Oberroning, Salesianerinnen


 

GESCHICHTE

Oberroning / Rottenburg, Salesianerinnenkloster – Im Dienst der Mädchenfortbildung

 

Der Ortsgeistliche Johann Baptist Gahr (1806-1870) gründete 1838 mit Zustimmung des Bischöflichen Ordinariats Regensburg und des zuständigen Königlichen Staatsministeriums in Oberroning einen Verein für zwölf junge Frauen, die sich vor allem der Anbetung des allerheiligsten Sakraments widmen wollten. Der junge Priester stellte die Statuten für die Gemeinschaft auf, holte die Genehmigung dafür ein und kümmerte sich um die Errichtung eines Neubaus neben der Ortskirche, den die Eltern der Mädchen finanzierten. Die ersten vier Kandidatinnen wurden durch Mutter Theresia von Jesu Gerhardinger im Kloster der Armen Schulschwestern in Neunburg vorm Wald in das geistliche Leben eingeführt. Doch dadurch geriet die Gründung in Oberroning in Gefahr, denn die Kongregation versuchte, die Frauen für den eigenen Orden zu gewinnen. Schließlich kehrten die vier Schwestern im Oktober 1840 zurück und schlossen sich mit den anderen acht Kandidatinnen zur Gemeinschaft der „Schwestern von der Unbefleckten Empfängnis Mariä“ zusammen. Bischof Valentin von Riedel visitierte das neue Haus am 28. August 1842, weihte es ein, genehmigte die Tracht und bestätigte die von den Schwestern gewählte Oberin Maria Alphonsa Reithofer in ihrem Amt. Immer mehr junge Frauen baten um Aufnahme, sodass bereits 1844 ein Erweiterungsbau nötig wurde. Da sich unter den Neulingen auch eine staatlich geprüfte Lehrerin befand, beschloss der Verein, die Bildungs- und Erziehungsarbeit junger Mädchen in Angriff zu nehmen. Die königliche Regierung gab bereitwillig die Erlaubnis zur Eröffnung einer Mädchenvolksschule und eines Internats 1848. Die Einrichtungen waren bei der Bevölkerung beliebt und erlebten einen raschen Aufschwung.  Durch den plötzlichen Tod einer jungen Schwester, der finanzielle Rückforderungen aus deren Familie nach sich zog, geriet die Gemeinschaft in große wirtschaftliche Not. Letztlich gelang aber der Rückkauf der einstigen Schenkung. Seit 1846 besaßen die Schwestern einen Bauernhof, der sich zu einem großen Gut entwickelte, mit dem die Selbstversorgung gesichert war (ab 1987 verpachtet).

Der Gründer der Gemeinschaft, J. B. Gahr, hatte sich bereits um die Verbindung des Frauenvereins mit einem Dritten Orden bemüht, wurde jedoch 1856 nach Reibersdorf versetzt und wirkte ab 1858 als Pfarrer in Oberviehbach. Auf Empfehlung von Bischof Ignatius von Senestrey schlossen sich die Schwestern dem Orden von der Heimsuchung Mariens (Salesianerinnen) an, die sich ebenfalls in der Mädchenfortbildung engagierten und seit 1838 in Pielenhofen eine Niederlassung besaßen. Bei den Schwestern wurde daraufhin die Regel des hl. Franz von Sales eingeführt. Am 21. August 1863 erfolgte mit der Übergabe des Klausurschlüssels, des Offiziums und Regelbuchs an Schwester Maria Aloisia Lehmer, der ersten Oberin der Salesianerinnen in Oberroning, die feierliche Aufnahme in den Orden. Der Spiritual des neuen Klosters, Dr. Josef Amberger, nahm vier Monate später die feierliche Einkleidung von 33 jungen Frauen vor. Bis 1890 vergrößerte sich der Konvent auf 60 Schwestern. Ortspfarrer Georg Egglseder (Amtszeit 1860-1890) sorgte 1885 für eine Erweiterung der Barockkirche (1731/32 neu erbaut) nach Westen mit neuem Schwesternchor. 1895 gründete das Kloster eine private Lehrerinnenbildungsanstalt, die auf die Prüfungen für das Lehramt an Volksschulen vorbereitete, und eine dreijährige „Höhere Töchterschule“, die 1912 in ein sechsjähriges Lyzeum erweitert wurde. Der Betrieb einer Haushaltungsschule wurde 1910 genehmigt. Die Klassenzimmer wurden in einem 1907 errichteten Neubau untergebracht.

Vom Ersten Weltkrieg bis 1940 lebten durchschnittlich 70 Schwestern im Kloster. Weitere Kandidatinnen kamen auf eine Warteliste, da die Räumlichkeiten beschränkt waren. Im Herbst 1940 wurden alle Bildungsstätten des Klosters auf Anordnung der Nationalsozialisten geschlossen. Ein Jahr später fand eine große Anzahl Hamburger Mädchen nach ihrer Evakuierung im Kloster Aufnahme. Anfang 1943 beschlagnahmte die Wehrmacht die Gebäude und richtete ein Hilfslazarett für verwundete Soldaten und TBC-Kranke ein, die von den Schwestern gepflegt wurden. Nach Abzug der amerikanischen Besatzung konnten die Schwestern im November 1945 wieder die Volksschule und Anfang 1946 die Haushaltungsschule und Mittelschule eröffnen. Da viele ehemaligen Lehrer aufgrund ihrer einstigen NSDAP-Zugehörigkeit nicht mehr unterrichten durften, wurden die Schwestern auch in anderen Schulen tätig.

Ab 1948 erhielten die Lehrschwestern seitens des Staates eine bescheidene Entlohnung. Die Mädchenmittelschule wurde 1965 in eine vierklassige Realschule umgewandelt, die ab 1986 auch Knaben aufnahm. 1967/68 erfolgte der Neubau eines modernen Schülerinnenwohnheims mit 160 Internatsplätzen. Freizeit- und Sportanlagen kamen fünf Jahre später hinzu. Im Zuge der Einführung von Verbandsschulen musste 1969 die seit 120 Jahren bestehende Klostervolksschule aufgelöst werden. Daraufhin eröffneten die Salesianerinnen noch im gleichen Schuljahr eine private Heim-Volksschule mit einer 5. und 6. Jahrgangsstufe. Seit 1985 stand sie auch Knaben offen. Aus der ehemaligen Haushaltungsschule entwickelte sich die zweijährige Berufsfachschule, in der die Mädchen ab 1972 einen Abschluss in Hauswirtschaft und Kinderpflege erhalten konnten (1985 geschlossen). 1988 umfasste der Konvent unter der Leitung von Oberin Maria Ancilla Scharold 32 Professschwestern und vier Novizinnen. Aufgrund des fortschreitenden Mangels an Ordensnachwuchs übernahmen jedoch immer mehr weltliche Lehrer den Unterricht in den klösterlichen Bildungsstätten. 2002 kam die nunmehr sechsstufige Realschule in die Trägerschaft der Schulstiftung der Diözese Regensburg.

 

(Christine Riedl-Valder)

Link:

 

http://www.salesianerinnen-oberroning.de/

 



 

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