Reimlingen, Kloster der Mariannhiller Missionare – Ausbildung und Werbung für die Mission
Nach dem Ersten Weltkrieg und der Inflationszeit der 1920er-Jahre erhielt die kleine Gemeinde Reimlingen nahe Nördlingen im Ries neue Impulse durch die Ansiedlung der Mariannhiller Missionare. Die Brüder erbauten 1920 das Missionshaus St. Josef mit einer Druckerei, 1922/23 das Seminargebäude (heute Bildungshaus St. Albert), nutzten das örtliche Deutschordensschloss (bis 1984) und richteten im Bereich der Dampfbrauerei des Oberst Lutz einen landwirtschaftlichen Großbetrieb ein. Während wenig später im Würzburger Piusseminar die Ordensleitung und das Studienseminar einzogen, diente das Missionshaus St. Josef von Anfang an der Aufnahme und Ausbildung der Ordensmitglieder. Die Brüder wurden hier in den klostereigenen Betrieben und Werkstätten als Schreiner, Schuster, Schlosser, Schneider, Gärtner, Drucker, Setzer, Buchbinder, Bäcker und Landwirte geschult und arbeiteten dann in ihren Berufen in der Mission und den heimatlichen Standorten. Auch die ordenseigene Druckerei hatte seit 1923 ihren Sitz in Reimlingen und gehörte zu den wichtigsten Arbeitgebern der Gemeinde. Von 1923 bis 1939 erschien hier die Missionszeitschrift „Vergissmeinicht“, zuletzt in einer Auflage von 65000 Exemplaren. Der ab 1925 in Reimlingen gedruckte Missionskalender kam vor seinem Verbot durch das NS-Regime 1941 auf 85000 Exemplare pro Jahr. Bevor der Betrieb 1942 durch die NS-Machthaber eingestellt wurde, hatte er 35 Mitarbeiter. Extremer Papiermangel war nach dem Kriegsende der Grund, dass die Brüder erst 1951 den Druck ihrer Ordensliteratur wieder aufnehmen konnten, wobei sie sich den technischen Fortschritt, auch in der Werbung für die Mission, zunutze machten: 1966 wurde der Offsetdruck, ein Jahr später der 4-Farb-Druck eingeführt; 1977 kam der Fotosatz dazu. Der Betrieb hatte zuletzt noch 20 Angestellte, bevor er 2012 aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen werden musste.
Seit 1980 beherbergt das Missionshaus außerdem ein Alten- und Pflegeheim für kranke Ordensmitglieder sowie eine Heilpraktikerpraxis. Die Freizeiträume stehen Gruppen aller Art offen, die hier in Eigenregie Kurse abhalten wollen. Seit 1999 ist das Missionshaus auch Sitz der Redaktion „Mariannhill“. Sie ist verantwortlich für die gleichnamige Zeitschrift, für die Kalender und Informationsmaterialien sowie den Internetauftritt der Missionare von Mariannhill in Deutschland. Die Gemeinschaft der Missionare von Mariannhill in Reimlingen setzt sich zur Zeit aus 25 Brüdern und Patres zusammen.
(Christine Riedl-Valder)
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