Diakonissen-Mutterhaus Breslau-Lehmgruben (ev)


 

GESCHICHTE

Marktheidenfeld, Diakonissen-Mutterhaus Breslau-Lehmgruben - Dienstbare Nächstenliebe

Im Jahr 1869 legte Gräfin Wally Poninska (1833-1912), Tochter des Breslauer Regierungspräsidenten, in Lehmgruben, einem Vorort von Breslau, mit dem ersten evangelischen Kindergarten und einer Schule für Pflegerinnen den Grundstein für ein Diakonissen-Mutterhaus. Vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 gehörten ihm rund 450 Schwestern an, die in Erziehungshäusern und Krankenheimen der Diakonie tätig waren. Unter dem NS-Regime durften keine Aufnahmen mehr erfolgen und die Ausbildungsstätten mussten schließen. Nach der Vertreibung aus Schlesien fanden die Schwestern mit Oberin Margarete Ziegler (Amtszeit 1934-1949) und ihrem Vorsteher Kirchenrat Justus Günther (Amtszeit 1939-1960) Unterkunft in Schloss Triefenstein bei Lengfurt in Unterfranken. Mit Unterstützung durch die Eigentümer, die Fürstenfamilie Löwenstein-Wertheim-Freudenberg, und den bayerischen Landesverband der Inneren Mission wurde ein Altersheim für pflegebedürftige Flüchtlinge eingerichtet, in dem ein Teil der Schwestern arbeitete. Die übrigen standen in weiteren Einrichtungen in Bayern, Hessen und Württemberg im diakonischen Dienst. Das Heim in Schloss Triefenstein bestand bis 1953. Unter Oberin Liesbeth Zeuner (1891-1975; im Amt 1949-1967) erwarb die Schwesternschaft ein großes Gelände in Marktheidenfeld und errichtete 1955 hier ihr neues Mutterhaus mit Seniorenzentrum. Das nach ihrem Gründungsort „Breslau-Lehmgruben“ benannte Mutterhaus entwickelte sich zu einer Begegnungsstätte für Schlesier und Franken.
Als der evangelische Theologe und Schriftsteller Rudolf Irmler (1907-1999), ein gebürtiger Schlesier, 1963 sein Amt als Rektor des Diakonissen-Mutterhauses antrat, bestand die Gemeinschaft aus 185 Schwestern, die zum größten Teil in Bayern und Hessen arbeiteten. Da die Schwesterngemeinschaft zunehmend mit Nachwuchsmangel zu kämpfen hatte, sah Irmler seine Aufgabe darin, der Institution neue Aufgaben zu erschließen. Unter seiner Leitung wurde die Anlage umgebaut und zu einem geistlichen Zentrum für die Region entwickelt. 1964/66 wurden die Johannes-Kapelle und ein Gästehaus für Veranstaltungen eingeweiht. Das neue Angebot umfasste Einkehrwochen, Meditationen und Tage der Stille, die von unterschiedlichsten Gruppen genutzt wurden. Nachdem Irmler 1967 den Vorstand der Evangelischen Franziskaner-Tertiaren in München übernommen hatte, fanden im Marktheidenfeld auch viele Treffen der Bruderschaft statt. Im gleichen Jahr gründete der Rektor den Johannesring, einen Freundeskreis berufstätiger christlicher Frauen, dem 1986 deutschlandweit rund 350 Frauen angehörten. Durch Rudolf Irmlers umfangreiche seelsorgerische und schriftstellerische Tätigkeit wurde das Lehmgrubener Diakonissen-Mutterhaus überregional bekannt. Oberin Liesbeth Zeuner erhielt in Anerkennung ihrer Aufbauleistungen 1972 den Ehrenring der Stadt verliehen. Unter ihrer Nachfolgerin Luise Deutschmann (1967-1985) entstand ein ökumenischer Arbeitskreis, der enge Verbindungen zu den benachbarten katholischen Orden aufbaute. Beim Amtsantritt von Oberin Gertrud Hampel 1985 hatte sich die Zahl der Diakonissen auf 42 Frauen reduziert. 1988 übernahm die Rummelsberger Diakonie die Trägerschaft des Seniorenzentrums Haus Lehmgruben.
(Christine Riedl-Valder)



 

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