Siegsdorf, Maria Eck – Minoriten betreuen den beliebten bayerischen Wallfahrtsort
Das von Sümpfen umgebene Benediktinerkloster Seeon am Chiemsee erwarb ab 1618 unter der Leitung von Abt Sigismund Dullinger und seinem Nachfolger Honoratius Kolb die auf dem nördlichen Vorberg des Hochfelln gelegenen Almwirtschaften Vorder-, Mitter- und Hintereck. Ermöglicht wurde dies durch eine bedeutende Erbschaft, die Abt Sigismund zugefallen war. Zur Verwaltung der neuen Güter und zur seelsorgerischen Betreuung der dortigen Bauern ließ das Kloster 1621 ein Superiorat und fünf Jahre später eine Maria-Hilf-Kapelle errichten. Ausgestattet mit einem Bild der Muttergottes aus Seeon (einer Anlehnung an das Gnadenbild von S. Maria Maggiore in Rom), entwickelte sie sich während der Nöte des Dreißigjährigen Kriegs sofort zu einer vielbesuchten Wallfahrt und wurde bis 1645 durch einen größeren Neubau ersetzt, der den Namen „Maria Eck“ erhielt. Durch zahlreiche Berichte über Wunderheilungen und Gebetserhörungen erlangte der Ort große Berühmtheit. Um 1675 fanden bereits jährlich rund 30 Prozessionen statt. Für die wachsende Anzahl der Mönche aus Seeon, die hier Dienst taten oder einen Erholungsurlaub genossen, errichtete man 1713 ein repräsentatives Herrenhaus. Noch 1791 zeichnete Papst Pius VI. den Wallfahrtsort auf besondere Weise aus, indem er für ewige Zeiten an alle Gläubigen, die Maria Eck besuchen, einen vollkommenen Ablass verlieh.
1803 führte die Aufhebung des Mutterklosters Seeon im Zuge der Säkularisation auch zur Schließung der Wallfahrtsstätte Maria Eck. Die Kirche wurde ausgeräumt, das Gut beschlagnahmt und privatisiert. Nach heftigen Protesten aus der Bevölkerung erfolgte mit Unterstützung von Kronprinz Ludwig die Rückführung des Gnadenbildes und Teilen der Ausstattung. Ab 1816 taten wieder ein Priester und ein Mesner Dienst. Seitdem lebte die Wallfahrt wieder auf. Rund 1500 Männer und Frauen aus dem ganzen Chiemgau arbeiteten im Oktober 1826 ehrenamtlich, um eine stabile Straße zum Wallfahrtsort zu bauen. An der Ostseite der Kirche wurde 1845 eine ringförmige Sakristei angefügt. 1852 konnte die Priesterstelle durch eine Stiftung gesichert werden. Drei Jahre später zählte man bereits wieder rund 35000 Pilger im Jahr, sodass man mit dem Anbau von offenen Hallen an das Langhaus für mehr Platz sorgen musste.
Zur neuen Blüte des Wallfahrtsorts trug in großem Maß die erfolgreiche Ansiedlung der Minoriten bei. Am 14. August 1891 zogen zwei Patres und zwei Laienbrüder ein und wurden tags darauf, zum Fest Maria Himmelfahrt, in ihr Amt eingeführt. Die Grundlage dafür bildete eine Schenkung des ehemaligen Minoriten Lorenz Totnan Seehuber (1829–1901). Der spätere Benefiziat von Marwang hatte das Anwesen ein Jahr zuvor gekauft und dem Würzburger Minoritenkloster überschrieben. In der Folgezeit wurden die oft schon seit dem 17. Jahrhundert bestehenden Wallfahrten der Gemeinden aus dem Chiemgau, dem Rupertiwinkel und den angrenzenden österreichischen Bundesländern wieder aufgenommen. Um die Verehrung des hl. Antonius von Padua im Chiemgau zu fördern, ließen die Minoriten eine öffentlich zugängliche Antoniuskapelle an die Nordseite ihres Klosters anbauen, die 1896 geweiht wurde. Der Münchner Historienmaler Max Fürst (1846–1917) schmückte den neugotischen Raum mit Wandmalereien. Darunter befindet sich ein Freskenzyklus, der Szenen aus dem Leben des Kirchenpatrons zeigt. 1899 wurde die Rosenkranzbruderschaft, die bereits Mitte des 17. Jahrhunderts in Maria Eck eingeführt worden war, neu errichtet.
1926 beging der Konvent das 300-jährige Jubiläum der Wallfahrtskirche mit großen Feierlichkeiten.
Zur Erinnerung an das erste Marianische Jahr, das von Papst Pius XII. ausgerufen wurde, ließen die Minoriten 1954 auf dem Dach des Klosters eine drei Meter hohe Marienstatue aus Kupferblech aufstellen, die mit offenen Armen die Ankömmlinge begrüßt. Es handelt sich um ein Werk des Siegsdorfer Künstlers Martin Hagn. Um den zahlreichen Wallfahrern Platz zu bieten, wurde 1965 ein Freialtar errichtet und ein Festplatz mit Sitzreihen angelegt. Die 100-Jahr-Feier des Konvents fand ihren bildlichen Ausdruck in dem monumentalen Tauzeichen des hl. Franziskus, geschaffen von dem Siegsdorfer Steinmetz Fritz Häringer, das die Minoriten 1991 am Freialtar als Segenskreuz aufstellten. Höhepunkte im Jahreskalender von Maria Eck sind die Friedenswallfahrt der Veteranenvereine (seit 1873), die Trachtenwallfahrt am 3. Sonntag im Mai mit rund 2500 Trachtlern aus dem Chiemgau (1951 begründet), das Fest der Behinderten (seit 1981) und die Bergmesse der Egerländer Gmoi zur Erinnerung an die Vertreibung. Das seit 1626 bis in die Gegenwart geführte Mirakelbuch der Wallfahrt Maria Eck verzeichnet rund 1300 wundertätige Heilungen und Geschehnisse. Zu den prominentesten Besuchern von Maria Eck zählt der Münchner Kardinal Joseph Ratzinger, der vor seiner Wahl zum Papst gern hierher zum Gebet kam. 2016 gehörten dem Konvent von Maria Eck acht Brüder an. Sie werden unterstützt durch die Postulanten und Novizen des Ordens, die hier ihr Praktikum absolvieren. Neben ihrer Hauptaufgabe, der Wallfahrtsseelsorge, leisten die Minoriten von Maria Eck unter anderem Dienste als Beichtväter der Schwestern in Bad Adelholzen und Alzing und führen die Wetterstation des Ortes.
(Christine Riedl-Valder)
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