Die Glossare des HdBG

Paritätische (Studenten-)Verbindung Detailansicht

Stichwörter: paritätisch, Paritätische (Studenten-)Verbindung


Paritätische Studentenverbindungen waren von ihrem Selbstverständnis her keine jüdischen Verbindungen, sondern verstanden sich als säkulare Korporationen mit einer liberal-patriotischen Weltanschaung. Daher lehnten sie es auch entschieden ab, sich in der Öffentlichkeit als "jüdische Verbindungen" bezeichnen zu lassen. Faktisch entwickelten sich wegen des akademischen Antisemitismus die paritätischen Verbindungen aber seit dem späten 19. Jahrhundert überwiegend zu rein jüdischen Verbindungen, weil anderweitiger Nachwuchs weitgehend ausblieb. Die Ausrichtung der paritätischen Verbindungen war zeittypisch national und staatstragend, nach 1918 waren sie mehrheitlich dezidiert republiktreu. Interessanterweise gelang es den paritätischen Verbindungen nie, einen einheitlichen Dachverband zu bilden, zu groß erwiesen sich die Unterschiede in Brauchtum und weltanschaulicher Ausrichtung, der daraus resultierende verbindungsstudentische Partikularismus sowie meist auch die wechselseitigen Rivalitäten vor Ort. Der wichtigste Dachverband paritätischer Verbindungen war der 1919 gegründete Burschenbunds-Convent (BC), der farbentragend und schlagend (unbedingte Satisfaktion mit der Waffe und Bestimmungsmensur) war und im WS 1930/31 über 22 Mitgliedsbünde mit 830 Aktiven, 210 Inaktiven und 1645 Alten Herren verfügte. Dem Burschenbund Südmark München im BC gehörte der erste Finanzminister der BRD und FDP-Bundesvorsitzende Thomas Dehler (1897-1967) an.

Quelle: Matthias Stickler: Jüdische Studentenverbindungen. Anmerkungen zu einem zu wenig beachteten Thema der Universitäts- und Studentengeschichte. In: Einst und Jetzt 61 (2016), S. 11-56.
Aus: Jüdisches Leben in Bayern (hdbg.eu/juedisches_leben)

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