Mühldorf Franziskanerkloster


 

GESCHICHTE

Mühldorf am Inn, Franziskanerkloster - tatkräftige Seelsorger in der Stadtpfarrei

 

Nach dem Verlust des Kapuzinerklosters (siehe Mühldorf, Kapuzinerkloster) im Zuge der Säkularisation im Jahr 1802 scheiterten im Laufe des 19. Jahrhunderts mehrere Initiativen zur Wiederansiedlung des Ordens in der Stadt. Diese Bemühungen führten letztlich dazu, dass sich der Franziskanerorden bereit erklärte, in Mühldorf eine Niederlassung zu gründen. Nachdem Bürgermeister Karl Leiseder 1888 in Verhandlungen mit dem Provinzial Leo Seidl getreten war, das Erzbischöfliche Ordinariat München und das Ministerium die Genehmigung in Aussicht gestellt hatten, wurde 1889 mit dem Bau des Klosters begonnen. 1891 kam ein Vertrag zwischen der bayerischen Franziskanerprovinz und der Stadtgemeinde Mühldorf zustande, der dem Orden die Überlassung des neuerbauten Klosters mit Hintergebäude und Garten zur unwiderruflichen und freien Nutznießung bestätigte und mit dem sich der Orden zur dauerhaften Besetzung der Niederlassung mit mindestens zwei Patres und zwei Laienbrüdern verpflichtete. Am 13. August 1891 wurden die ersten vier Franziskaner in ihr neues Kloster eingeführt. Sie übernahmen seelsorgerische Aufgaben innerhalb der Stadtpfarrei und erfüllten die Verpflichtungen des Kooperators und des Bruderschaftsbenefiziums, dessen Erträge ihnen zugesprochen wurden. 1894 übernahmen sie auch den Mesnerdienst in der Marienkirche.

Auf Wunsch der Franziskaner und des Stadtmagistrats kam 1899 ein neuer Vertrag zustande, der die Marienkirche zur Ordenskirche der Franziskaner erklärte und unter die Leitung des Provinzials stellte. Daraufhin erfolgte durch P. Valerian Müller und seine Mitbrüder eine vollständige Erneuerung des Gotteshauses, das nun wieder unter das Patrozinium des Hl. Jakobus gestellt wurde. Die Franziskanerkirche verzeichnete in der Folgezeit bedeutend mehr Zulauf als die Stadtpfarrkirche. 1908 erweiterte der Stadtmagistrat durch Zukauf den Klostergarten und stellte ihn den Patres zur freien Nutzung zur Verfügung. 1926 hat man das Kloster vergrößert. Der Bereich zwischen Kirche und Kloster wurde überbaut und der Kirche entlang ein überdachter Gang zur neuen Sakristei geschaffen. Dadurch wollte man mehr Platz für das Chorgebet, für mehrere neue Zellen und die Aufbewahrung der Kirchen- und Hausgeräte schaffen. Um die Finanzierung dieser Bauvorhaben gewährleisten zu können, musste ein Sammlung durchgeführt werden.

Nach Abschluss der Klostererweiterung bezog ein dritter Ordensgeistlicher die Niederlassung. Er war für die Seelsorge in den auswärtigen Pfarreien zuständig. 1930 kam ein weiterer Pater nach Mühldorf, der die zweite Kooperatur der Stadtpfarrei, die dem Kloster übertragen worden war, übernahm.

1977 musste die Gemeinschaft auf Grund des fehlenden Ordensnachwuchses Mühldorf verlassen. Das ehemalige Franziskanerkloster diente nach dem Abzug der Franziskaner jahrelang als Musikschule, in den Jahren2010/2011 wurde es abgerissen und an der Stelle ein moderner Zweckbau für ein Bekleidungshaus errichtet.

 

Christine Riedl-Valder



 

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