Kitzingen, Kloster der Benedikinerinnen – Wirkungsstätte fränkischer Adelsdamen
Die Frauenabtei Kitzingen gehört zu den wenigen Klöstern rechts des Rheins, die schon in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts gegründet wurden. Die Klostergründung erfolgte der Legende nach durch die hl. Hadeloga/Adelheid (*um 710). Sie stammte vermutlich von den Karolingern ab und war wohl eine Tochter von Karl Martell (686–741), dem Großvater von Kaiser Karl d. Gr.. Als geistliche Beraterin der noch jugendlichen Äbtissin wirkte die aus England stammende hl. Thekla (+ 760 in Kitzingen). Sie war eine Verwandte des hl. Bonifatius, der das Kloster 745 einweihte, und unterstellte es der Benediktinerregel. Erneut in den Quellen erwähnt wird das Kloster Kitzingen im Jahr 749. Damals weilte der erkrankte Missionar und später heiliggesprochene Abt Sturmius von Fulda im Konvent „Chizzinga“ und wurde von den Nonnen vier Wochen lang gesund gepflegt. Um 820 hat man die sterblichen Überreste der Gründerin erhoben und sie kanonisiert (Gedenktag 2. Februar). Das Kloster unterstand zu diesem Zeitpunkt unmittelbar dem Kaiser und wurde von mächtigen Vögten verwaltet. Seine Besitzungen umfassten die umliegenden Dörfer, sowie einige nördlich gelegene Orte, wie Astheim und Köhler, außerdem Iphofen im Osten und im Westen neben Ochsenfurt auch Gerbrunn. Der Konvent bestand überwiegend aus den weiblichen Mitgliedern bedeutender fränkischer Adelsfamilien.
Im 10. Jahrhundert kam es während der Ungarneinfälle zu einer internen Krise. Äbtissin Seburg sandte 960 Gesuche an Kaiser und Papst, um den weißen Habit der Nonnen in schwarze, modischere Kleidung ändern und den Speiseplan des Konvents verbessern zu dürfen. Kaiser Heinrich II. schenkte das Kloster und seine reichen Ländereien 1007 dem Bischof seines neugegründeten Bistums Bamberg. Dadurch verlor es seinen Rang als Reichskloster. Kirchlich unterstand es jedoch den Bischöfen von Würzburg, deren Residenzstadt viel näher lag. Sie bestätigten die Äbtissinnen in ihrem Amt und übten die Jurisdiktion auf dem Grund des Klosters aus. König Heinrich III. verbriefte den Nonnen im Jahr 1040 erneut ihre Ansprüche und Besitzungen, deren Nachweise im Laufe der Zeit verloren gegangen waren. Dadurch konnten sie ihre Position festigen. In der Urkunde wird erstmals das Dorf Kitzingen erwähnt. Aus einem Schreiben König Heinrichs IV. geht hervor, dass sich bereits 1060 ganz Kitzingen im Besitz des Klosters befand. Unter König Konrad III. (Amtszeit 1087–1098) erhielten die Benediktinerinnen sogar das Recht, den Klostervogt selbst zu wählen.
Bedeutende Persönlichkeiten standen in enger Verbindung zu dem Kloster und beweisen den hohen Rang, den es im Mittelalter u.a. als Bildungsstätte für Mädchen von Adel einnahm. Mitte des 12. Jahrhunderts stattete die Universalgelehrte und Benediktinerin Hildegard von Bingen der damaligen Äbtissin Sophia einen Besuch ab, um sie in Amtsangelegenheiten zu beraten. Eine berühmte Schülerin des Klosters war die hl. Hedwig (1174–1243) aus dem Hause der Grafen von Andechs-Meranien, die vor ihrer Heirat mit dem schlesischen Herzog Heinrich I. im Jahr 1186 hier Unterricht erhielt. Sie beorderte später die Kitzinger Nonne Petrissa als erste Äbtissin in ihr neugegründetes Kloster Trebnitz in Niederschlesien. 1228 fand die hl. Elisabeth (1207–31), Landgräfin von Thüringen, mit ihren Kindern bei Äbtissin Mechthild, ihrer Tante, und Bischof Eckbert von Bamberg, ihrem Onkel, Zuflucht nach ihrer Vertreibung von der Wartburg. Ihre Tochter Sophie wurde bei den Benediktinerinnen erzogen.
