Schrobenhausen


 

GESCHICHTE

 

Schrobenhausen, Franziskanerkloster – Seelsorge und Beistand in allen Lebenslagen

 

 

 

Der Rat der Stadt Schrobenhausen begann 1625 an dem neuen Friedhof vor dem Unteren Stadttor mit dem Bau einer Allerheiligenkapelle. Viele Bürger stifteten dafür Geld und Baumaterial. Durch den Einfall der Schweden 1632 wurden die Bauarbeiten für längere Zeit unterbrochen. 1642 wandte sich die Bürgerschaft an das Franziskanerkloster Ingolstadt mit der Bitte, eine Niederlassung des Ordens beim neuen Friedhof in Schrobenhausen einzurichten. Geplant war ein kleiner Konvent mit vier Mönchen und zwei Brüdern. Die Franziskaner sollten vorerst im Heiliggeistspital wohnen, bis ihr Gebäude fertiggestellt war. Da sich die Äbtissin des Klosters Hohenwart, zu dem die Pfarrei Schrobenhausen gehörte, jedoch weigerte, die Mönche im Spital aufzunehmen, reisten diese erst 1643 an. Am 19. April 1644 erfolgte die Grundsteinlegung zu dem kleinen Klosterbau neben dem Friedhof durch Pater Gelspeckh, Provinzial der bayerischen Franziskaner, sowie Bürgermeister Christoph Oefele und dem kurfürstlichen Pfleger Maximilian Schadt in Anwesenheit zahlreicher Bürger, Priester sowie Vertreter der benachbarten Klöster und Hofmarken. Der Augsburger Weihbischof Kaspar Zeiler weihte am 15. Oktober 1645 Kloster und Klosterkirche mit ihrem Hauptaltar zu Ehren aller Heiligen und die Seitenaltäre unter den Patrozinien der Unbefleckten Empfängnis und des Hl. Kreuzes. Gleichzeitig spendete er 1500 Kindern die Firmung.

 

Der Konvent war anfangs mit zwölf Brüdern unter dem Oberen Pater Johann B. Styll besetzt. Er musste bereits ein Jahr später in der letzten Phase des Dreißigjährigen Kriegs aus dem Kloster flüchten und konnte erst 1647 wieder zurückkehren. Der Chronist Pater Franz Sigl, der als Geisel der Schweden drei Jahre in Augsburg verbrachte, hielt in seinen Aufzeichnungen die Kriegsereignisse für die Nachwelt fest. In der Folgezeit gewannen die Franziskaner schnell das Vertrauen der Bürger. Sie waren als Prediger, Beichtväter, Krankenpfleger und Beistand der Sterbenden bei allen Bevölkerungsschichten beliebt und geachtet. Eine Reihe von Bruderschaften, die an der Klosterkirche begründet wurden, spiegeln die Verbundenheit der Einwohner mit ihren Franziskanern wider. Es gab unter anderem die Erzbruderschaften des hl. Franziskus und des hl. Michael, die Bruderschaft der Unbefleckten Empfängnis und die des hl. Antonius von Padua. Der Lebensunterhalt der Mönche war durch regelmäßige Zahlungen und Naturalien, die sie von der kurfürstlichen Regierung und den Bürgern erhielten, gesichert. Mithilfe vieler Spenden erweiterten sie 1680 ihr Brauhaus um ein Bräustüberl und bauten die Ökonomie aus. Ende des 17. Jahrhunderts wurde im Schrobenhausener Kloster das Noviziat des Ordens eingerichtet.

 

Im 18. Jahrhundert litt der Franziskanerkonvent sehr unter den Erbfolgekriegen, die Plünderungen und Zerstörungen mit sich brachten. Die größten festlichen Ereignisse jener Zeit waren das 100-jährige Jubiläum der Allerheiligenkirche 1744 und die Übertragung der Reliquien der hl. Placida aus der Pfarrkirche in die Antoniuskapelle der Klosterkirche im Jahr 1763. Am 8. Februar 1802 erhielt das Kloster von der bayerischen Regierung das Aufhebungsdekret vorgelegt. Die 25 Konventsmitglieder mussten am 31. März in die Niederlassung des Ordens nach Ingolstadt umsiedeln. Im Juli desselben Jahres wurden die Gebäude, die Allerheiligenkirche, die Wirtschaftsanlagen und Gärten verkauft. Drei Altäre aus dem Gotteshaus kamen in die Kirche von Oberlauterbach. 1804 erfolgte der Abbruch der gesamten Anlage. Auf dem Gelände legte man ein Jahr später einen neuen Stadtfriedhof an.

 

 

 

Christine Riedl-Valder

 



 

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