Kommunität Simonshofen (ev)


 

GESCHICHTE

Lauf an der Pegnitz, Kommunität Simonshofen - Unterstützung für Straftäter

Angeregt von der in den 1960er-Jahren aufkommenden charismatischen Bewegung, schloss sich 1970 in München eine Gruppe evangelischer Christen zu einer neuen geistlichen Gemeinschaft zusammen. Diese „Kommunität München“ wurde in ihrer Entwicklung durch die Evangelische Michaelsbruderschaft, den Benediktinerorden und viele andere kirchliche Wegbegleiter unterstützt. 1972 bezog sie in Garching ein erstes gemeinsames Haus und engagierte sich in den folgenden Jahren in der Jugendarbeit der Gemeinde und für die Ökumene. Ab 1977 traten auch Frauen der Kommunität bei. Das Zusammenleben war geprägt von vier Gebetszeiten am Tag, Bibelabenden und gemeinsamen Messfeiern. Die Mitglieder lebten in Gütergemeinschaft und pflegten einen anspruchslosen Lebensstil.
Nach der Durchführung eines ersten Gottesdienstes für Strafgefangene im Jahr 1976, widmete  sich die Gemeinschaft ganz der Betreuung von Gefängnisinsassen. Es entstand ein großer Freundeskreis, der diesen diakonischen und seelsorglichen Dienst mittrug. Dazu gehörten Briefkontakte mit Inhaftierten, Besuche in der Haftanstalt, Gestaltung von Gruppenstunden, Betreuung im Hafturlaub, Hilfestellung bei der Wohnungs- und Arbeitsplatzsuche nach der Entlassung. Dies geschah in enger Zusammenarbeit mit katholischen und evangelischen Gefängnisseelsorgern. 1980 organisierte die Kommunität bereits bayernweit 40 Gottesdienste in Justizvollzugsanstalten. Mit der von der Gemeinschaft herausgegebenen Zeitschrift „Gnast. Gute Nachricht an Strafgefangene“ wurde der Dialog zwischen Haftanstalt und Außenwelt gesucht.
Um mehr Betreuungsangebote für Entlassene anbieten zu können, übersiedelte die Gemeinschaft mit drei Brüdern und drei Schwestern 1981 nach Mittelfranken in ein großes Anwesen in Simonshofen bei Lauf. Das im Besitz des Diakonievereins Nürnberg-Süd befindliche Gebäude verfügte nach dem Umbau über acht Zimmer für ehemalige Häftlinge und 15 Plätze für Gäste sowie eine Kapelle. Am neuen Standort erfolgte die Gründung des gemeinnützigen Vereins „Christliche Initiative für Strafgefangene und Strafentlassene“ (CISS e.V.), angesiedelt innerhalb des Diakonischen Werks Bayern. Auch eine therapeutische Wohngruppe im landwirtschaftlichen Bereich konnte nun realisiert werden. Die Kommunität leistete umfangreiche Informationsarbeit, gestaltete Freizeitangebote und Tagungen. Von 2003 bis 2013 leitete Diakon Hermann Schindler den Verein mit vier hauptamtlichen Mitarbeitern. 2013 musste die Kommunität das Anwesen in Simonshofen aufgeben. Seither betreibt der Verein in Nürnberg eine sozialpädagogische Wohngemeinschaft für Strafentlassene.
(Christine Riedl-Valder)

Link:
http://www.cissev.de/



 

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