Evangelisches Damenstift Kitzingen (ev)


 

GESCHICHTE

Evangelisches Damenstift Kitzingen – Reformation und Gegenreformation

Die bereits seit dem 8. Jahrhundert bestehende Benediktinerinnenabtei in Kitzingen, deren Nonnen überwiegend aus fränkischen Adelsgeschlechtern kamen, wurde 1484 durch Brand zerstört. Nachdem die Anlage neu errichtet worden war, fiel sie knapp 40 Jahre später dem Bauernkrieg zum Opfer. Daraufhin wurde das Kloster durch die Markgrafen von Ansbach, die Mitte des 15. Jahrhunderts durch Verpfändung des Würzburger Bischofsguts in den Besitz von Burg, Stadt und Amt Kitzingen gekommen waren, notdürftig repariert; die Kirche wurde auf Kosten der Bürger wieder aufgebaut. Nach dem Tod von Äbtissin Veronica Hundt von Saulstein 1544 wurde die Abtei aufgelöst, die verbliebenen drei Nonnen erhielten eine Pension und eine Unterkunft in der Stadt.
Die Bevölkerung von Kitzingen hatte 1533 zusammen mit der Markgrafschaft den lutherischen Glauben angenommen. In dem noch bestehenden Klostergebäude wurde 1558 ein protestantisches Damenstift eingerichtet, das ein Pensionat für die weibliche Jugend aus Stadt und Umgebung unterhielt. An dessen Spitze standen adelige Äbtissinnen. Als erste Vorsteherin ist Ursula von Rosenau überliefert, die den Konvent evangelischer Stiftdamen von 1568 bis zu ihrem Tod am 11. März 1573 leitete. Ihre Nachfolgerin Veronika von der Grün wirkte 12 Jahre bis zu ihrem Ableben am 3. August 1575. Ihr folgte Barbara von Wambach, die neun Jahre lang im Amt blieb. Isolda von Truppach leitete das Stift von 1584 bis 1605. 1608 ließ der Stadtmagistrat das Grabmal der hl. Adelheid in der Klosterkirche restaurieren; es wurde neunzig Jahre später beim Neubau des Gotteshauses völlig zerstört. Die Einkünfte des Stifts betrugen im Jahr 1615 rund 2200 Gulden. Als letzte Äbtissin wird Margaretha Blandina von Kotzau in den Quellen genannt. Sie führte die Geschäfte des evangelischen Stifts 24 Jahre lang bis zu ihrem Tod 1629.
Der damalige Fürstbischof von Würzburg, Philipp Adolf von Ehrenberg (reg. 1623-1631), der eine rigorose Hexenverfolgung und Rekatholisierungspolitik betrieb, kaufte im selben Jahr Kitzingen aus der Ansbacher Pfandschaft zurück. Nun sollten in das Kloster wieder katholische Ordensfrauen einziehen. Die schwedische Besetzung Frankens im Dreißigjährigen Krieg verhinderte dieses Vorhaben vorerst. Der Fürstbischof berief Kapuzinermönche zur Bekehrung der Bevölkerung in die Stadt und löste damit einen langwierigen Konfessionsstreit aus. Erst einer seiner Nachfolger, Fürstbischof Johann Philipp von Schönborn (reg. 1642-1673), erlaubte 1650 in einem Vertrag die Doppelkonfessionalität Kitzingens. Um die katholische Erziehung der Mädchen in Franken zu fördern, sorgte er 1660 für die Ansiedlung des Ursulinenordens, der dann in der Anlage des einstigen Benediktinerinnenklosters und nachfolgenden evangelischen Damenstifts seine Heimstatt fand (siehe Kitzingen, Ursulinenkloster).
(Christine Riedl-Valder)



 

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