Planegg, Augustinerkloster Maria Eich


 

GESCHICHTE

Planegg, Augustinerkloster Maria Eich – Wallfahrtsseelsorge am Rand der Landeshauptstadt


Die südlich von München im Kreuzlinger Forst gelegene Marienwallfahrt wurde von den beiden Schmiedsöhnen Franz und Kaspar Thallmayr aus Planegg begründet. Um das Jahr 1711 stellten sie eine kleine, aus Ton gefertigte Muttergottesstatue in den Hohlraum einer Eiche. Bald begannen die Gläubigen der Umgebung, hier ihre Gebete zu verrichten. Die Nachrichten von der wundersamen Genesung der Dienstmagd Katharina Mergerin und weitere spontane Heilungen erregten überregional Aufmerksamkeit, sodass sich der Andrang Hilfesuchender sehr steigerte. Neben dem Baum wurde ein Andachtsraum aus Holz errichtet. 1742 umbaute man die Eiche mit einer Kapelle und ließ den Baumstamm durch das Dach ragen. Das Gnadenbild wurde in einen Altar eingefügt, für den der Münchner Hofbildhauer Johann Baptist Straub eine kunstvolle Dreifaltigkeitsgruppe anfertigte. Der Hofmarksherr Johann Baptist von Ruffin (1671–1749) erteilte 1745 den Auftrag, in der Nachbarschaft eine Klause zu errichten, in der auch die örtliche Schule untergebracht wurde. Ab 1746 leisteten hier Eremiten ihren Dienst als Mesner und Lehrer. Die Beliebtheit der Wallfahrtsstätte erhöhte sich in der Folgezeit durch eine weitere bedeutsame Begebenheit: Als der bayerische Kurfürst Max III. Joseph am 12. Oktober 1775 in dem Waldgebiet eine Parforcejagd veranstaltete, suchte einer der gejagten Hirsche seine Zuflucht bei der Kapelle. Angesichts des Gnadenbildes beschloss der Kurfürst, das Tier zu verschonen. Eine Votivtafel erinnert noch heute an dieses Ereignis. Um den vielen Pilgern gerecht zu werden, hat man 1780 die Kirche um zwei Seitenkapellen zu einer kreuzförmigen Anlage erweitert und an der Westseite außen einen Freialtar und eine Kanzel aufgestellt (1843/1846 auf die Ostseite verlegt). 1790 wurde die Klause durch ein zweites Stockwerk vergrößert. 1805 zertrümmerte ein Blitz die über das Kirchendach hinausragende Baumkrone. Daraufhin wurde das Dach geschlossen und der im Altarraum verbliebene Baumstamm mit Brettern verschalt. Als der Eremitenorden im Zuge der Säkularisation 1804 aufgehoben wurde, legte der letzte Eremit Bruder Wolfgang seinen Habit ab. Er arbeitete in seinem Amt weiter, bis 1820 ein neues Schulhaus in Planegg eröffnet wurde. Die Aufgaben der Klausner gingen an Hilfspriester und die Gemeindepfarrer der Umgebung über. Im 19. Jahrhundert stieg der Zustrom zum „Frauerl von der Aichen“ wieder sehr an. Die Pilger kamen vorwiegend aus München, aus dem Würmtal und den angrenzenden Landkreisen Starnberg und Fürstenfeldbruck. Pläne zur Ansiedlung eines Franziskanerklosters 1847 konnten nicht verwirklicht werden. 1866 stattete man die Pilgerstrecke von Sendling nach Maria Eich mit Kreuzwegstationen aus. Sie wurde 1930 durch einen neuen Weg ab Lochham abgelöst. Die Kapelle und der Freialtar erfuhren 1932 eine Umgestaltung.


1953 konnte der Münchner Kardinal Michael von Faulhaber die Augustinereremiten für die Seelsorge in Maria Eich gewinnen. Im Auftrag des Ordens entstand hinter der ehemaligen Klause nach Plänen des Münchner Architekten Georg Berlinger ein kleines Klostergebäude. Da mehr und mehr Wallfahrer kamen, errichteten die Augustiner ab 1956 neben der Gnadenkapelle eine Kirche, um auch im Winter Gottesdienste zu ermöglichen. Die Entwürfe dazu lieferte der Architekt Michael Steinbrecher. Der Bau wurde am 8. Dezember 1958 durch Weihbischof Johannes Neuhäusler eingeweiht. Bereits 1966 musste man das Platzangebot erweitern. Auch das Konventgebäude wurde vergrößert. Ein Anbau im Garten bietet seit 1989 Platz für weitere Ordensbrüder. Die Kirche wurde 2007/08 umgebaut und neu gestaltet. Das Konzept dafür lieferte das Architektenbüro Pollok + Gonzalo. Die Münchner Künstlerin Carola Heine schuf dafür die Figur „Unsere Liebe Frau auf dem Stein“; das Glasbild für den Altarraum zum Thema der Heilsgeschichte stammt von Johannes Schreiter. Am 16. November 2008 nahm Weihbischof Engelbert Siebler die Konsekration des neuen Hochaltars vor. Erneute Bauarbeiten trugen 2010 zur Modernisierung des Klosters, des Freialtars und des Klosterladens bei. Zugleich errichtete man einen neuen Gemeinderaum. Im Jahr 2013 verlegte die Provinzleitung der Augustiner ihr Noviziat nach Maria Eich, da dieser Ort aufgrund seiner ruhigen Lage und seiner Nähe zur Landeshauptstadt München als Ausbildungsstätte neuer Ordensmitglieder als besonders geeignet erschien. Zum Konvent in Maria Eich gehörten 2016 neben Pater Prior Matthäus Klein fünf weitere Augustiner. Sie engagieren sich in der Wallfahrts- und Krankenseelsorge, leisten Pfarr- und Missionsdienste und arbeiten als Dozenten in der Erwachsenenbildung.

 

(Christine Riedl-Valder)

Link:

http://www.maria-eich.de/ 



 

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