Zangberg, Kloster St. Josef – Solide Bildung für die weibliche Jugend
Die Mitglieder des Ordens von der Heimsuchung Mariens (OVM), der 1610 vom hl. Franz von Sales und der hl. Johanna Franziska von Chantal gegründet wurde, kennt man im deutschsprachigen Raum eher unter der Bezeichnung Salesianerinnen oder Visitantinnen. Ihr Name verweist auf ihr Einsatzgebiet, das sich ursprünglich auf die häusliche Betreuung von Kranken und Bedürftigen konzentrierte. Die erste Klostergründung in Deutschland erfolgte durch die bayerische Kurfürstin Adelheid Henriette von Savoyen 1667 in München (siehe München, Damenstift St. Anna). Heute gehören zu dem Orden weltweit rund 155 Standorte.
Die barocke Vierflügelanlage von Zangberg, die über dem Isental thront, wurde nach einem Brand der hier befindlichen Veste 1687 von Ferdinand Maria Freiherrn von Neuhaus errichtet. 1862 verkaufte der damalige Besitzer Carl Theodor Graf Geldern-Egmont das Schloss an die Salesianerinnen aus Kloster Dietramszell (s.d.). Dort herrschte aufgrund vieler Neueintritte großer Platzmangel, so dass sich der Konvent unter Oberin M. Gonzaga Mägelen zur Gründung eines Tochterklosters entschlossen hatte. Nach Ausführung der nötigsten Reparaturen erfolgte noch im gleichen Jahr ab August der Umzug von 26 Schwestern, vier Novizinnen und einer Kandidatin nach Zangberg. Bereits im September öffnete dort eine „Höhere Töchterschule“ mit Internat ihre Pforten. Unter den 72 Schülerinnen befanden sich Mädchen aus allen Gesellschaftsschichten. Dank der umsichtigen Leitung durch die Gründerin Mutter M. Gonzaga Mägelen und die Zangberger Oberin M. Salesia Hamel blühten Kloster und Internat in den folgenden Jahren auf. Auch in Adelskreisen besaß die Bildungsstätte einen sehr guten Ruf. Von Anfang an erwies sich die ehemalige Schlosskapelle als zu klein für die vielen Schwestern und Schülerinnen. Daher wurde 1868/69 nördlich am Kloster angrenzend die Kirche St. Josef im neugotischen Stil errichtet. Durch weitere Um- und Neubauten passte man das einstige Schloss den veränderten Bedürfnissen an.
Prominentester Zögling in Zangberg war zweifellos die spätere österreichische Kaiserin Zita von Bourbon-Parma. Sie besuchte von 1903 bis 1908 die Schule der Ordensschwestern, übte sich in der deutschen Sprache und modernen Fremdsprachen und wurde nach dem bayerischen Gymnasiallehrplan in Mathematik, Geografie, Geschichte, Naturkunde und Musik unterrichtet. Daneben vermittelten die Schwestern hausfrauliche Tätigkeiten wie Flicken, Stopfen und Nähen. Auch Turnunterricht stand auf dem Lehrplan. .
Unter dem Hitler-Regime wurde das Kloster 1941 beschlagnahmt, die Schule aufgehoben und die Schwestern ausgewiesen. In die Räume zog eine Lehrerbildungsanstalt der Nationalsozialisten ein. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Kloster zum Sitz einer KZ-Außenstelle. Die hier gefangen gehaltenen Juden kamen zum Großteil aus Ungarn. Sie mussten Zwangsarbeit bei der Errichtung der nahe liegenden Rüstungsanlage "Weingut I" leisten. Nach dem Einzug der Amerikaner erhielten die Salesianerinnen ihren Besitz zurück. Im Herbst 1946 nahmen die Schwestern wieder ihre Bildungsarbeit auf und eröffneten im Kloster ein Realgymnasium und eine Mädchenmittelschule. In den 1960er Jahren herrschte ein zunehmender Mangel an Lehrkräften, so dass die zuletzt betriebene Heimvolksschule 1967 schließen musste. In der Folgezeit widmeten sich die Schwestern der Erwachsenenbildung. Von 1968 bis zum Jahr 2000 beherbergte das Kloster auch ein kleines Altenwohnheim. Seit dessen Aufhebung dient der Gebäudetrakt einem Industriekonzern als Bildungszentrum für die Mitarbeiter. 2015 umfasste der Konvent 19 Schwestern. Sie erledigen die vielfältigen Dienste innerhalb der Klostergemeinschaft (Verwaltung, Haushalt und Garten), sind im Religionsunterricht tätig und bieten in ihrem „Haus der Begegnung“ ein umfangreiches religiöses Kursprogramm an.
(Christine Riedl-Valder)
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