Heiligenthal


 

GESCHICHTE
Heiligenthal ? adlige Frömmigkeit im hohen Mittelalter

Die baulichen Reste des ehemaligen Zisterzienserinnenklosters Heiligenthal (?Vallis Sanctorum?) nahe Schwanfeld mit ihrer heute dem hl. Markus geweihten Kapelle liegen in ordenstypischer Abgeschiedenheit. Das Kloster wurde 1234 durch die selige Äbtissin Jutta von Fuchsstadt gegründet. Die Adlige übereignete ihren ererbten Besitz in Bonebach dem Bischof von Würzburg, der das Kloster dafür unter den Schutz des hl. Kilian stellte. 1255 erteilte Papst Alexander IV. dem Frauenkloster das Privilegium commune. Obwohl nie förmlich in den Orden inkorporiert, wurde Heiligenthal spätestens 1301 dem Abt der Zisterze Bildhausen unterstellt. Schenkungen der Grafen von Henneberg, des Iring von Hohenburg, des Konrad von Saueracker und der Herren von Schletten sind bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts überliefert. 1427 ist letztmals eine Äbtissin bezeugt und im Verlauf des 15. Jahrhunderts ist mehrfach die Rede von Güterverkäufen.

Im Jahr 1500 schließlich wurde Heiligenthal der Zisterzienserabtei Bildhausen einverleibt und in ein Priorat für Mönche umgewandelt. 1501 jedoch unternahm der Würzburger Fürstbischof Lorenz von Bibra (reg. 1495?1519) einen letzten Versuch zur Reform und berief einen neuen weiblichen Konvent aus Marburghausen bei Haßfurt. Von den Zerstörungen des Bauernkriegs 1525 erholte sich Heiligenthal jedoch nicht mehr. Noch vor dem Tod der letzten Äbtissin Barbara II. Lamprecht im Jahr 1564 wurde es einem weltlichen Verwalter bzw. bischöflichen Administrator unterstellt. 1579 säkularisierte Fürstbischof Julius Echter (reg. 1573?1617) das Kloster zugunsten des Juliusspitals in Würzburg. Im 19. Jahrhundert erwarb der Fürst von Leiningen den Besitz, der heute als Gutshof betrieben wird.

Vom Kloster ist allein die Kirche des späteren 13. Jahrhunderts erhalten geblieben, eine für Zisterzienserinnen typische frühgotische Anlage. Ein Bau der Gründungszeit mit Altarhaus über quadratischem Grundriss wurde vor 1285 nach Osten vergrößert und erhielt schließlich einen siebenteilig geschlossenen, gewölbten Chor. Lediglich dieser Chor weist eine reichere Bildung der Bauskulptur auf, die der von St. Johannis im nahen Schweinfurt verwandt ist. Das Langhaus ist nicht gewölbt. In für den Orden typischer Weise sind seine drei Westjoche durch eine Quermauer in Emporenhöhe vom Chor getrennt. Auf dieser Empore befand sich der Nonnenchor und darunter die Sepultur.

Zwei seit 1949 im Mainfränkischen Museum Würzburg aufbewahrte Grabsteine belegen die Rolle von Heiligenthal als zeitweilig beliebte Grablege des Adels aus der Region: Die Epitaphien des Eberhard (gest. 1379) und des Friedrich von Wolfskeel (gest. 1408) gehören zu den bedeutendsten Leistungen der würzburgischen Plastik der Zeit um 1400. Während die ältere Arbeit vom gleichen Meister geschaffen worden sein dürfte, von dem das Grabmal des Konrad von Seinsheim (gest. 1369) in St. Johannis in Schweinfurt stammt, wird der jüngere Wolfskeel-Epitaph dem sog. Schwarzburgmeister in Würzburg zugeschrieben.

Abgesehen von einer Wallfahrt zu dem vor dem Hochaltar angelegten Grab der Klostergründerin Jutta (gest. vor 1251) gelangte Heiligenthal nie zu größerer Bedeutung. Fieberkranke suchten den Ort gerne auf. Sie fanden dort ein Reliquiar vor, in dem ein ?leiblicher Arm mit einem vergüldten Gefäß eingefasst, daraus die Bresthafte und Kranke getrunken und also ihre Gesundheit wiederum erhalten?. Nach der Auflösung des Klosters gelangte die Reliquie 1579 in das Juliusspital nach Würzburg, wo sich ihre Spur Ende des 19. Jahrhunderts verliert.

(Erich Schneider)



 

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