Mallersdorfer Schwestern


 

GESCHICHTE

Mühldorf am Inn, Mallersdorfer Schwestern - Aufopferungsvolle Krankenpflege

 

Das Bruderhaus in Mühldorf wurde 1849 als Stadt- und Distriktkrankenhaus eingerichtet. Seitdem war der Stadtmagistrat auf der Suche nach einer möglichst preiswerten Finanzierung der Krankenpflege in diesem Haus. Da sich eine Beschäftigung der Barmherzigen Schwestern als zu kostspielig erwies, erfolgte 1860 eine Anfrage an die Armen Franziskanerinnen in Pirmasenz. Nachdem es zu einer Einigung über die Arbeitsbedingungen gekommen war, sagte der Orden die Entsendung von drei Schwestern zu Michaeli (29.9.) 1861 zu. Ihre Aufgaben bestanden in der Pflege und Versorgung von zirka 100 Patienten jährlich, sowie der Haushaltsführung des Krankenhauses mit Kochen, Waschen, Putzen und Gartenarbeit. Dafür bot die Stadt jeder Schwester ein festes Gehalt von 200 Gulden und freie Wohnung, Holz und Licht. Das Mutterhaus erhielt jährlich 30 Gulden. Oberin Basilia und ihre beiden Kolleginnen nahmen sofort die Krankenpflege auf. Mühldorf war damit nach Prien und Freising die dritte Filiale der Kongregation in der Erzdiözese München und Freising.

Das Distriktkrankenhaus verzeichnete schon bald eine beständig wachsende Anzahl an Patienten, so dass man eine Erweiterung ins Auge fassen musste. Man erwarb deshalb 1862 einen angrenzenden Getreidestadel und ließ ihn bis 1865 entsprechend umbauen. Da um 1864 der Eisenbahnbau in der Region aufkam, mussten in der Folgezeit auch zahlreiche kranke und verwundete Bahnarbeiter versorgt werden. Ein Vertrag regelte ab 1877 deren Behandlung im Distriktkrankenhaus. 1885 übernahmen drei der Schwestern auch die Alten- und Krankenpflege im Heilig-Geist-Spital (Spitalgasse 11) und ab 1894 boten die Mallersdorfer Schwestern zusätzlich ambulante Krankenpflege in den Mühldorfer Familien an. Ab 1897 führten sie diese Pflege im Auftrag des Vinzenz-Vereins durch.

Die medizinischen Fortschritte in der Krankenpflege erforderten gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine neuartige Ausstattung, dem das Bezirkskrankenhaus nicht mehr gerecht werden konnte. Daher ging man ab 1897 daran, auf einer Anhöhe nordöstlich der Altstadt einen großzügigen, dreistöckigen Krankenhausneubau zu erstellen. Seine Inbetriebnahme erfolgte im Februar 1900. Mit der steigenden Patientenzahl stieg auch der Bedarf an Schwestern. Seit dem Umzug waren acht Schwestern im neuen Hospital tätig. Neun weitere Franziskanerinnen arbeiteten im Heilig-Geist-Spital und in der ambulanten Pflege.

In der Nachkriegszeit stieg durch die Flüchtlingsströme die Bevölkerung in der Stadt und im Landkreis Mühldorf sprunghaft an, so dass man erneut eine Vergrößerung des Krankenhauses in Angriff nehmen musste. Die Erweiterung erfolgte in drei Bauabschnitten und war 1962 fertiggestellt. Die Einweihung fiel damit mit dem 100-jährigen Jubiläum des Konvents der Mallersdorfer Schwestern in Mühldorf zusammen und wurde gebührend gefeiert. Der Konvent unter der Leitung von Oberin Schwester M. Diogna Salzberger bestand damals aus rund 20 Schwestern. Trotz des Rückgangs im Ordensnachwuchs waren zum 125-jährigen Jubiläum des Mühldorfer Konvents 1986 unter der amtierenden Oberin Schwester M. Philothea Gries noch zwölf Arme Franziskanerinnen im Kreiskrankenhaus tätig. Auch im Heilig-Geist-Spital versahen die Mallersdorfer Schwestern weiterhin ihren Dienst. Schwester Maria Joviana Angerer, die 60 Jahre lang im Seniorenheim und in der ambulanten Krankenpflege unermüdlich als Pflegerin tätig gewesen war, erhielt 1996 für ihren aufopferungsvollen Dienst die Ehrenbürgerwürde der Stadt Mühldorf verliehen. Umfangreiche Modernisierungen des Krankenhauses und die Errichtung eines neuen Bettentrakts ab Beginn der 1990er Jahre sorgten dafür, dass die Krankenversorgung in Mühldorf mit den wachsenden Ansprüchen Schritt halten konnte. Die Niederlassung der Armen Franziskanerinnen war jedoch zunehmend mit Nachwuchsproblemen konfrontiert. Im Jahr 2000 wurde die damalige Oberin Schwester Hilarion im Heilig-Geist-Spital in den Ruhestand verabschiedet und der Orden gab seinen Standort in Mühldorf auf.

 

Christine Riedl-Valder



 

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