die Baupläne. Doch der Ausbruch des Ersten Weltkriegs verzögerte das Vorhaben. Erst im Februar 1916 kam es zur Grundsteinlegung; im September 1916 war das Haus bezugsfertig. Am 27. September 1916 trafen die Priorin M. Raymunda Murrer, fünf weitere Schwestern und zwei Laienschwestern in Schwandorf ein und wurden vom Bürgermeister und der Gemeinde in Empfang genommen. Bischof Antonius von Henle vollzog am 1. Oktober 1916 die Einweihung des neuen Klosters St. Joseph mit Schulgebäude und Kirche. Die Karmelitenpatres vom Kreuzberg (siehe dort) verpflichteten sich zur täglichen Messfeier in der Klosterkirche. Bereits am folgenden Tag eröffneten die Schwestern ihre Schule, die anfangs von 60 Mädchen, eingeteilt in zwei Klassen, besucht wurde. Daneben erteilten die Dominikanerinnen auch den Mädchen, die nicht der katholischen Kirche angehörten, Privatunterricht. Aufgrund der vielen Anmeldungen wurde bereits im Januar 1917 beim Ministerium die Führung einer sechstklassigen Mädchenschule beantragt und drei Monate später genehmigt. Damit war die vollständige Ausbildung der Mädchen in Schwandorf gesichert. Im Frühjahr 1918 konnte der Altar in der Klosterkirche aufgestellt werden. Die Mädchen-Mittelschule erhielt 1924 die Klassifizierung zur Höheren Mädchenschule; 1932 zum Lyzeum.

Unter dem NS-Regime gab es ab 1933 viele Einschränkungen. Sie behinderten den Weiterbetrieb der Bildungseinrichtung erheblich. Die Klosterfrauen wurden nun polizeilich überwacht; ab 1936 mussten sie die Unterrichtsgelder versteuern, ab 1937 gab es keine staatlichen Zuschüsse mehr für klösterliche Schulen. Den Beamtenfamilien wurde verboten, ihre Kinder auf katholische Schulen zu schicken. Ab 1938 war die Neuaufnahme von Schülerinnen verboten. Schon zuvor hatte das Mädchenlyzeum einen weltlichen Leiter bekommen. Räume in der Schule und im Kloster mussten für die „Deutsche Oberschule“ freigemacht werden und ein Lazarett wurde eingerichtet. Am 26. August 1939, dem Tag der ersten Mobilmachung, erhielten die Dominikanerinnen die Nachricht, dass ihr Kloster beschlagnahmt ist. Am 3. April 1941 erfolgte die Enteignung. Obwohl sich die Schwestern noch eine Zeitlang gegen diese Maßnahme wehrten, mussten sie letztlich ihr Kloster verlassen. Ein Teil von ihnen fand Aufnahme in einigen Schwandorfer Familien, der Rest kehrte ins Mutterkloster nach Niederviehbach zurück. Am 17. April 1945 wurden bei einem Bombenangriff drei Viertel der Stadt schwer beschädigt oder zerstört. Auch das Kloster- und Schulgebäude der Dominikanerinnen erlitt massive Schäden. Die Klosterkirche hingegen blieb, abgesehen von der Zerstörung des Dachs und der Fenster, weitgehend erhalten..

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs überlegte man damals im Mutterhaus in Niederviehbach, den Standort Schwandorf aufzugeben, Oberin Alfonsia Englmeier entschied sich dann jedoch zum Wiederaufbau. Im Frühjahr 1947 bezogen drei Schwestern die Ruinen; bereits im September 1947 startete wieder der Unterricht mit 70 Schülerinnen. Die vorhandenen Räume musste man sich jedoch noch zwei Jahre lang mit der Oberschule teilen. Sie zog erst im Juli 1949 mit den letzten Klassen aus. In den Folgejahren waren die Dominikanerinnen damit beschäftigt, die Kriegsschäden zu beseitigen. Die beständig ansteigende Zahl der Schülerinnen erforderte auch bald einen Ausbau. Daher legte man 1954 den Grundstein zu einem Gebäudetrakt an der Kreuzbergallee, der sich an das 1947 wieder hergestellte Haus anschloss.1955 konnte Erzbischof Buchberger diesen Erweiterungsbau mit Turnsaal, Handarbeits- und Musikzimmer und weiteren Klassenräumen einweihen. Damals unterrichteten acht Klosterfrauen und fünf weltliche Lehrerinnen 247 Schülerinnen in sechs Klassen. 1965 wurden alle bayerischen Mittelschulen in Realschulen umbenannt; die Schwandorfer Bildungsanstalt erhielt nun den Namen „Viertklassige Mädchenrealschule der Dominikanerinnen St. Joseph“. Mit finanzieller Unterstützung durch die Stadt Schwandorf und staatlichen Zuschüssen wurde 1966 eine Turnhalle errichtet, die auch von der Knabenrealschule benutzt werden durfte. 1970 stand die Renovierung der Klosterkirche St. Joseph an.

In den 1980er-Jahren gehörten neun Dominikanerinnen dem Schwandorfer Konvent an. Die weiter wachsenden Schülerinnenzahlen machten den Bau eines zweiten Anbaus erforderlich. Darin wurden das Lehrerzimmer, ein Medien- und Computerraum und weitere Klassenzimmer untergebracht. Mit diesem Neubau, der im September 1989 bezugsfertig war, hatten die Schwestern ihren Kloster- und Schulkomplex fertiggestellt. In den 1990er Jahren besuchten durchschnittlich 280 Mädchen die Realschule der Dominikanerinnen. Zu dieser Zeit machte sich aber schon der fehlende Ordensnachwuchs bemerkbar. Zur 80-Jahr-Feier des Klosters 1996 lebten noch sechs Schwestern im Kloster, von denen vier unterrichteten. Sie erhielten Verstärkung durch eine Schwester, die für drei Tage in der Woche vom Mutterhaus anreiste, um in Schwandorf als Lehrerin zu arbeiten. Schwester Cornelia Grabmeier war die letzte Dominikanerin, die die Mädchenrealschule bis zu ihrem Ausscheiden aus dem aktiven Schuldienst 1996 leitete. Danach übernahm Schwester Beata Wittmann von den Auerbacher Schulschwestern für zwei Jahre die Leitung. Zum 1. August 1998 ging die Schulleitung in weltliche Hände über.

2002 fasste das Mutterhaus der Dominikanerinnen in Niederviehbach den Entschluss, ihre Schwandorfer Schule aus finanziellen und personellen Gründen zum Ende des Schuljahrs 2002/2003 zu schließen. In einer beispiellosen Rettungsaktion engagierten sich daraufhin die Schulleitung, die Lehrkräfte und der Förderverein, Eltern und Schülerinnen gemeinsam für den Erhalt der Mädchenrealschule. Im April 2003 gab die Diözese Regensburg unter Bischof Prof. Dr. Gerhard Ludwig Müller bekannt, dass sie die Bildungsstätte zum Schuljahr 2003/2004 übernehmen will. Im August 2003 verabschiedeten sich die letzten drei Ordensschwestern von ihrer Wirkungsstätte in Schwandorf und kehrten ins Mutterhaus zurück. Die im gleichen Jahr noch gegründete Schulstiftung der Diözese Regensburg ist seitdem Träger der Mädchenrealschule St. Josef. Sie sichert damit die Zukunft der von den Dominikanerinnen begründeten Bildungseinrichtung, die 2016 ihr 100-jähriges Bestehen feiern konnte.

 

Christine Riedl-Valder



 

SUCHE