Die Herren von Hohenlohe, die im 12. und 13. Jahrhundert die Vogteirechte besaßen, bauten ihre Machtposition zum Nachteil des Klosters aus und errangen 1243 die Dorfherrschaft über Kitzingen. Innerklösterliche Konflikte, wie das Schisma zwischen Adelheid von Hohenlohe-Brauneckund Kunigunde von Giech (beide erwähnt zwischen 1347–57), führten zum Niedergang. Äbtissin Anna I. von Haideck, die Verfasserin der Gründungslegende, musste 1350 sogar ins Gefängnis. Ihren Nachfolgerinnen im Amt gelang es, die Klosterdisziplin wieder zu festigen. Da das Geschlecht der Herren von Hohenlohe in den folgenden Jahrzehnten ausstarb, fielen dessen Besitzungen an den Bischof von Würzburg, der dadurch seinen Einfluss auf das Kloster ausweiten konnte, und an die Burggrafen von Nürnberg. Äbtissin Hedwig von Hofwart (reg. 1386–1414) ließ um 1400, als die Pest in Kitzingen wütete, ein großes Siechenhaus errichten. Rund zwanzig Jahre später kam es unter Anna II. von Bickenbach/von Budenbach (reg. 1416–35) wieder zu einem Schisma, das den Konvent spaltete. Äbtissin Margaretha II. Schenk von Erbach (reg. 1438/39–65) verkaufte ab ihrem Amtsantritt viele der Klosterbesitzungen, um ihren aufwendigen Lebensstil zu finanzieren. Da sich auch das Hochstift Würzburg im Laufe des 15. Jahrhunderts hoch verschuldete hatte, musste es 1443 seinen Anteil an Burg, Stadt und Amt Kitzingen an Albrecht Achilles, den Markgraf von Ansbach und Abkömmling der Burggrafen von Nürnberg, verpfänden. Die Stadt und das Kloster kamen zur Herrschaft Ansbach. Trotzdem gelang Äbtissin Magdalena von Leonrod (reg. 1452–1492) dank kluger Führung ein wirtschaftlicher Aufschwung, der jedoch durch einen Brand am 7. Juni 1484 zunichte gemacht wurde. Danach musste ein Großteil der Anlage neu errichtet werden. Ihre Nachfolgerin Margaretha Truchsess von Baldersheim (reg. 1492–1520) ordnete die wirtschaftliche Verwaltung neu und kaufte verpfändete Klostergüter zurück.
Im Bauernkrieg wurde das Kloster 1525 wiederum zerstört. Die mittelalterliche Abteikirche mit ihrem reichen Kunst- und Reliquienschatz wurde geplündert und bis auf die Mauern verwüstet. Die Markgrafen Georg der Fromme und Kasimir von Ansbach ließen die Aufständischen hinrichten und die Anlage auf Kosten der Bürger wieder instand setzen. 1527 erfolgte die Einweihung. Nach dem Tod von Äbtissin Katharina II. von Fronhofen im Jahr 1529 folgte Amalie Forstmeister von Gelnhausen (reg. 1529–41) im Amt. Bei ihrer Wahl lebten im Kloster noch 7 Nonnen. Sie förderte den Weinanbau und baute ein neues Kelter- und Kellerhaus. Nach ihrem Tod 1541 fiel das Äbtissinnen-Amt auf die letzte noch verbliebene Benediktinerin, Veronika Hundt von Saulheim. Bischof Melchior sandte ihr zur Unterstützung vier Nonnen aus Würzburg. Nach ihrem Tod am 31. November 1544 erfolgte auf Befehl Georg Friedrich I. von Ansbach die Auflösung der Benediktinerinnenabtei. Die verbliebenen drei Nonnen erhielten eine Pension und Unterkunft in der Stadt. Ein Holzschnitt aus jener Zeit zeigt die große Klosteranlage und das spitzovale Konventsiegel, eine Benediktinerin mit Nimbus und Segensgestus, bei der es sich vermutlich um die sagenhafte Gründerin Hadeloga/Adelheid handelt.
Die Bevölkerung von Kitzingen hatte bereits 1533 den lutherischen Glauben angenommen. In die ehemalige Abtei zog 1558 ein protestantisches Damenstift ein (siehe dort). Dessen Nachfolge traten im 17. Jahrhundert die Ursulinen an (siehe dort). Vom ehemaligen Kloster der Benediktinerinnen haben sich nur einige Keller erhalten, die auch heute noch zur Lagerung von Weinfässern genutzt werden, und zu den ältesten ihrer Art in Franken zählen.
(Christine Riedl-Valder)