Die "Minderbrüder" in Nürnberg
Nach der Ordenstradition ließen sich die ersten Minoriten bereits im Jahr 1224, noch zu Lebzeiten des Ordensgründers Franz von Assisi, in Nürnberg nieder. Im Dezember 1268 wurde die Franziskaner- oder Barfüßerkirche geweiht, ein weiteres Mal nach mehreren Umbauten im Jahr 1434.
Gefördert wurde der Orden in der Stadt von Patrizierfamilien und den Burggrafen, besiedelt hingegen vom Franziskanerkloster Bamberg (gegründet 1223). In der Zeit von 1228 bis 1501 wurden mehr als 350 Nürnberger Patrizier in der Kirche und im Kloster bestattet. Der Totenkalender, heute in der Staatsbibliothek Bamberg, überliefert die Namen von Konrad Waldstromer (gest. 1266), Angehörigen der Familien Groß, Ebner, Pfinzing, Nützel, Haller und Pirkheimer. Dr. Johann Pirkheimer, Vater von Willibald und Caritas, zog sich nach seiner Priesterweihe hierher zurück, er starb am 3. Mai 1501.
Die zahlreichen Zuwendungen an das Kloster waren nicht vereinbar mit dem Versprechen apostolischer Armut, sodass sich die Brüder 1447 der Observanz unterzogen und auf Anordnung des Bamberger Bischofs Anton Rotenhan alle Besitzungen, Renten und Zinsen an das Heilig-Geist-Spital übertrugen. In Befolgung des Armutsideals sollten die Mönche künftig nur noch von Almosen leben. Die Ordensprediger hatten großen Einfluss auf die Bevölkerung. Auf Wunsch des Nürnberger Rates kam 1452 der Bußprediger Johannes Capistranus für drei Wochen in die Reichsstadt. Jeden Tag versammelte sich die Menschenmenge für ungefähr vier Stunden auf dem Hauptmarkt und hörte seine lateinische Predigt gegen Prunksucht und ausschweifendes Leben, die der Nürnberger Franziskaner Nikolaus Eyffler ins Deutsche übersetzte. Als Folge der ergreifenden Predigten verbrannten die Zuhörer am Laurentiustag, dem 10. August, über 2000 Spielbretter und mehr als 20000 Würfel- und Kartenspiele sowie 72 bemalte Schlitten. Ein Holzschnitt des Hans Schäufelin von 1519 erinnert an dieses Ereignis.
In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erlebte der Konvent einen bedeutenden Aufschwung des religiösen und wissenschaftlichen Lebens. Der Klosterbruder Nikolaus Glasberger (gest. 1508), der mit Hartmann Schedel und Conrad Celtis in Verbindung stand, verfasste eine ausführliche Chronik des Franziskanerordens sowie eine Genealogie der römischen Kaiser von Karl dem Großen bis zu Maximilian I. Stephan Fridolin, seit 1480 im Nürnberger Kloster, schrieb 1491 sein berühmtestes Werk, den Schatzbehalter oder Schrein der wahren Reichtümer des Heils und ewiger Seligkeit mit 96 blattgroßen Holzschnitten der Werkstatt des Michael Wolgemut und Hans Pleydenwurff. Im Mittelpunkt seiner Verkündigung standen das Leben, Leiden und Sterben Jesu, deren Betrachtung den Menschen zum Heil dienen sollte.
Nach dem Nürnberger Religionsgespräch im März 1525, auf dem der Guardian Michael Fries für die katholische Partei auftrat, schlossen sich die Franziskaner nicht der Reformation an. Daher wurden ihnen Predigt und Seelsorge in Nürnberg, auch die Betreuung der Nonnen von St. Klara und die Aufnahme von Novizen untersagt. Dennoch versuchten die zwölf in der Gemeinschaft lebenden Mönche im Jahr 1535 wenngleich vergeblich neue Brüder aufzunehmen. Die Kirche wurde 1529 geschlossen, 1541 jeglicher Gottesdienst verboten. Im Jahr 1562 starb der letzte Franziskaner, Peter Pfingststetter, im Alter von 80 Jahren und das Kloster ging in den Besitz der Stadt über.
In den folgenden Jahrhunderten wurden die Gebäude auf unterschiedliche Weise genutzt: 1557/60 als Findelhaus für Mädchen bzw. Knaben, 1668 durch die Anatomie und 1671 als Frauenzuchthaus. In diesem Jahr wurden bei einem Brand die Kirche und ein Teil des Klosters zerstört. Daraufhin verlegte man die Anatomie in das Katharinenkloster und an dessen Stelle das bislang im Weinstadel eingerichtete Spinnhaus für faule Weibspersonen ins Barfüßerkloster. 1674 traf sich hier die Malerakademie unter Jakob von Sandrart. Von 1682 bis 1689 ließ der Nürnberger Rat die Kirche unter Leitung des Zeugmeisters Johann Trost in schlichten Barockformen wieder aufbauen. Ein Architekturmodell befindet sich im Germanischen Nationalmuseum.
Pläne von 1797, die Franziskanerkirche als Theater zu nutzen, wurden nicht umgesetzt. Nach dem Verkauf der Kirche in bayerischer Zeit ab 1806 erfolgte der Abbruch der westlichen Teile. 1808 ließ Georg Hieronymus Bestelmeyer hier das erste klassizistische Privathaus in Nürnberg bauen. Der erhaltene Chor diente teilweise als Magazin und als Kapelle für das Waisenhaus. 1810 errichtete die Gesellschaft Museum im Kloster ihr Clubhaus. 1886 erfolgte eine Nutzung durch die höhere Mädchenschule. 1913 wurden die restlichen Langhausteile und anschließenden drei Chorjoche abgerissen. Erhalten blieben nur der Rest des Chorbaus, ein Joch und der Chorschluss, durch Einbau von Fenstern und Geschoßdecken in das jetzige Bankgebäude integriert.
Von der ehemaligen Ausstattung, darunter zwölf Altäre, ist nur die Grabplatte der 1294 verstorbenen Anna Groß im Germanischen Nationalmuseum erhalten.
(Claudia Siegel-Weiß)