Landshut; Mutterhaus der Solanusschwestern – seit 100 Jahren ein Zentrum der Kinderkrankenpflege
1913 verlegte P. Jakob Schauermann (1880–1957) die Zentrale des von ihm zwei Jahre zuvor in München gegründeten bayerischen Franziskaner-Missionsvereins nach Landshut. Zu diesem Zweck ließ er die aus dem Jahr 1846 stammende Bernlochner-Brauerei zum Missionshaus umbauen, das er nach dem hl. Franziskus Solanus, dem Patron der Franziskanermissionare, benannte. Mit ihm zogen die Josefsschwestern nach Landshut. Sie hatten sich bereit erklärt, den Missionsverein zu unterstützen. Im gleichen Jahr kaufte die Landshuter Niederlassung als weiteres Standbein das Gut Frankenthal in Staffelstein (siehe dort). 1914 wurden der Caritasverband, die Katholische Jugendfürsorge, ein Verein für Säuglingspflege und eine Anzahl weiterer sozialer Einrichtungen in Landshut ins Leben gerufen. In einer Zeit, in der die Kinderkrankenpflege noch in den Anfängen war, erwarb P. Jakob Schauermann 1918 das ehemalige Wirtshaus „Radspieler“ an der Schönbrunnerstraße, um darin ein Säuglingsheim einzurichten. 1919 wurde der erste Kinderarzt Niederbayerns, Dr. Ernst Mößmer, als Klinikleiter verpflichtet. Bereits im ersten Jahr konnten 72 Kleinkinder hier versorgt werden. Im Solanushaus nahm gleichzeitig eine Ausbildungsstätte für Pflegeberufe den Betrieb auf. Die Vereinszeitschrift „Antonius“, die über alle Aktivitäten berichtete, erschien ab 1921 in der eigenen, ebenfalls auf dem einstigen Brauereigelände befindlichen Druckerei.
1925 kam es zum Bruch mit den Schwestern in der Staffelsteiner Niederlassung. Daraufhin gründete P. Schauermann mit 22 Anhängerinnen die Kongregation der Solanusschwestern. Die neue religiöse Gemeinschaft erhielt 1926 die Bestätigung durch den Münchner Kardinal Michael von Faulhaber. Ihre Statuten setzen für die Aufnahme in den Orden ein halbjähriges Postulat und ein zweijähriges Noviziat voraus, nach dem die einfache Profess abgelegt wird. Nach sechs Jahren erfolgen die ewigen Gelübde. Die in grauer Farbe gehaltene Tracht besteht aus einem einfach geschnittenen Ordenskleid mit Schleier. Der Tätigkeitsbereich der Schwestern umfasst die Mithilfe in den Pfarreien, die Kranken-, ,,speziell die Kinderkrankenpflege, Alten- und Behindertenpflege und -betreuung, die Krankenhausseelsorge und die Ausbildung von Pflegekräften und Haushaltshilfen. Seit 1929 engagierten sich die Solanusschwestern auch im Rahmen der Missionsarbeit der bayerischen Franziskaner in Shansi (Nordchina) und seit 1932 in Natal (Südafrika) in der Seelsorge, Land- und Hauswirtschaft. 1944 halfen sie bei der Errichtung eines Krankenhauses und einer Pflegeschule in Harding/Natal. 1956 wurde die Einrichtung zur ersten modernen Klinik für Farbige ausgebaut. Die chinesischen Missionsstationen fielen 1946 in die Hände der Roten Armee; die Schwestern gerieten in Gefangenschaft und wurden anschließend des Landes verwiesen.
P. Schauermann musste 1931 Landshut verlassen. Er wurde von der Ordensleitung in den Banat versetzt. Seitdem lenkte eine Oberin die Geschicke des Klosters. Ab 1938 wurde die Schwesternschaft durch die Schikanen der NSDAP in ihrer Arbeit sehr behindert. Im Zweiten Weltkrieg mussten sie die kleinen Patienten bei jedem Fliegeralarm in den ehemaligen Brauereikeller in Sicherheit bringen. Die NSDAP versuchte, Lernschwestern des NS-Reichsbundes in die Klinik einzuschleusen, was jedoch misslang. Obwohl am 19. März 1945 bei einem schweren Bombenangriff auf Landshut im Umfeld des Solanushauses und des Säuglingsheims elf Sprengbomben einschlugen, blieben beide Häuser erhalten. Die amerikanische Militärregierung, die ab Mai in Landshut stationiert war, genehmigte die Weiterführung von Säuglingsheim und Pflegeschule. Die Belegzahlen stiegen wieder kontinuierlich an. 1951 verfügte die Klinik über 100 Betten.
Im Mutterhaus mussten 1958/59 den veränderten Bedürfnissen der Schwesterngemeinschaft entsprechend, Baumaßnahmen durchgeführt werden. Die wachsende Zahl von alten und kranken Schwestern machte eine Erweiterung notwendig. Da die neuen medizinisch-technischen Anforderungen eine grundlegende Modernisierung der Kinderklinik St. Marien erforderten, entschloss sich der Orden unter Oberin M. Claudia Ambros 1962 für einen Neubau auf dem Hofberg in Landshut. Seitdem wurden dessen diagnostische und therapeutische Einrichtungen kontinuierlich erweitert. Heute bietet sich hier der Bevölkerung ein modernes Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin und akademisches Lehrkrankenhaus der LMU München unter der Trägerschaft der Solanusschwestern. Die angeschlossene Berufsfachschule für Kinderkrankenpflege ist eine der ältesten in Bayern. Seit 1992 arbeiten die Solanusschwestern auch wieder in der Mission. Sie unterstützen den Bischofssitz Coroatá im brasilianischen Bundesland Maranhao durch Schwestern, die dort in der Sozialhilfe, Krankenpflege und Seelsorge arbeiten, und finanziell durch Spendenaktionen in Landshut. Der Kongregation, die seit 2007 von Generaloberin M. Hedwig Scharnagel geleitet wird, gehören derzeit rund 30 Schwestern an.
(Christine Riedl-Valder)
Link:
http://www.solanusschwestern.de/