Evangelisches Kloster bei St. Peter in Lindau (ev)


 

GESCHICHTE

Evangelisches Kloster bei St. Peter in Lindau – Todesmutige Krankenpflegerinnen

Nachdem sich die Stadt Lindau der Reformation angeschlossen hatte, wurden das dortige Barfüßerkloster und die Schwesternschaft „am Steg“ aufgelöst (siehe Lindau, Franziskaner und Lindau, Tertiarinnen/Beginen). Während die Augustinerchorfrauen (siehe Lindau, Kanonissenstift) am katholischen Glauben festhielten, nahmen die Schwestern im dritten Frauenkloster der Stadt (siehe Lindau, Tertiarinnen/Closmerinnen) 1528 den evangelischen Glauben an. Sie gaben jedoch ihre Gemeinschaft nicht auf und bewohnten weiterhin ihr Kloster bei St. Peter. Die Kirche, in der sie bislang katholische Gottesdienste gefeiert hatten und die noch um 1520  unter anderem durch den Lindauer Maler Matthis Miller einen neuen Bilderschmuck am Chorbogen und in der Apsis erhalten hatte, wurde in der Folgezeit profaniert. Sie diente dann jahrhundertelang als Militärmagazin des nahegelegenen Zeughauses. Die aus einfachen Verhältnissen stammenden Schwestern erfüllten wie schon zuvor ihre Aufgaben in der Krankenpflege und Sterbebegleitung. Sie leisteten auf diese Weise - vor allem auch in den schwierigen Pestzeiten - wertvolle Dienste für die Stadtbevölkerung. Während der häufig auftretenden Epidemien (in Lindau um 1520, 1524, 1541, 1550, 1560ff, 1585, 1628/35) wohnte auch der amtlich bestellte Wundarzt „in den Closmen“, also in der Klause. Die Einrichtung wurde durch den städtischen „Closmenpfleger“ verwaltet. Mit ihrer Pflegetätigkeit, aufgestockt durch eine kommunale Zuwendung, bestritten die Schwestern ihren kärglichen Unterhalt.
1802 wurden das evangelische Kloster und die Pflegestation im Zuge der Säkularisation aufgelöst; der um einen Hof gruppierte imposante Gebäudekomplex wurde verkauft. Nach einem 1836 erfolgten Rückkauf durch die Stadt wurde 1861 im Zuge der Erweiterung des Schrannenplatzes der alte „Closmen“ abgerissen. Schon 1811 hatte man die Absicht gehabt, den Petersturm zusammen mit dem benachbarten Diebsturm niederzulegen und die Steine zum Bau des Haufens zu verwenden, was damals jedoch verhindert worden war. Die Peterskirche diente ab Anfang des 20. Jahrhunderts unter anderem als Holz- und Kohlelager. Unter dem späteren NSDAP-Bürgermeister Ludwig Siebert wurde sie 1928 zur Kriegergedächtnisstätte umgewandelt, ausgestattet mit einer Marmorfigur des Unbekannten Soldaten, welche die Münchner Künstlerin Marie Feulner anfertigte. Heute erinnern Gedenktafeln an die Lindauer Toten und Vermissten des Deutsch-Französischen Kriegs 1870/71, der beiden Weltkriege und seit 1981 auch an die Opfer der NS-Gewaltherrschaft.  
(Christine Riedl-Valder)



 

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