Sonthofen-Altstädten, Kloster Altstädten – Fürsorge und Pflege
Die karitativ tätige Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom hl. Karl Borromäus wurde 1652 in Nancy gegründet. Seit der Eröffnung des Generalmutterhauses in Trebnitz 1871 breitete sich der Orden in Schlesien weiträumig aus. 1933 zählte man im Erzbistum Breslau knapp 160 Niederlassungen mit rund 1600 Schwestern. Die Frauen engagierten sich vor allem in der Krankenpflege, der Kinderbetreuung und führten Haushaltungsschulen. Nach den durchlittenen Verfolgungen durch das Nazi-Regime wurden ab 1945 etwa 800 deutsche Borromäerinnen von der polnischen Regierung ausgewiesen. Als neues Generalmutterhaus konnte die ehemalige Benediktiner-Abtei Grafschaft bei Schmallenberg im Sauerland erworben werden. Nach der Einweihung 1950 begründete der Orden an diesem neuen Standort eine Spezialklinik für Lungen- und Bronchialheilkunde, die überregionale Bedeutung erlangte.
In Oberbayern waren die Borromäerinnen jedoch schon lange vor der Vertreibung aus Schlesien präsent. Der Landwirt Sebastian Meßmang aus dem Allgäuer Dorf Altstädten (seit 1976 Ortsteil von Sonthofen) hatte, da er ohne männliche Nachkommen geblieben war, 1921 seinen Hof (ehemals Haus-Nr. 3) dem Orden vermacht. Mit der Übernahme dieses Besitzes war die Verpflichtung verbunden, im Dorf die ambulante Krankenpflege und einen Kindergarten zu übernehmen. Die Schwestern ließen auf dem Grundstück einen großzügigen Neubau errichten. Er wurde 1924 eingeweiht. Dieses Kloster sollte die einzige Niederlassung der Kongregation in Westdeutschland bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs bleiben. In Altstädten erfolgte auch die Ausbildung zur Missionstätigkeit für die in den Orden eintretenden Frauen. Sie wurden hier auf ihre karitativen Dienste in Ägypten und Israel vorbereitet.
Im Zweiten Weltkrieg fungierte das Kloster ab 1943 (bis 1945) als Hilfskrankenhaus für Patienten, die in der Solnhofer Klinik keinen Platz mehr gefunden hatten. Nach der Schließung des Trebnitzer Mutterhauses wurde Altstädten zwischen 1945 und 1948 zum Zufluchtsort für viele der ausgesiedelten Schwestern. Zeitweise lebten hier bis zu 70 Ordensfrauen.
Wegen Nachwuchsmangel musste 1990 die ambulante Krankenpflege eingestellt werden. Die Leitung des Kindergartens wurde 1994 in andere Hände übergeben. Das Kloster diente in den letzten Jahrzehnten als Erholungs- und Wohnheim für die ältere Schwestern, Ordensleute und Priester. Daneben betreiben die Borromäerinnen in dem staatlich anerkannten Luftkurort ein Gästehaus für Touristen und eine Seniorenwohnanlage. 2016 gehörten 17 Borromäerinnen zum Altstädter Konvent, der dem Generalmutterhaus Kloster Grafschaft untergeordnet ist. Weitere Niederlassungen des Ordens befanden sich zu diesem Zeitpunkt in Alexandria, Kairo (Ägypten), Jerusalem, Emmaus (Israel), Gioseni (Rumänien) sowie Dortmund, Görlitz, Wittichenau und Wipperfürth (Deutschland).
(Christine Riedl-Valder)
Link:
http://www.kloster-grafschaft.com
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