Die Chorfrauen von Pillenreuth ? Hüterinnen der Moral
Conrad Groß, wohlhabender Nürnberger Bürger und kaiserlicher Schultheiß, schenkte seinen Hof Pillenreuth im Jahr 1345 einer Gruppe von Frauen, die zusammen in religiöser Gemeinschaft leben wollten. Kaiser Ludwig und der Bischof von Eichstätt bestätigten die Schenkung. Zunächst bezeichneten sich die Frauen als Klausnerinnen; 1379 entschlossen sie sich aber zur Annahme der Augustinerregel und stellten sich unter die geistliche Leitung des Stiftes Neunkirchen am Brand. Den Klosterfrauen standen eine Pröpstin und eine Priorin vor. Den Schutz des Klosters übernahm die Stadt Nürnberg. Das Kloster verpflichtete sich dem Rat gegenüber zur Beschränkung auf zwölf Chorfrauen. Bewerberinnen durften nur mit Wissen des Stadtrats aufgenommen werden. Um 1400 begann man mit dem Klosterbau; die Kirche wurde 1418 geweiht. Das Kloster hatte auch die Niedere Gerichtsbarkeit über seine Güter inne.
Im Jahr 1460 wurde Pillenreuth von böhmischen und bayerischen Truppen geplündert. In den Kriegszeiten der Jahre 1450 und 1525 flüchteten die Nonnen nach Nürnberg und kehrten, nachdem die Gefahr gebannt war, wieder zurück. Ein Nürnberger Pfarrer richtete 1477 neben dem Kloster eine Klause für ?gefallene Mädchen? ein, über die die Nonnen die Aufsicht hatten. Diese Einrichtung brachte jedoch keinen dauerhaften Erfolg und wurde 1539 wieder geschlossen. Seit 1525 versuchte der Nürnberger Rat vergebens, die Klosterfrauen von Pillenreuth zur Annahme des neuen Glaubens zu bewegen. Die letzte Pröpstin wurde 1548 gewählt. 1552 zerstörten die Truppen des Markgrafen Albrecht von Brandenburg Pillenreuth. Die Nonnen blieben im Klarakloster zu Nürnberg und sammelten alle Kräfte für den Wiederaufbau ihres Klosters. Doch der Stadtrat unterband diese Versuche; selbst die Übersiedlung ins Kloster Marienburg wurde den Nonnen nicht gestattet. 1591 starb in St. Klara die letzte Chorfrau von Pillenreuth. Es lebte nur noch eine Laienschwester, die das Kloster ein Jahr später gegen eine jährliche Pension an die Stadt abtrat. 1604 fiel die Einrichtung in Privatbesitz. In der Folgezeit wurden die Kirche und die meisten Gebäude abgebrochen.
Christine Riedl-Valder