Biografien
Menschen aus Bayern

Rosa Klauber (geb. Löwi) Textilkauffrau, Gründerin des "Spitzenhauses Rosa Klauber"

geboren: 1820, Lettin (Letiny)
gestorben: 1901, München

Wirkungsort: Friedrichshof (Bedřichov) | München

Das Unternehmen Rosa Klauber zählte zu den renommiertesten Adressen für Innenausstattung und Wäsche in München und war als Königlich Bayerischer Hoflieferant bekannt. Die Gründerin Rosa Klauber kam Mitte des 19. Jahrhunderts aus Böhmen nach München und begann als Markthändlerin auf der Auer Dult. Durch unternehmerischen Erfolg gelang ihr der gesellschaftliche Aufstieg ins Münchner Bürgertum. In den 1920er Jahren erweiterten ihre Enkel das Familienunternehmen mit einer zweiten Filiale am Marienplatz sowie einer modernen Wäschefabrik in der Dachauer Straße. Dort war von 1935 bis November 1938 auch Kurt Landauer, ehemaliger Präsident des FC Bayern München, als kaufmännischer Angestellter tätig. Mit der Verfolgung jüdischer Bürger durch das NS-Regime mussten die Nachkommen Rosa Klaubers 1938/39 Deutschland verlassen und ihr Lebenswerk zurücklassen. Sie emigrierten nach New York, wo sie sich eine neue Existenz aufbauten. Die Familientradition besteht bis heute fort.

Rosa geb. Löwi kam im tschechischen Lettin zur Welt, damals Teil der Habsburger Monarchie. Sie war zweimal verheiratet – zuerst mit Samuel Gartenzaun, der jedoch bereits Ende der 1830er Jahre verstarb, anschließend mit Elias Klauber (1816–1887) aus dem kleinen, heute zerstörten Grenzort Friedrichshof (Bedřichov). Aus der ersten Ehe gingen zwei Kinder hervor, aus der zweiten neun: Wilhelmina verh. Bloch (*1851), David (1852–1907), Franziska (Fanni, 1854–1933), Samuel (1856–1922), Moritz (1857–1948), Elise verh. Bloch (*1858), Leo (*1861), Amalia (*1864) und Julie (*1866). Die Familie lebte von einem Gemischtwarenladen, der handgeklöppelte Spitzen von Heimarbeitern aufkaufte und bis in die USA exportierte.

Mitte des 19. Jahrhunderts war Rosa Klauber als fahrende Markthändlerin für Galanterie- und Spitzenwaren tätig und kam mit ihrem „wohlassortirten Lager bohmischer ordinarer und feiner Zwirnspitzen“ auch nach München auf die Auer Dult. Offensichtlich war sie eine resolute und ehrgeizige Persönlichkeit: Ihr gelang der Aufstieg von der verachteten "Judenreihe" in ein Ladengeschäft, dass nach allgemeinen Angaben bereits 1859 gegründet wurde. Im Jahr 1872 siedelte Familie Klauber nach München über und wohnte im Tal 76, wo sich anfangs auch das "Spitzenhaus" befand. Nachdem Elias Klauber infolge eines Unfalls arbeitsunfähig geworden war, war Rosa Klauber für den Familienunterhalt verantwortlich. Sie baute sich einen Kundenkreis in München und ganz Süddeutschland auf und trat als Sammlerin alter Spitzen in Erscheinung. Rosa Klauber war im gehobenen Bürgertum der Haupt- und Residenzstadt angekommen. Sie starb 1901 und wurde auf dem Alten Israelitischen Friedhof in München (Thalkirchen) beigesetzt.

Ihr Sohn Moritz Klauber hatte 1889 mit der Regensburgerin Anna geb. Schwartzhaupt (1866–1958) eine eigene Familie gegründet und das Geschäft von seiner Mutter übernommen. Bereits 1888 befanden sich die Geschäftsräume in der renommierten Theatinerstraße 16, im Jahr 1890 folgte die Auszeichnung zum Königlich Bayerischen Hoflieferanten. Mit der Verleihung des Hoftitels war das Recht verbunden, das königliche Wappen zu führen. Es schmückte bis zum Ende der Monarchie die Schaufenster, Werbung und Siegelmarken des Spitzenhauses. Zusammen mit seiner Halbschwester Anna Schwarz, geb. Gartenzaun erweiterte das Sortiment um günstigere maschinengestickte Spitze aus Plauen, Nottingham und Calais, die sich auch einkommensschwächere Kundenkreise leisten konnten. Unter neuer Adresse (Theatinerstraße 35) gehörte das "Spitzenhaus Rosa Klauber" zu den ersten Adressen in München.

Mit der Geschäftsübernahme durch die drei Söhne von Moritz Klauber expandierte das Geschäft aufs Neue. Ernst Klauber begann neben dem Detailgeschäft einen Export-Großhandel. 1926 eröffnete eine zweite Filiale am Marien­platz 2. Zusammen mit seinem Bruder Ludwig gründete Ernst Klauber im Jahr 1927 eine eigene Wäschefabrik in der Dachauer Straße 112, auf dem ehemaligen Gelände des Rüstungsbetriebs Deutsche Werke AG. Sein Bruder Siegfried Klauber übernahm die Geschäftsleitung des Spitzenhauses. 1927 arbeiteten rund 25 Näherinnen in der Fabrik und weitere 65 in Heimarbeit. Dazu kamen Vertreter (die Firma hatte eigene Buros in Berlin und London) und kaufmännische Angestellte, darunter zwischen 1935 und November 1938 auch der ehemalige FC Bayern-Prasident Kurt Landauer (1884–1961).

Nach der NS-Machtübernahme 1933 wurde klar, dass Deutschland keine Zukunft mehr bot: Siegfried und Ludwig emigrierten im Sommer 1938 nach New York. Ihre Firma wurde vom NS-Regime „arisiert“. Ernst Klauber mit Frau Alice und Sohn gelang noch 1939 die Flucht über Frankreich in die Vereinigten Staaten von Amerika. In New York City wurde die Familie wieder im Spitzenhandel tätig: Unter dem Namen Klauber Brothers Inc. besteht der renommierte Großhandel bis heute fort und legt großen Wert auf seine lange Tradition. Das ehemalige Fabrikgelände an der Dachauer Straße 12 ist heute ein "Kreativquartier" mit Wohnungen, Ateliers und Veranstaltungshallen. Eine illustrierte Informationstafel erinnert dort an Rosa Klauber.


Nach Lara Theobalt, Jüdisches Museum München

Literatur

  • Lara Theobalt / Jüdisches Museum München (Hg.): Ausstellungsbroschüre "Spitzenhaus Rosa Klauber". München 2021.

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