Friedberg, Vereinigung vom gemeinsamen Leben im Ökumenischen Christusdienst - Engagement für die Einheit der Christen
Bei der „Bruderschaft vom gemeinsamen Leben“ handelt es sich um eine der ältesten geistlichen Lebensgemeinschaften der evangelischen Kirche. Der Name wurde bewusst gewählt im Gedenken an die von dem Reformator Martin Luther (1483-1546) hoch geschätzten „Brüder vom gemeinsamen Leben“, eine am Ende des 14. Jahrhunderts ursprünglich in den Niederlanden entstandene klosterähnliche Gemeinschaft. 1905 entstand in Zürich aus einem Kreis von Diakonen die gleichnamige Bruderschaft, die an diese Tradition anknüpfte. Einige ihrer Mitglieder verpflichteten sich zum ehelosen Stand, stellten sich unter eine gemeinsame Regel und trugen einheitliche Tracht. Andere wählten den Weg in Ehe und Familie und bildeten die „Geschwister vom gemeinsamen Leben“. Zusammen mit den kurz darauf gegründeten „Schwestern vom gemeinsamen Leben“ für ledige Frauen schlossen sich die drei Zweige dieser geistlichen Bewegung im Jahr 1906 dann zur „Körperschaft vom gemeinsamen Leben“ und zum Schweizerischen Diakonieverein zusammen. Diese Bezeichnung drückt den ökumenischen und diakonischen Dienst und Auftrag aus sowie die soziale Verantwortung, der sich die Gemeinschaft stellt. Nach dem Ersten Weltkrieg breitete sich die Bewegung auch in Deutschland aus. In Badenweiler im Schwarzwald entwickelte sich aus einer Station des Schweizer Diakonievereins und der „Geschwisterschaft vom gemeinsamen Leben“ das Kurheim Bethesda. 1924/28 entstand in Heidenheim (Mittelfranken) das Brüderhaus St. Wunibald mit den ersten deutschen Brüdern, denen sich bald auch Schwestern angliederten. Unter dem NS-Regime musste der Trägerverein aufgelöst werden. 1947 wurde die Bruderschaft rechtlich wieder neu ins Leben gerufen als „Vereinigung vom gemeinsamen Leben im Ökumenischen Christusdienst“. Der „Ökumenische Christusdienst“ war eine Gesinnungsgemeinschaft, die sich im zweiten Weltkrieg ab 1943 zusammengefunden hatte. Zu ihr gehörten Mitglieder der „Bruderschaft vom gemeinsamen Leben“, wie Klaus und Amalie Heß, die die evangelische Pfarrei in Kirchenlamitz (Oberfranken) betreuten, sowie Br. Eugen Belz. Außerdem waren Paul Riedinger (Superintendant der Methodistenkirche), Pfarrer Otto Siegfried von Bebra, Pfarrer Walter Hümmer und seine Frau Hanna, die Gründer der Christusbruderschaft Selbitz, sowie Dr. Klara Schlink, die spätere Gründerin der Evangelischen Marienschwesternschaft in Darmstadt, beteiligt. 1948 wurde ein Aufruf veröffentlicht und das Magazin „Ökumenischer Christusdienst - Quatemberbote“ gegründet. Schon bald fanden sich Freundeskreise in den größeren Städten Bayerns und darüber hinaus. In München, Nürnberg und Augsburg entstanden Gruppen der „Geschwister, Brüder und Schwestern vom gemeinsamen Leben“.
Bei den Mitgliedern handelt es sich um Christen aller Bekenntnisse. Sie engagieren sich für die Einheit der Christen und die Überwindung konfessioneller Schranken. Im Mittelpunkt stehen das gemeinsame Leben mit Gott im Gebet (Stundengebet, freies Gebet, Schweigen) und das Gemeinschaftsleben. Die Mitglieder wohnen sowohl einzeln als auch in gemeinsamen Häusern oder Wohnungen zusammen. Sie üben größtenteils bürgerliche Berufe aus, beten täglich das Einheitsgebet, das oft zur gleichen Zeit und stets im gleichen Wortlaut von allen Niederlassungen der Bruderschaft verrichtet wird. Die Gemeinschaft arbeitet innerhalb der „Christentumsgesellschaft in Deutschland“, die 1919 in Badenweiler im Schwarzwald gegründet wurde, und der auch die „Bruderschaft vom Kreuz“ (siehe Bayreuth) angehört. 1986 umfasste die Geschwisterschaft mit Familien zirka 150 Mitglieder, die Bruderschaft 10 und die Schwesternschaft insgesamt rund 20 Mitglieder. Derzeit (2017) bestehen innerhalb Bayerns Gruppen der Gemeinschaft im „Ökumenischen Lebenszentrum Ottmaring“, in Friedberg und im Raum Nürnberg.
(Christine Riedl-Valder)
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https://www.oekumenischer-christusdienst.de/