München, Franziskaner-Tertiaren
Der französische Pastor und Kirchenhistoriker Paul Sabatier (1858-1928) brachte 1893 eine Biografie des hl. Franziskus heraus, die große Verbreitung fand und eine neue franziskanische Bewegung auslöste. Dies führte auch zur Gründung einer nach der franziskanischen Idee und Tradition angelegten Laiengemeinschaft innerhalb der Hugenottenkirche Frankreichs. Davon angeregt, schlug der in München und Marburg tätige Theologieprofessor und Ökumene Friedrich Heiler (1892-1967) vor, einen gleichartigen Orden innerhalb der Evangelischen Landeskirchen in Deutschland ins Leben zu rufen. 1927 gründete er die „Evangelische Franziskanerbruderschaft der Nachfolge Christi“ (Evangelische Franziskaner-Tertiaren = EFT). Sie gehört dem so genannten Drittorden (Tertiaren) an, einem Laienorden für Menschen, die gewillt sind, in ihrem Berufs- und ihrer Familienleben die franziskanische Lebensführung mit den Idealen der Armut, Keuschheit und des Gehorsams, der Demut, Freude und allumfassenden Liebe zu verwirklichen. Die Aufnahme in den Orden erfolgt nach einer mindestens ein-, in der Regel zweijährigen Probezeit (Noviziat) und der Zustimmung durch den Konvent der Tertiaren. Die Mitglieder verpflichten sich zur regelmäßigen Teilnahme am Gottesdienst, zu festen Gebetszeiten, zum Engagement in der Gemeinde, für die Mitmenschen, für die Einheit der christlichen Kirchen und die Solidarität mit allen Geschöpfen der Erde. Das achteckige Zeichen der Bruderschaft zeigt das alte franziskanische Signum mit dem Kreuz im Strahlenkranz, darüber die gekreuzten Arme mit den Wundmalen Christi an den Handflächen. Darüber stehen die alten franziskanischen Grußworte „Pax et Bonum“ (Friede und Heil). Am unteren Rand verweisen die Anfangsbuchstaben E.F.T. auf die Bruderschaft.
Friedrich Heiler formulierte die Regeln und stand der Gemeinschaft bis zu seinem Tod 1967 vor. Er begründete die Ordenszeitschrift „Eine heilige Kirche“. Nach ihm übernahm Rektor Pfarrer Rudolf Irmler (1907-1999), der zugleich das Diakonissen-Mutterhaus Breslau-Lehmgruben in Marktheidenfeld leitete, das Priorat. Ihm folgte Pfarrer Martin Bürgener im Amt.
1986 gehörten rund 50 Männer und Frauen zur Gemeinschaft. Bei den Mitgliedern, Einzelpersonen und Verheiratete, handelt es sich größtenteils um evangelische Christen aus Bayern und ganz Deutschland, der Schweiz und Österreich. Sie kommen zu regionalen Treffen und Einkehrtagen zusammen, pflegen engen Kontakt mit der St.-Johannes-Bruderschaft in München, der auch viele Franziskaner-Tertiaren angehören, und sind als Mitglied der Hochkirchlichen Vereinigung, die ihren Geschäftssitz in der bayerischen Landeshauptstadt hat, auf den Jahrestagungen auf Schloss Schwanberg in Rödelsee (seit 1962) vertreten. Es finden außerdem regelmäßig Begegnungen mit der Franziskanischen Gemeinschaft der römisch-katholischen Kirche statt. Mehrmals im Jahr erscheint ein Geschwisterbrief.
(Christine Riedl-Valder)
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http://www.hochkirchliche-vereinigung.de