Lenzfried


 

GESCHICHTE

Kempten, Lenzfried, Franziskanerkloster St. Bernhard – Beherzte Prediger

 

Die ersten fünf Franziskanermönche kamen 1458 nach Kempten, sie bewährten sich von Anfang an als Seelsorger und Prediger. Als der Magistrat jedoch beabsichtigte, die Brüder in der Stadt anzusiedeln, stießen sie bei Pfarrer Leonhard Märklin von St. Mang und beim Abt des Benediktinerstifts auf heftigen Widerstand. Fürstabt Gerwig von Sulmentingen verbot, den Franziskanern Grund und Boden zu überlassen. Mithilfe einiger Gönner, unter ihnen der besonders engagierte Kemptener Bürger Heinrich Belzinger, konnte für sie jedoch 1461 im Vorort Lenzfried ein Bauerngut erworben werden. Dort gründeten die Mönche eine kleine Niederlassung mit vier Zellen und einem Oratorium. Dank höchster Unterstützung durch Papst Pius II. und der tatkräftigen Hilfe des Augsburger Bischofs Peter von Schaumberg (reg. 1424–1469) gelang es, bereits zwei Jahre später den Grundstein zu einem dem hl. Bernhard von Siena geweihten Kloster zu legen. 1466 erfolgte die Konsekration der Klosterkirche durch den Augsburger Weihbischof Jodokus.

Die aufopfernden Dienste der Franziskaner, die auch in der Kranken- und Sterbebegleitung tätig waren, wurden von der Bevölkerung dankbar in Anspruch genommen. Durch viele Wohltäter konnte sich das junge Kloster gut etablieren. Es gewann schnell an Ansehen und Bedeutung. Dies zeigt auch die Tatsache, dass sich 1493 die Repräsentanten der gesamten Ordensprovinz in Lenzfried zur Versammlung trafen. Eine besondere Persönlichkeit aus dem Kloster war P. Johannes Winzler, der seit 1523 als Guardian wirkte. Er war ein ausgezeichneter Redner. Weil er im Glaubenskrieg die katholische Lehre gegen die Lutheraner so vehement verteidigte, dass den Gegnern die Argumente ausgingen, gilt er als „Apostel Kemptens“.

Im Bauernkrieg wollten die Aufständischen 1525 das Kloster plündern. Im Gegensatz zum reichen Kemptener Benediktinerstift fanden sie bei den armen Franziskanermönchen in Lenzfried jedoch keine nennenswerten Schätze. Nachdem die Stadt Kempten zum Protestantismus übergetreten war, verbot man den Brüdern 1546, die katholische Messe abzuhalten. Gleichzeitig geriet das Kloster im Schmalkaldische Krieg, den Kaiser Karl V. gegen ein Bündnis protestantischer Landesfürsten und Städte führte, so stark in Bedrängnis, dass der Orden 1548 beschloss, die Niederlassung aufzugeben. Im gleichen Jahr bezogen die aus dem Kemptener St.-Anna-Kloster durch die Reformation aus der Reichsstadt vertriebenen Franziskanerinnen die Anlage.

Der Augsburger Fürstbischof Heinrich V. erhob 1642 die Klosterkirche in Lenzfried zur Pfarrkirche St. Magnus. Hinsichtlich der Ernennung des Pfarrers kam es zu Kompetenzstreitigkeiten mit dem Kemptener Fürstabt Roman Giel von Gielsberg (Amtszeit 1639–1673), der dieses Recht für sich beanspruchte. Diese Auseinandersetzung nützte der Franziskanerorden, um erfolgreich Anspruch auf sein ehemaliges Kloster in Lenzfried zu erheben. Ab 1649 lebte wieder ein Franziskanerkonvent mit zwölf Patres unter der Leitung eines Guardians in den alten Klostergebäuden. Gleichzeitig konnten die Franziskanerinnen, die bisher hier gewohnt hatten, ihr neues Kloster St. Anna beziehen, das auf der gegenüberliegenden Straßenseite erbaut worden war. Die Mönche widmeten sich in der Folgezeit der Seelsorge in der Pfarrei St. Mang und stellten die Beichtväter und Prediger für das Benediktinerstift in Kempten sowie die benachbarten Franziskanerinnen. Ab 1715 betreuten sie die Wallfahrtskirche Heiligkreuz. Das dortige Hospitium wurde 1738 zum selbstständigen Kloster erhoben.

1680 gründete der Orden in Lenzfried eine franziskanische Studienanstalt mit Noviziat. Um dafür Platz zu schaffen, wurde das Kloster mit Unterstützung des Kemptener Fürstabts Rupert von Bodman (Amtszeit 1678–1728) und weiterer Gönner zu einer Dreiflügelanlage umgebaut. Hans Mayer, der Baumeister des Stifts, erneuerte auch die Pfarrkirche St. Magnus unter Verwendung des spätgotischen Chorbaus. Als kostbarstes Geschenk vermittelte der Fürstabt dem Kloster den Leib des römischen Märtyrers Constantius, der in reiche Klosterarbeiten gefasst, in einem Glasschrein in der Josephskapelle der Pfarrkirche aufgestellt wurde. Ein neuer Hochaltar wurde 1748 von den Franziskanern in Kloster Lechfeld erworben.

Da der Konvent plante, die Studienanstalt weiter auszubauen, und die Gebäude schon sehr marode waren, entschloss man sich 1765 zu einem völligen Neubau der Anlage unter Leitung des stiftskemptischen Bauinspektors Josef Galler. Fürstabt Honorius von Schreckenstein erlaubte den Mönchen, für ihre Zwecke die Bausteine des nahegelegenen Schlösschens Eggen zu verwenden, das daraufhin völlig abgetragen wurde. Ab 1767 konnten in Kloster Lenzfried die zweijährigen philosophischen, und ab 1783 auch die theologischen Kurse für die Novizen der Diözesen Augsburg und Konstanz stattfinden.

Im Zuge der Säkularisation erhielt 1803 der Deutsche Orden die beiden Niederlassungen der Franziskaner in Lenzfried zugesprochen. Die 18 Patres und sechs Laienbrüder durften weiter hier wohnen. Bis 1811 diente die Einrichtung als Zentralkloster. Dann zogen der Pfarrhof, 1814 ein Lazarett, später eine Schule und eine Werkstätte ein. Im ehemaligen Franziskanerkloster erinnert heute nur noch die Josephskapelle im Westflügel an die Mönche, die hier lebten.

 

Christine Riedl-Valder

 



 

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