Habsberg, Karmelitenkloster – Seelsorge an einer bedeutenden Wallfahrtsstätte der Oberpfalz
In den Ruinen der Burg auf dem Habsberg ließ Johann Panzer, Pfleger im Dienst des Grafen Tilly, 1680 eine Kapelle errichten und ein Marienbild aufstellen. Dieses Kunstwerk, das bald den Beinamen „Maria, Heil der Kranken“, erhielt, wurde schnell zum Mittelpunkt religiöser Verehrung, die weite Kreise zog und innerhalb kurzer Zeit zahlreiche Wallfahrten aus der gesamten Oberpfalz zur Folge hatte. Die Gnadenkapelle musste deshalb 1731 erweitert werden. Seitdem betreuten zwei Kooperatoren, die der Pfarrei Oberwiesenacker zugeteilt waren, die Gläubigen. Ab 1761 wurde eine prunkvolle Wallfahrtskirche errichtet. Für die beiden Geistlichen, die bislang im fünf Kilometer entfernten Oberwiesenacker ihren Wohnsitz hatten, erbaute man 1850 vor Ort ein Haus. Der in den Folgejahren in der Diözese Eichstätt einsetzende Priestermangel führte dazu, dass ab 1873 nur noch ein Kooperator und die Stelle ab 1888 nur noch zeitweise besetzt werden konnte. Daher war man auf der Suche nach einer Ordensgemeinschaft, die bereit war, eine klösterliche Niederlassung auf dem Habsberg zu gründen. Pfarrer Sebastian Wittmann (1827–1908) von Oberwiesenacker fand schließlich in Subprior Angelus Traidmer vom Kloster der Beschuhten Karmeliten in Straubing einen Partner für diese Pläne. 1891 gab das Provinzkapitel die Einwilligung zur Realisierung des Vorhabens. Ein Jahr später genehmigte das Bayerische Kultusministerium die Übernahme der Wallfahrtsseelsorge durch zwei Patres und zwei Laienbrüder aus dem Straubinger Konvent. Sie traten im Januar 1893 ihren Dienst an und wohnten im Habsberger Priesterhaus, das in den folgenden Monaten für sie umgebaut wurde. Unter der Leitung des Pfarrers übernahmen sie die Betreuung der Pilger und zusätzlich auch der Gläubigen in den Dörfern der umliegenden Pfarreien Oberwiesenacker, Lauterhofen und Hörmannsdorf. Ab 1912 sorgten sie zudem für den Religionsunterricht in der neuen Volksschule in Prönsdorf. Die Karmeliten gaben den Anstoß zur Gründung einer Skapulierbruderschaft an der Wallfahrtskirche, die bereits 1894 genehmigt wurde, und förderten auf diese Weise die Marienverehrung. Der Zustrom der Gläubigen erhöhte sich durch das Wirken der Patres immens. Die Niederlassung wurde anfänglich als „Expositur“ und „Hospizium“ bezeichnet; ab 1898 wurde sie als „Priorat“ geführt. Bis 1896 bekleidete Willibrord Nießen das Amt des Vikars. Nach seiner Erkrankung vertraten ihn Ambrosius van de Sandvoort und Andreas Rackl. Als Prior wirkten Urban Bihlmeier (bis 1907, 1913), Viktor Engelskirchen (bis 1913) und Anton Seidl (1913). Der fortschreitende Mangel an Ordenspriestern führte schließlich zur Aufgabe der Karmelitenniederlassung. Zum 1. Oktober 1913 verließen die Patres Habsberg und Weltpriester taten wieder an ihrer Stelle Dienst. In den 1930er-Jahren versuchte die Pfarrei erneut Karmeliten anzusiedeln, scheiterte jedoch am Veto des Eichstätter Ordinariats. Mit der Errichtung des Diözesanjugendhauses 1976, das 1999 durch einen Neubau ersetzt wurde, hat man alle Spuren des einstigen Klosters beseitigt.
(Christine Riedl-Valder)