Bad Wörishofen, Barmherzige Brüder – Die Erben des „Wasserdoktors“
Der berühmte „Wasserdoktor“ Sebastian Kneipp (1821?1897) entschloss sich im Alter von 72 Jahren, sein Lebenswerk in Bad Wörishofen den Barmherzigen Brüdern zu übereignen. Bereits ab Oktober 1892 assistierten ihm drei Fratres im 1891 eröffneten Sebastianeum, dem ersten Kurhaus für Priester und Ordensmänner, und erlernten seine Heilmethode. Einer von ihnen war Bonifaz Reile, der als Prior in St. Wolfgang in Neuburg gewirkt hatte und nun für die nächsten 27 Jahre dem neuen Kloster in Wörishofen vorstehen sollte. Zum 1. April 1893 wurde von staatlicher Seite die Niederlassung von 15 Religiosen des Ordens im Priesterkurhaus Wörishofen genehmigt. Der Platz war sehr beengt, sodass man von Anfang an eine Erweiterung plante und schon im Sommer mit einem Neubau auf dem Nachbargrundstück begann. Die bis dahin im Kurhaus und Kinderasyl wirkenden Mallersdorfer Schwestern mussten den Brüdern weichen. Pfarrer Kneipp überschrieb dem Orden noch im selben Jahr seinen Grundbesitz und einen Teil seiner regelmäßigen Einnahmen. Am 8. März 1894, dem Fest des Ordensgründers Johannes von Gott, weihte Pfarrer Kneipp die neubarocke Hauskapelle im vollendeten Neubau ein. Die stattliche Anlage mit großzügigem Bad und Wandelhalle wurde von Ludwig Geromiller errichtet.
1895 gründete Kneipp seine dritte Stiftung, das Kneippianum, und übergab es ein Jahr später nach seiner Fertigstellung den Mallersdorfer Schwestern. Vor dem Gebäude wurde eine 1899 von Franz Seeböck gefertigte Marmorbüste Kneipps aufgestellt. Zwischen 1902 und 1905 führte man im Sebastianeum eine Reihe von Modernisierungen durch. Die Hauskapelle wurde bis 1909 umgebaut, sodass sie nun auch mehr Gästen und einem größeren Konvent Platz bieten konnte. 1914 lebten 18 Brüder in Wörishofen; 1935 waren es 27. Der Neubau eines 22 Meter langen Badehauses erfolgte 1913. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg diente die Einrichtung als Lazarett. Unter schwierigen finanziellen Bedingungen konnte bis 1957 ein modernes Kurhaus fertiggestellt werden, das ab 1958 auch für weibliche Gäste geöffnet war. Gleichzeitig gründete der damalige Prior Rumald Wünsch den St.-Raphael-Schwesternorden zur Verstärkung des Personals. 1967 feierte der Konvent den 75. Jahrestag an seinem Wirkungsort. Der Nachwuchsmangel (1965 lebten noch zehn Brüder im Kloster) zwang das Provinzkapitel jedoch, das Kurhaus zwar weiterhin in Trägerschaft zu verwalten, doch ab 1969 der Führung der Raphaelschwestern anzuvertrauen. Ab 1997 stand es unter weltlicher Leitung. Seit 2002 gehören alle drei Kneipphäuser in Bad Wörishofen – das Sebastianeum, das Kneippianum und das „Familien & KindHaus“ – zur Bayerischen Provinz der Barmherzigen Brüder. Die Kurhäuser betreibt der Orden nach einer Reihe von Neuerungen, die den modernen Ansprüchen Rechnung tragen, seit 2014 als „4-Sterne Kneipp- & Gesundheitsresort“.
(Christine Riedl-Valder)
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